Expertenrat: Nicht wegschmeißen! Diese Gemüseabfälle können Sie essen
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Expertenrat: Nicht wegschmeißen! Diese Gemüseabfälle können Sie essen

Von Kohlrabiblättern bis Möhrengrün: Bei der Zubereitung von Gemüse fällt eine Menge Biomüll an. Dass gerade in den vermeintlichen Bioabfällen reichlich Vitamine stecken, weiß Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die Ernährungswissenschaftlerin verrät, welche "Gemüseabfälle" auf dem Teller besser aufgehoben sind, als in der Tonne.

Gelbe Seiten: Bioabfall essen. Das klingt für viele sicherlich erstmal etwas seltsam…

Silke Restemeyer: Das stimmt. Einfach, weil wir es gewohnt sind, die Reste wegzuwerfen, die bei der Zubereitung von Gemüse anfallen. Dabei sind gerade die Blätter vieler Gemüsesorten reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Manches Blattgrün enthält sogar mehr Nährstoffe, als das Gemüse selbst.

Gelbe Seiten: Welche Gemüseabfälle können bedenkenlos gegessen werden?

Silke Restemeyer: Die grünen Blätter von Kohlrabi beispielsweise können Sie essen. Ebenso das Möhrengrün sowie die Blätter von Radieschen. Sie enthalten, genau wie das Gemüse, Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine und Mineralstoffe. Kohlrabiblätter haben sogar mehr Vitamin C als die Knolle selbst. Allerdings sollten Sie die Verzehrsmenge langsam steigern.

Gelbe Seiten: Was kann passieren, wenn man zu viele „Gemüseabfälle“ auf einmal isst?

Silke Restemeyer: Wenn Sie Rohkost wie Salate und Gemüse gewohnt sind, ist das für Ihre Verdauung in der Regel kein Problem. Wer seine Ernährung neu umstellt und plötzlich mehr Ballaststoffe isst, als der Darm gewohnt ist, kann Verdauungsprobleme bekommen, etwa einen aufgeblähten Bauch oder Durchfall. Besonders bei grünen Smoothies kommen schnell große Mengen zusammen. Da der Smoothie nicht gekaut wird und das „Einspeicheln“ fehlt, können das pürierte Obst und Gemüse die Verdauung überfordern. Achten Sie daher darauf, dass Sie normal große Mengen verzehren.

Gelbe Seiten: Was empfehlen Sie noch für die Zubereitung von Blattgrün? Wann schmecken die Blätter am besten?

Silke Restemeyer: Manche Blätter enthalten etwas mehr Bitterstoffe. Hier muss man einfach ausprobieren, mit welcher Zubereitung es am besten schmeckt. Radieschenblätter etwa sind etwas schärfer. Sie schmecken kleingehackt lecker über einen Salat. Auch Kohlrabiblätter können Sie wie andere Kräuter zum Salat geben. Oder Sie vermischen die gehackten Blätter mit Quark, geben etwas Gurke hinzu und haben so einen leckeren Dip für Gemüsesticks oder Pellkartoffeln. Mit Möhrengrün können Sie einen leckeren Fruchtsmoothie zubereiten.

Gelbe Seiten: Gibt es Gemüsereste, von denen man besser die Finger lassen sollte?

Silke Restemeyer: Ja, die gibt es. Auf Rhabarberblätter beispielsweise sollten Sie aufgrund des hohen Oxalsäure-Gehalts verzichten. Oxalsäure kann die Bildung von Nierensteinen fördern. Kartoffelschalen sind ebenfalls nicht für den rohen Verzehr geeignet. Sie enthalten viel Solanin, vor allem in den grünen Stellen. Solanin kann zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen. Solanin befindet sich übrigens auch in den grünen Stellen von Tomaten.

Gelbe Seiten: Vielen Dank für das Gespräch.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

A L
Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel
Profilbild von Silke Restemeyer
Experte/-in
Silke Restemeyer

Silke Restemeyer ist Diplom-Ökotrophologin und Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

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