Volkskrankheit Depressionen: Ursachen, Symptome und Therapie

Depressionen gehören zu den am häufigsten auftretenden psychischen Störungen. Laut einer Studie der WHO zählen sie zu den wichtigsten Volkskrankheiten. In Deutschland sind mehr als 4 Millionen Menschen betroffen. Die Erkrankung ist durch eine gedrückte Stimmung, den Verlust von Interesse und Freude, einen Mangel an Antrieb sowie negatives Denken gekennzeichnet. Sowohl das psychische als auch das körperliche Wohlbefinden sind erheblich beeinträchtigt.

Verbreitung und Risiko

Jedes Jahr erkranken von 100 Personen ein bis zwei neu an einer Depression. Laut einer aktuellen Studie waren rund 8 Prozent der Befragten im Altern von 18 bis 79 Jahren depressiv und das Risiko im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken liegt bei 16-20 Prozent. Dabei sind Frauen doppelt so häufig betroffen wie Männer. Das durchschnittliche Alter der Ersterkrankung liegt bei dem 31. Lebensjahr, wobei eine erste depressive Episode bereits im Kindes- und Jugendalter auftreten kann. Bei Menschen ab 75 Jahren ist die Depression sogar die häufigste psychische Störung. Oftmals tritt sie in diesem Lebensabschnitt in Verbindung mit körperlichen Erkrankungen auf. In allen Altersgruppen besteht eine hohe Komorbidität mit weiteren psychischen Störungen, d.h. die Depression tritt zusammen mit mindestens einer anderen psychischen Erkrankung auf. Am häufigsten sind dies Angst- und Panikstörungen, aber auch Suchterkrankungen, Essstörungen, Persönlichkeitsstörungen, somatoforme Störungen und Zwangsstörungen gehören dazu.

Symptome und Diagnose

Depressionen beeinträchtigen das körperliche und psychische Wohlbefinden des Betroffenen erheblich. Das Krankheitsbild kann dabei von Person zu Person stark variieren. In der ICD-10, der “Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandten Gesundheitsprobleme”, wird eine Unterteilung in Haupt- und Zusatzsymptome empfohlen. Je nach nach Anzahl der Symptome, wird zwischen einer leichten, mittelschweren und schweren Depression unterschieden.

Die drei Hauptsymptome sind eine depressive (also: gedrückte) Stimmung, Interessenverlust/Freudlosigkeit und Antriebsmangel. Der Betroffene spürt oftmals ein Gefühl der Gefühllosigkeit oder inneren Leere, verliert die Fähigkeit Freude oder auch Trauer zu empfinden und ist in seinem Antrieb stark gehemmt. So fallen ihm einfache Dinge wie Aufstehen, Aufräumen, Körperhygiene oder Einkäufe zu erledigen schwer.

Die Zusatzsymptome sind negative Gedanken und Gedankenspiralen, die oftmals mit einer pessimistischen Zukunftsperspektive verknüpft sind, verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, ein niedriges Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle, das Gefühl der Hoffnungslosigkeit, Schlafstörungen, ein verminderter Appetit und - besonders bei einer schweren Depression - Suizidgedanken. Erschreckend ist in diesem Zusammenhang diese Angabe des Statistischen Bundesamtes: Jedes Jahr nehmen sich mehr als 10.000 Menschen das Leben. Die Anzahl der Suizidversuche ist ca. 7-12 Mal höher als die der vollzogenen Selbsttötungen. Nicht jeder Mensch, der Suizid begeht, ist zuvor an einer Depression erkrankt. In einer Studie an psychiatrisch-psychotherapeutischen Kliniken zeigte sich jedoch, dass 30 Prozent der depressiven Patienten bereits einen Suizidversuch hinter sich hatten und 45 Prozent bei der Klinikaufnahme akut suizidal waren. Depressionen können zudem mit körperlichen Beschwerden einhergehen. Oftmals wird zudem ein sozialer Rückzug beobachtet, welcher die Symptomatik weiter verstärkt.

Liegt der Verdacht einer depressiven Episode vor, können Betroffene sich zunächst an ihren Hausarzt wenden oder einen Psychiater, Psychologen, psychologischen Psychotherapeuten oder Arzt für psychosomatische Medizin konsultieren. Liegen mindestens zwei (oder drei bei einer schweren Episode) Hauptsymptome über einen Zeitraum von zwei Wochen vor, wird eine Depression diagnostiziert. Der Schweregrad wird anhand der vorliegenden Zusatzsymptome bestimmt (leichte Episode: 2; mittelgradige Episode: 3-4; schwere Episode: mindestens 4).

Ursachen und Risikofaktoren

Es gibt verschiedene Theorien über die Ursachen von depressiven Störungen. Dabei werden sogenannte multifaktorielle Erklärungskonzepte meist favorisiert. Diese nehmen eine Wechselwirkung biologischer und psychologischer/psychosozialer Faktoren an.

Ein biologischer Faktor, auch Prädisposition genannt, kann zum Beispiel eine genetische Vulnerabilität bzw. Veranlagung sein. Darauf deutet die familiäre Häufung von Depressionen hin. Des Weiteren hat sich gezeigt, dass bei einer Depression die Signalübertragung der Botenstoffe Serotonin, Dopamin und Noradrenalin, sowie andere Signalsysteme im Gehirn des Betroffenen gestört sind. Diese Erkenntnis bildet die Grundlage zur medikamentösen Behandlung, welche im Weiteren näher betrachtet wird.

Erklärungsmodelle wie das psychodynamische Modell oder die kognitionspsychologischen Hypothesen (u.a. Becks Depressionsmodell) fokussieren die psychologischen und psychosozialen Faktoren. So werden beispielsweise Beziehungserfahrungen in der Entwicklung der Depression betrachtet, oder gestörte Kognitionen mitverantwortlich gemacht. Demnach sind dysfunktionale Einstellungen und negative automatische Gedanken über sich selbst, die Umwelt und die Zukunft Auslöser einer Depression. Andere Theorien sehen ungünstige Lebensumstände wie Arbeitslosigkeit und einen niedrigen sozioökonomischen Status, geringe Qualität der Partnerschaft, körperliche Erkrankungen oder einen Mangel an sozialen Kontakten als Auslöser der Depression, insbesondere bei einer genetischen Vorbelastung.

Die erwähnten Erklärungsmodelle sind lediglich einige Beispiele der verschiedenen Theorien zur Entstehung einer Depression und machen die Komplexität der Erkrankung deutlich.

Behandlung der Depression

Eben diese Komplexität macht auch die Behandlung einer Depression zu einer komplexen Aufgabe. Im Vordergrund steht bei der Therapie die Symptomreduktion bis hin zur vollständigen Remission, oder die Verhinderung eines Rückfalls. Die Wiedererlangung, die Erhaltung oder die Verbesserung der Leistungsfähigkeit, der sozialen Kontakte oder der Arbeitsfähigkeit stellen ein weiteres Ziel da. Ebenso soll durch eine Behandlung das Suizidrisiko verhindert und das seelische Gleichgewicht wiederhergestellt werden.

Bei der Wahl einer Behandlungsmethode werden unter anderem der Schweregrad der Depression, der Erkrankungsverlauf und die Wünsche des Patienten berücksichtigt. Neben der aktiv-abwartenden Begleitung gibt es drei weitere Behandlungsstrategien: eine medikamentöse Behandlung, eine psychotherapeutische Behandlung und eine Kombinationstherapie. Diese können durch Verfahren wie Lichttherapie, Sport- und Bewegungstherapie oder auch Selbsthilfe und online Programme ergänzt werden.

Die neuesten Richtlinien empfehlen bei leichten bis mittelgradigen Depressionen eine Medikamentenbehandlung oder Therapie, bei einer schweren Episode eine Kombination beider Verfahren. Studien haben gezeigt, dass eine begleitende psychotherapeutische Behandlung neben der Einnahme von Antidepressiva einen positiven Effekt hat. Als besonders wirksam in der Behandlung von Depressionen gilt die kognitive Verhaltenstherapie. Hier wird von einer wechselseitigen Verknüpfung der Gedanken, Gefühle und des Verhaltens ausgegangen. Der Patient lernt sein unangepasstes Denken und Handeln umzustrukturieren.

Online Therapie

Im Zuge der Digitalisierung, hat auch die Psychotherapie ihren Platz online gefunden. Die angebotenen Programme lassen sich unterscheiden in solche, die das Internet zur Kommunikation nutzen (z.B. für Chat-Gespräche mit einem Therapeuten), die es als Informationsplattform nutzen (z.B. in interaktiven online Kursen), und die beide Möglichkeiten kombinieren. Diese Kombination wird auch als internetbasierte geleitete Selbsthilfe bezeichnet und wurde in den vergangenen Jahre intensiv erforscht (z.B. Berger et al., 2011; Hedman, Ljotsson & Lindefors, 2012). Insbesondere bei Depressionen und Angststörungen konnte eine gute Wirksamkeit dieser Behandlungsform festgestellt werden.

Die meisten online Programme, wie zum Beispiel der Depressionskurs von Selfapy, basieren auf dem bereits erwähnten Prinzip der kognitiven Verhaltenstherapie. Sie helfen dem Betroffenen bei der Umstrukturierung negativer Gedanken sowie dem Erlernen positiven Denkens. Dazu werden Techniken vermittelt, mit denen sich die Stimmung gezielt verbessern lässt. Der Nutzer wird angeregt, sich nicht nur am Computer mit dem Kursinhalt zu beschäftigen, sondern die Strategien “offline” in seinen Alltag zu integrieren.

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In den geleiteten online Kursen von Selfapy wird der Betroffene zudem durch wöchentliche Gespräche mit einem Psychologen unterstützt. Die Gespräche können genutzt werden, um den Kursinhalt zu reflektieren und zu vertiefen.

Online Selbsthilfe bei Depressionen

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Der große Vorteil der online Therapie ist, dass es sich um ein sehr niedrigschwelliges Angebot handelt. Da die Kurse meist vollkommen anonym und flexibel absolviert werden können, eignen sie sich zum Beispiel für Menschen, die sich noch nicht in therapeutische Behandlung begeben haben, aber auch für jene, die bereits auf einer Warteliste für einen Therapieplatz stehen.

Krankheitsverlauf

Rund ein Drittel aller Betroffenen durchlaufen nur eine depressive Phase in ihrem Leben, die Mehrheit erleidet demnach mindestens einen oder mehrere Rückfälle, man spricht dann auch von einer rezidivierenden depressiven Erkrankung. Wochen- oder monatelang andauernde depressive Phasen werden unterbrochen von Phasen, während denen Stimmung und Befindlichkeit normal sind. Halten sich leichte Symptome hartnäckig über einen Zeitraum von zwei Jahren oder länger, wird von einer chronischen Depression, bzw. Dysthymie, gesprochen.

Diesen Formen der unipolaren Depression steht die Bipolare affektive Störung gegenüber, auch als manisch-depressive Störung bekannt. Hier wechseln sich depressive Episoden und Phasen normaler Stimmung mit manischen Phasen an. Letztere sind gezeichnet von einer übermäßig guten Stimmung, Hyperaktivität, Ruhelosigkeit und einem geminderten Schlafbedürfnis. Darunter leiden besonders das Denken und Urteilen, sowie das Sozialverhalten des Betroffenen.

Relativ weit verbreitet in nördlichen Gefilden ist die Saisonale Depressive Erkrankung, auch als SAD oder Winterdepression bekannt. Diese Störung gleicht in ihrer Symptomatik einer leichten unipolaren Depression und tritt vermehrt im Herbst und Winter auf. Anstelle von Appetitlosigkeit haben Betroffene meist einen gesteigerten Appetit, besonders auf Kohlenhydrate. SAD steht im Zusammenhang mit einem Mangel an Tageslicht und verschwindet im Regelfall von selbst im Frühling und Sommer.

In jedem Fall sollte sich der Betroffene bei dem Verdacht einer depressiven Episode schnellstmöglich Hilfe suchen und zum Beispiel mit seinem Hausarzt sprechen. In einer akuten Krise und bei suizidalen Absichten können die Telefonseelsorge unter der Nummer 0800 111 0 111 oder der Notruf unter 112 kontaktiert werden.