Superfood: Von Açaí bis Walnuss •

Expertin im Interview: "Kokosöl zählt nicht zu den empfehlenswerten Ölen"

Seit einigen Jahren gilt Kokosöl als Superfood schlechthin. Angeblich hat es eine antibakterielle Wirkung, soll beim Abnehmen helfen und – äußerlich angewendet – ein wahres Wundermittel für Haut und Haare sein. Kürzlich warnte eine Professorin aber vor dem exotischen Öl, es sei reines Gift. Wir haben Ernährungswissenschaftlerin Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. dazu gefragt.  

Warum soll Kokosöl denn überhaupt so gesund sein?

Silke Restemeyer: „Unter anderem wird behauptet, dass Kokosöl beim Abnehmen helfen soll und dass es eine bakterizide Wirkung hat. Auch soll es angeblich Demenz vorbeugen. Viele der propagierten Wirkungen von Kokosöl werden auf die enthaltenen mittelkettigen Fettsäuren zurückgeführt, insbesondere auf die enthaltene Laurinsäure. Die Wirkungen wurden aber bislang nur in Tierstudien belegt und auch nur für isolierte Fettsäuren. Daraus wurden dann Schlüsse für Kokosöl gezogen. Es ist aber gar nicht klar, wie viele Fettsäuren man dazu aufnehmen müsste und am Menschen sind diese Wirkungen auch gar nicht belegt.“  

Ist Kokosöl generell eher gesund oder eher ungesund?

Silke Restemeyer: „Entsprechend den zehn Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sollte man gesundheitsfördernde Fette bevorzugen. Kokosfett, Palmöl und Palmkernöl enthalten – wie auch tierische Fette – große Mengen an gesättigten Fettsäuren. Diese haben ungünstige Auswirkungen, insbesondere auf die Blutfette. Sie erhöhen unter anderem das LDL-Cholesterin und wirken sich damit auch ungünstig auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit aus.“

Ist Kokosöl „reines Gift“, wie eine Professorin kürzlich bei Youtube behauptete?

Silke Restemeyer: „So würde ich es nicht formulieren. Aber empfehlenswert ist es nicht unbedingt. Kokosöl enthält nun mal mehr als 80 Prozent gesättigte Fettsäuren. Ersetzt man gesättigte Fettsäuren durch Öle mit einem höheren Anteil an guten, mehrfach ungesättigten Fettsäuren, sinkt das Risiko für einen Herzinfarkt.“  

Welches Öl würden Sie stattdessen empfehlen?

Silke Restemeyer: „Es gibt eine Reihe von Pflanzenölen, die eine günstigere Fettsäurezusammensetzung haben als Kokosöl. Rapsöl hat einen hohen Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren, Vitamin E sowie Omega-3-Fettsäuren und ist ein guter Allrounder in der Küche. Auch daraus hergestellte Streichfette sind empfehlenswert. Weitere empfehlenswerte Öle sind Walnussöl, Leinöl und Sojaöl. Olivenöl zeichnet sich durch einen hohen Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren aus und ist ebenfalls eine gute Wahl. Für Salate kann man gut naturbelassene, also native Öle verwenden. Zum Braten eignen sich raffinierte Öle besser, da sie hitzestabiler sind, zum Beispiel raffiniertes Raps- oder Olivenöl.“

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Silke Restemeyer
Experte

Silke Restemeyer ist Ernährungswissenschaftlerin  von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. 

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