Cannabis und Autofahren: Was passiert, wenn man sich bekifft hinters Steuer setzt?
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Cannabis und Autofahren: Was passiert, wenn man sich bekifft hinters Steuer setzt?

Die Wirkung von Cannabis ist ganz unterschiedlich. Manche Konsumenten fühlen sich euphorisch, bei anderen scheint die Zeit langsamer zu vergehen. Auch Schwindel, Filmrisse und Halluzinationen sind möglich. Im Straßenverkehr führt dies zu verschiedenen Risiken. Der Konsument und Fahrer schätzt die Geschwindigkeit falsch ein, erkennt rote Ampeln nicht oder übersieht Fußgänger. Doch was passiert, wenn die Polizei einen Cannabis-Konsumenten beim Autofahren erwischt?

Wonach bemisst sich eine Strafe?

Wer sich nach dem Konsum von Cannabis hinter das Steuer setzt, muss mit drakonischen Strafen rechnen. Schließlich gefährdet der Fahrer nicht nur seine eigene Sicherheit, sondern auch die von anderen Verkehrsteilnehmern. Während beim Alkohol am Steuer der Promillewert ausschlaggebend ist, begutachten die Behörden bei Cannabis-Konsumenten den THC-Gehalt. Tetrahydrocannabinol (THC) ist der psychoaktive Wirkstoff in Cannabis.

Bis zum Jahr 2004 musste jeder Autofahrer, dem die Behörden THC im Blut nachweisen konnten, seine Fahrerlaubnis abgeben. Die Wirkstoffkonzentration im Blut war irrelevant.

Heutzutage sieht das anders aus: Die Gerichte entziehen die Fahrerlaubnis, wenn sich ein Nanogramm THC pro Milliliter Blut auffinden lässt. In Bayern gilt ein doppelt so hoher Grenzwert, also einer von zwei Nanogramm. Die eigentliche Strafe richtet sich bei bekifften Autofahrern danach, wie oft sie schon mit Drogen im Straßenverkehr erwischt wurden.

Beim ersten Mal: 2 Punkte in Flensburg, 1 Monat Fahrverbot und 500 Euro Bußgeld

Beim zweiten Mal: 2 Punkte in Flensburg, 3 Monate Fahrverbot und 1.000 Euro Bußgeld

Beim dritten Mal: 2 Punkte in Flensburg, 3 Monate Fahrverbot und 1.500 Euro Bußgeld

"In der Regel geht zusätzlich eine Meldung an die zuständige Führerscheinstelle. Diese wird unabhängig vom Ordnungswidrigkeits- oder Strafverfahren ein fachärztliches Gutachten oder eine Fahreignungsüberprüfung (MPU) einleiten bzw. den Führerschein direkt wegen fehlender Fahreignung entziehen. Auch wenn weniger als 1 Nanogramm THC / ml Blutserum festgestellt wird, können auf Grund des Abbauprodukts THC-CooH verwaltungsrechtliche Maßnahmen der Führerscheinstelle getroffen werden.
Neben der Entziehung der Fahrerlaubnis ordnen die Behörden auch eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) an. Hier nehmen Psychologen den Kraftfahrer genau unter die Lupe. Den Führerschein erhält er nur zurück, wenn die Experten zu der Überzeugung kommen, dass der Kraftfahrer sich für den Straßenverkehr eignet."

Was droht strafrechtlich?

Gemäß § 24 Straßenverkehrsgesetz handelt ordnungswidrig, wer ein berauschendes Mittel einnimmt und daraufhin im Straßenverkehr ein Fahrzeug führt. Dabei handelt es sich lediglich um eine Ordnungswidrigkeit. Diese kann mit einer Geldbuße von bis zu 2.000 Euro geahndet werden. Das tatsächliche Bußgeld ist aber meistens viel geringer. Treten beim Führen des Fahrzeuges drogenbedingte Ausfallerscheinungen hinzu, könnte eine Gefährdung des Straßenverkehrs nach § 315 I Nr. 1a Strafgesetzbuch oder eine Trunkenheit im Verkehr nach § 316 Strafgesetzbuch vorliegen.

Wer mit einem Joint am Steuer erwischt wird, gefährdet nicht nur den Straßenverkehr - teilweise drohen auch harte Strafen.
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Wer mit einem Joint am Steuer erwischt wird, gefährdet nicht nur den Straßenverkehr - teilweise drohen auch harte Strafen.

Das Strafmaß liegt hier bei bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Ob die Gerichte eine Freiheitsstrafe oder Geldstrafe verhängen, hängt von verschiedenen Umständen ab. Handelt es sich um einen Wiederholungstäter? Verletzte der Täter bei der Fahrt andere Menschen oder Sachen? Fuhr der Täter Schlangenlinie? Hat der Täter Vorstrafen oder ist er auf Bewährung? Prinzipiell gilt: Je schwerer der Eingriff in den Straßenverkehr ist, je mehr Vorstrafen der Täter hat und je intensiver seine Ausfallerscheinungen waren, desto schwerer ist die Strafe. Relevant ist auch, ob der Täter seine Schuld einsieht und Reue zeigt.

Wie lange ist THC im Blut nachweisbar?

Wer Cannabis konsumiert, sollte mindestens 24 Stunden warten, bevor er mit dem Auto fährt. Der Abbau von THC im Blut kann aber durchaus noch länger dauern. Bei einem einmaligen Konsum kann der THC-Gehalt noch bis zu einen Monat lang im Blut nachgewiesen werden. Bei regelmäßigen Konsumenten von Cannabis ist der THC-Gehalt bis zu drei Monate lang im Blut nachweisbar.

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