Vitamin E für die Haut: Tocopherol als Beauty-Produkt?
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Vitamin E für die Haut: Tocopherol als Beauty-Produkt?

Vitamin E wird als Beauty-Produkt hoch gepriesen. Doch was ist dran am Hype? Laut Hautärztin Dr. med. Marion Moers-Carpi ist es entscheidend, in welcher Form und Konzentration das Vitamin E in Kosmetikprodukten vorkommt. Im Interview verrät die Expertin zudem, worauf noch zu achten ist.

Gelbe Seiten: Es ist unbestritten, dass Vitamin E wichtig für die Haut ist. Können Sie erklären, wie das Vitamin auf die Haut wirkt und was bei einem Mangel passieren kann?

Marion Moers-Carpi: Ein Vitamin-E-Mangel führt zu trockener Haut, trockenen Haaren und zu brüchigen Nägeln. Das fettlösliche Vitamin stärkt die Hautbarriere und beugt Rissen vor, die sonst ein Einfallstor für Bakterien wären. Dem kann aber schon durch die orale Aufnahme von Vitamin E vorgebeugt werden.

Sind vitamin-E-haltige Kosmetikprodukte bei ausgewogener Ernährung denn überhaupt vonnöten?

Moers-Carpi: Wer ausgewogene Mischkost zu sich nimmt, wird in der Regel ausreichend mit Vitamin E versorgt. Ein Mangel ist in Deutschland äußerst selten. Dennoch ist eine zusätzliche Zufuhr des Vitamins über Kosmetikprodukte für die Haut zu empfehlen, denn Studien zeigen, dass Vitamin E andere fettlösliche Inhaltsstoffe tiefer in die Haut befördern kann, quasi wie ein Transportmechanismus. Deshalb sind in Cremes und Seren auch oft Stoffkombinationen enthalten, deren Wirkung sich ohne Vitamin E gar nicht richtig entfalten könnte. Generell wird die Haut durch die Verwendung eines Vitamin-E-Kosmetikproduktes glatter.

Oft wird Vitamin E in Kosmetikprodukten aber auch mit dem wasserlöslichen Vitamin C kombiniert …

Moers-Carpi: Das Vitamin E verbraucht sich nach einer Weile. Um seine Wirksamkeit erneut zu aktivieren, benötigt es Vitamin C. Diese beiden Stoffe sind gewissermaßen miteinander verbandelt.

Vitamin E ist allerdings nicht gleich Vitamin E – es gibt viele unterschiedliche Formen. Ist es entscheidend, welche Art des Vitamins in Kosmetikprodukten enthalten ist?

Moers-Carpi: Absolut. Hinter dem fettlöslichen Vitamin verbergen sich mindestens acht Stoffe. Diese werden in zwei große Gruppen unterteilt: Die Tocopherole und die Tocotriene. In Kosmetikprodukten wird oft alpha-Tocopherol beigemischt, dabei sind die Tocotriene höchstwahrscheinlich bis um das 50-fache effektiver, wie aktuelle Studien nahelegen. Ein weiteres Problem: Vitamin E kann auch in der sogenannten Esterform vorkommen. Diese stabile Form ist besonders gebräuchlich in Kombinationsprodukten, wo die Vitamin-E-Aktivität durch andere Stoffe leiden kann. Also vor allem in Kosmetikprodukten. Und dann verliert das Vitamin E gänzlich seine Wirkung. Der Verbraucher sollte also immer genau auf die Inhaltsstoffe achten.

Sind diese denn immer so differenziert aufgeführt?

Moers-Carpi: Leider nicht. Da hilft im Zweifel nur die Anfrage beim Hersteller. Zudem ist auch die Konzentration des Wirkstoffs entscheidend: Mindestens 0,5 Prozent Vitamin E sollten im Beauty-Produkt vorkommen, besser 1 Prozent. Sonst ist die Wirkung kaum wahrnehmbar. Leider ist auch diese Angabe nicht auf allen Produkten zu finden.

Produkte werben oft mit einer "hohen Konzentration". Kann Vitamin E in Kosmetika auch überdosiert sein und dadurch gesundheitsgefährdend werden?

Moers-Carpi:Durch Nahrungsergänzungsmittel schon, da es wie erwähnt fettlöslich ist und nicht einfach ausgeschieden werden kann wie wasserlösliche Stoffe. Durch ein Kosmetikprodukt ist eine Überdosis aber kaum möglich, dafür müsste man sich schon dauerhaft am ganzen Körper dick einschmieren

Und unabhängig von einer Überdosierung? Kann Vitamin E die Haut auch belasten? Etwa durch allergische Reaktionen oder Ähnliches?

Moers-Carpi:Allergische Reaktionen werden eher durch die Zusatzstoffe in Cremes hervorgerufen. Gerade Öle sind dafür bekannt. Aber eine zu hohe Vitamin-E-Konzentration in einem Kosmetikprodukt kann auf die Haut durchaus irritierend wirken.

Es gibt vitamin-E-haltige Cremes, Öle, Seren, Salben, Masken … Ist es egal, auf welche Weise das Vitamin an die Haut kommt?

Moers-Carpi:Fettlösliche Stoffe lösen sich generell besser in etwas Fettem auf als in etwas Dünnem, Leichtem. Eine reichhaltige Salbe oder ein Serum ist also effektiver als beispielsweise ein schnell einziehendes Gel. Viel entscheidender ist jedoch die Verpackung, da das Vitamin E sehr sensibel ist und anfällig für Sauerstoff und Lichteinstrahlung. Eine Creme in einem hellen Glas ist also denkbar ungünstig. Eine dunkle und vor Sauerstoff geschützte Verpackung ist für ein solches Kosmetikprodukt unabdingbar. Sobald nach einer Oxidation eine leichte Braunfärbung der Creme einsetzt, ist diese nicht mehr wirksam

Bei trockener Haut und Neurodermitis ist Vitamin E nicht verkehrt.

Bei trockener Haut und Neurodermitis ist Vitamin E nicht verkehrt.

Vitamin-E-Produkte werden in der Werbung oft als Wundermittel gepriesen. Sie sollen sich positiv auf die Narbenheilung auswirken, UV-Strahlung mindern und gegen Akne und Neurodermitis helfen, um nur einige Effekte zu nennen. Ist an dem Hype etwas dran?

Moers-Carpi: Das mit der Narbenheilung ist Quatsch. Es gibt keine Studien, die das belegen. Wir behandeln Narben heutzutage mit Silikoncremes, die wesentlich wirkungsvoller sind und verhindern, dass die Narbe wuchert. Bei starker Sonneneinstrahlung hilft das Vitamin E als starkes Antioxidans, die Schäden in der Haut zu reparieren. Es kann aber keine Sonnencreme ersetzen. Und bei Akne sind reichhaltige Cremes mit Vitamin E kontraproduktiv, da die Hautkrankheit durch das Fett eher gefördert wird. Anders sieht es bei trockener Haut oder Neurodermitis aus, da ist Vitamin E grundsätzlich nicht verkehrt. Aber auch da gibt es andere Mittel, die wesentlich besser wirken, wie beispielsweise Harnstoff.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Profilbild von Dr. med. Marion Moers-Carpi
Experte/-in
Dr. med. Marion Moers-Carpi

Dr. med. Marion Moers-Carpi ist Dermatologin in München. Sie praktiziert seit 2004 in ihrer Hautarztpraxis mit den Schwerpunkten operative und ästhetische Dermatologie und ist Mitglied in der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), im Berufsverband der Deutschen Dermatologen sowie anderen zahlreichen internationalen Vereinigungen und Expertengremien.

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