Gesünder Leben
Darm reinigen: Darmreinigungen zerstören die Darmflora
© Anetlanda/ fotolia.com
Profilbild von Ann-Kathrin Landzettel
Ann-Kathrin Landzettel
Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel
(0)

Darm reinigen: "Darmreinigungen zerstören die Darmflora"

Detox liegt im Trend – und macht auch vor dem Darm nicht Halt. Darmspülungen zur Darmreinigung sind auf dem Vormarsch. Doch den Darm muss man weder entgiften noch entschlacken. Professor Thomas Frieling, Direktor der Medizinischen Klinik II am Helios Klinikum in Krefeld und Vorstandsmitglied der Gastro-Liga  warnt davor, in Eigenregie den Darm zu reinigen. Warum Einläufe dem Darm schaden können.

Gelbe Seiten: Immer öfter finden Einläufe und Darmreinigungssets im Heimgebrauch Anwendung. Warum sind sie für die Darmgesundheit so kritisch?

Prof. Frieling: Einläufe und Darmreinigungssets im Heimgebrauch finden immer öfter Anwendung. Die Anwender erhoffen sich, dass Giftstoffe ausgespült werden. Doch eine Darmreinigung Doch diese können den Darm ordentlich durcheinander bringen. Der Hype um die vermeintlichen Giftstoffe im Darm muss daher kritisch betrachtet werden. Wer ohne Anleitung und Empfehlung eines Arztes Einläufe anwendet, riskiert, dass er seine Darmflora und den Elektrolythaushalt aus der Balance bringt. Verdauungsstörungen sind dann die Folge.

Gelbe Seiten: Was kann noch passieren, wenn Darmeinläufe in den eigenen vier Wänden angewendet werden?

Prof. Frieling: Entzündungen und Verletzungen im empfindlichen Darmtrakt sind bei der Darmreinigung zu Hause möglich, zum Beispiel, wenn man beim Einführen der Instrumente nicht vorsichtig genug ist oder zu heißes Wasser benutzt. Darmspülungen sind, genau wie Abführmittel, nur dann sinnvoll, wenn sie im Zuge einer ärztlichen Behandlung bei Verstopfung zum Einsatz kommen oder als Vorbereitung auf eine Darmspiegelung angewendet werden. 

Gelbe Seiten: Viele denken, der Darm sei "schmutzig und fürchten sich vor einer inneren Vergiftung. Was ist dran an dieser Sorge?

Prof. Frieling: Spülungen und Einläufe zur Darmreinigung sind nicht notwendig. Der Darm reinigt sich selbst und auch die Schleimhäute erneuern sich regelmäßig. Da muss man nicht nachhelfen. Angst vor einer Vergiftung braucht niemand zu haben. Selbst dann nicht, wenn man mehrere Tage keinen Stuhlgang hat. Sie können innerlich nicht vergiften. Das ist ein Mythos. Und auch die im Darm befindlichen Bakterien sind keine Gefahr, sondern gehören zu der natürlichen Darmflora dazu. 

Gelbe Seiten: Was kann man für seine Darmgesundheit tun? Was unterstützt den Darm wirklich?

Prof. Frieling: Möchten Sie Ihrem Darm etwas Gutes tun, können Sie mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung mit reichlich Obst, Gemüse und Ballaststoffen mehr erreichen als mit einer Darmreinigung. Die Ballaststoffe unterstützen den Darm bei seiner Arbeit. Achten Sie außerdem auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Diese regt die Darmtätigkeit an und hält den Stuhl weich. Verstopfung wird so vorgebeugt.

Weitere Informationen rund um das Thema  Darmgesundheit finden Interessierte auch auf den Seiten der Deutschen Gastro-Liga e.V.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.
Profilbild von Ann-Kathrin Landzettel
Ann-Kathrin Landzettel
Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
Ann-Kathrin Landzettel
Wie finden Sie diesen Artikel?