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Weiblicher Narzissmus: Symptome der Störung bei Frauen
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Svenja Hauke
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Svenja Hauke
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Weiblicher Narzissmus: Symptome der Störung bei Frauen

Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung fällt bei Frauen oft erst spät auf, da die Symptome meist subtiler sind als bei narzisstischen Männern. Lesen Sie hier, wie sich weiblicher Narzissmus äußert, und in welcher Form sich die Symptome von denen bei Männern unterscheiden.

Narzisstische Persönlichkeitsstörung bei Frauen und Männern: Gemeinsamkeiten

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung kann die unterschiedlichsten Ausprägungen annehmen. Wie sich die Symptome im Detail äußern, hängt auch vom Charakter und den individuellen Lebenserfahrungen jedes Betroffenen ab. Es lassen sich jedoch einige Grundzüge beobachten, die Narzissten gemeinsam sind – sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

Insgeheim sind das Selbstwertgefühl und das Selbstbild narzisstischer Persönlichkeiten sehr zerbrechlich. Dies versuchen Narzissten durch eine auf Hochglanz polierte Fassade der Perfektion zu überdecken und nach außen hin ein makelloses Ideal ihrer selbst zu präsentieren. Durch Bestätigung von außen, Lob und Bewunderung durch andere versuchen sie, ihr kaputtes Selbstbild zu heilen. Narzissten sind krankhaft egozentrisch, bei allem, was sie tun, geht es stets nur um sie selbst.

Charismatische Angeber: Männlicher Narzissmus fällt auf

In der Tendenz lässt sich beim Umgang mit dem fragilen Selbstbild aber ein Unterschied zwischen Frauen und Männern mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung erkennen. Männlicher Narzissmus wird auch als offener Narzissmus bezeichnet – die Symptome treten bei dieser Form offen zutage. Die eigene Grandiosität wird betont, ebenso die vermeintliche Unabhängigkeit, Dominanz und das Streben nach Macht.

Männliche Narzissten sind für gewöhnlich aggressiv, arrogant, laut und prahlerisch. Das bedingt sich durch stereotype männliche Rollenbilder – narzisstische Männer wollen besonders männlich sein. Sie lassen sich nicht beirren und lassen Kritik leicht an sich abprallen. Überhaupt nehmen offen-männliche Narzissten die Reaktionen anderer Menschen selten wahr. Sie hören sich am liebsten selbst reden und registrieren wenig von dem, was andere ihnen mitteilen.

Narzisstische Frauen: Symptome sind sehr subtil

Bei narzisstischen Frauen wird die Persönlichkeitsstörung auch als verdeckter Narzissmus bezeichnet. Das liegt daran, dass die Symptome bei narzisstischen Frauen undeutlicher ausfallen als bei typisch männlichen Narzissten. Narzisstische Frauen sind in der Regel überangepasst an ihr Umfeld. Sie nehmen eher eine Opferrolle ein, als mit lautstarker Tatkraft voran zu stürmen. Ihre bohrenden Gefühle der Minderwertigkeit überkompensieren sie häufig mit extremer Leistungsbereitschaft.

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Einige Narzisstische Frauen haben eine hohe Leistungsbereitschaft.

Nach außen hin treten sie zwar selbstbewusst auf, doch innerlich fühlen sie sich extrem unsicher, nicht liebenswert und hässlich. Sie reagieren häufig überempfindlich auf Kritik und sind übertrieben dünnhäutig. Im Gegensatz zu offenen Narzissten sind verdeckte Narzissten gute Zuhörer. Allerdings gilt ihr Interesse nicht ihrem Gegenüber als Person. Stattdessen lauern sie ängstlich darauf, ob sich Kritik oder Ablehnung in dem Gesagten verbirgt.

Weibliche Narzissten versuchen mit aller Kraft, weiblichen Rollenklischees zu entsprechen. Sie legen sehr viel Wert auf ihr Äußeres und wollen besonders attraktiv, besonders schlank, fit und perfekt sein. Auf der Suche nach Zuneigung und Anerkennung treten weibliche Narzissten gern auffallend verführerisch auf.

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Viele narzisstische Frauen achten stark auf Ihr Äußeres.

Begleiterkrankungen bei weiblichem Narzissmus: Essstörungen, Sucht & Co.

Die Persönlichkeitsstörung narzisstischer Frauen bleibt auch deswegen oft lange Zeit unentdeckt, weil sie eher von Begleiterkrankungen überdeckt wird als männlicher Narzissmus. Zu den verbreiteten Komorbiditäten einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung zählen:

  • Depressionen
  • Angststörungen
  • Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht
  • Suchterkrankungen

Zwar können Depressionen, Angststörungen und Süchte auch männliche Narzissten heimsuchen, ihnen gelingt es aber üblicherweise für längere Zeit, ihr übersteigertes Selbstbild nach außen und innen aufrecht zu erhalten.

Wie verhalten sich narzisstische Frauen in Beziehungen?

Männliche beziehungsweise offene Narzissten tendieren zu vermeidendem Beziehungsverhalten. Das heißt, sie geben sich in einer Partnerschaft nicht auf und setzen alles daran, sich ihre Autonomie und Freiheit zu bewahren. Verdeckte Narzisstinnen beziehungsweise narzisstische Frauen nehmen hingegen oft die gegensätzliche Rolle ein. Sie neigen zu einem klammernden Beziehungsverhalten, unterwerfen sich und geben sich selbst auf.

Zudem übernehmen sie in ihrer Überangepasstheit häufig die Gefühle ihres Partners. Sie identifizieren sich voll und ganz mit dem Idealbild, das sie sich von ihrem Partner gemacht haben. Diese Ausprägung von Narzissmus kann leicht mit der dependenten (abhängigen) Persönlichkeitsstörung verwechselt werden und weist Gemeinsamkeiten mit dem Beziehungsverhalten von Borderlinern auf. Das erschwert zusätzlich die richtige Diagnose der Störung.

Narzisstische Frauen sind in der Regel überangepasst an ihr Umfeld. Sie nehmen eher eine Opferrolle ein, als mit lautstarker Tatkraft voran zu stürmen. Ihre bohrenden Gefühle der Minderwertigkeit überkompensieren sie häufig mit extremer Leistungsbereitschaft. Nach außen hin treten sie zwar selbstbewusst auf, doch innerlich fühlen sie sich extrem unsicher, nicht liebenswert und hässlich. Auf der Suche nach Zuneigung und Anerkennung treten weibliche Narzissten gern auffallend verführerisch auf.
Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung können ernste Begleiterscheinungen wie Suchterkrankungen und in schlimmen Fällen sogar Suizidgefahr aufweisen. Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung sollte daher immer ernst genommen werden.
Leiden Sie zu sehr unter den Auswirkungen einer narzisstischen Beziehung, sollten Sie sich versuchen, davon zu lösen. Natürlich können Sie der Person Ihre Hilfe anbieten, sollte sie sie aber nicht annehmen, ist es wichtig, dass Sie an sich selbst denken. Dazu können Sie jederzeit eine Psychotherapie konsultieren, die Sie berät und bei der Sie gegebenenfalls Auswirkungen der Beziehung aufarbeiten können.
Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.
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Svenja Hauke
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Von makelloser Haut bis Tipps&Tricks rund ums Abnehmen. Als bekennender Fitness- und Beauty-Freak verrät sie Leserinnen und Leser ihre besten Tipps.
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Denken Sie Frauen sind eher vom Narzissmus betroffen als Männer?