Zu viel Wasser trinken: Wie passiert eine Wasservergiftung?
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Zu viel Wasser trinken: Wie passiert eine Wasservergiftung?

Gesundheitsexperten mahnen immer wieder, genug Flüssigkeit aufzunehmen. Aber kann man auch zu viel Wasser trinken? Theoretisch ist das durchaus möglich, und im schlimmsten Fall kann es sogar zu einer Wasservergiftung kommen. Lesen Sie hier, worauf Sie beim Trinken achten sollten.

Was passiert bei einer Wasservergiftung?

Wer zu viel Wasser trinkt, riskiert eine sogenannte Hyponatriämie, im Volksmund besser bekannt als Wasservergiftung. Dabei wird durch übermäßige Flüssigkeitsaufnahme der Mineralstoffgehalt im Blut so stark verdünnt, dass es zu folgenden Symptomen kommen kann:

  • Kreislaufprobleme
  • Muskelzittern
  • Desorientiertheit
  • in selten Fällen Herzstillstand

Problematisch ist eine Wasservergiftung vor allem für die Hirnzellen, da dem Gehirn der Platz fehlt, um sich ausdehnen zu können. Der bei der Wasservergiftung entstehende Hirndruck kann zu einem Lungenödem führen, in schweren Fällen endet eine Hyponatriämie im Koma oder mit dem Tod. Bis es dazu kommt, müssen allerdings hierfür innerhalb kurzer Zeit große Mengen getrunken und nicht zwischenzeitlich ausgeschieden werden. Im Alltag ist das Risiko einer Wasservergiftung daher gering.

Wirklich wahr: Wasservergiftung nach Wetttrinken

Im Alltag ist eine Hyponatriämie bei gesunden Menschen selten. Doch es sind durchaus Fälle bekannt, bei denen zu viel Wasser trinken zum Tod geführt hat.

So starb 2007 die US-Amerikanerin Jennifer Strange nach einem von einem Radiosender veranstalteten Wasser-Wetttrinken. Während der dreistündigen Sendung trank die 28-Jährige rund 6,5 Liter Wasser, ohne zwischenzeitlich zur Toilette zu gehen. Bereits zum Ende des Wettbewerbs klagte sie über Übelkeit und Kopfschmerzen – fünf Stunden später starb sie an Hyponatriämie.

Im Alltag ist es für gesunde Menschen kaum möglich, zu viel zu trinken. 
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Im Alltag ist es für gesunde Menschen kaum möglich, zu viel zu trinken. 

Eine allgemeingültige Angabe, wann es zu einer Wasservergiftung kommt, lässt sich nicht machen. Es kommt immer auf die jeweilige Situation an und vor allem darauf, wie viel Zeit der Körper hat, die Wassermengen zu verarbeiten. Für den einen mögen fünf Liter Wasser am Tag vielleicht schon zu viel sein, während ein Ausdauersportler diese Menge womöglich benötigt, um den Mineralverlust durch Schwitzen auszugleichen

Erhöhtes Risiko für Wasservergiftung bei Organerkrankungen

Etwas größer ist das Risiko einer Wasservergiftung bei Patienten mit Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen. Sind die Organe bereits geschwächt, können sie einen Flüssigkeitsüberschuss bereits ab einer geringeren Menge nicht mehr ausgleichen. Es kann zu einer Wasservergiftung kommen: der Natriumgehalt im Körper sinkt auf ein gefährlich niedriges Niveau.

Bei Betroffenen kann eine Wasservergiftung schon dann entstehen, wenn sie nur drei Liter Flüssigkeit in kurzer Zeit zu sich genommen haben. Wenn Sie an einer Organerkrankung leiden, sollten Sie daher unbedingt mit Ihrem Arzt besprechen, wie viel Wasser Sie täglich trinken dürfen.

Bei bestimmten Organerkrankungen können schon eigentlich unbedenkliche Mengen Wasser zu viel sein.
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Bei bestimmten Organerkrankungen können schon eigentlich unbedenkliche Mengen Wasser zu viel sein.

Sport, Erkältung, Durchfall: Wann Sie mehr Wasser trinken sollten

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie außergewöhnlich viel Flüssigkeit verlieren, sollten Sie mehr als üblich trinken. Das ist unter anderem der Fall bei:

  • starkem Schwitzen
  • intensiver sportlicher Betätigung
  • Durchfall
  • Erbrechen

Bei extremer Hitze oder als Ausdauersportler müssen Sie mehr Wasser trinken als üblich  – also generell immer, wenn Sie viel schwitzen. Denn dabei verliert der Körper wichtige Mineralstoffe, die wieder aufgefüllt werden müssen.

Auch bei Durchfall oder wenn Sie sich erbrechen müssen, ist der Flüssigkeitsbedarf höher. Trinken Sie dann aber zu viel Leitungswasser oder andere Getränke, die wenig Mineralien enthalten, kann es zu einem Mineralstoffmangel kommen. Denn die geringe Mineralstoffkonzentration wird so noch weiter verdünnt. Wenn Sie jedoch auf Mineralwasser mit viel Magnesium, Kalium und Natrium zurückgreifen, werden die fehlenden Stoffe wieder zugeführt.

Bei einer Erkältung und anderen Atemwegsinfekten empfehlen Ärzte und Apotheker häufig, mehr Flüssigkeit aufzunehmen, um die Schleimhäute vor Austrocknung zu bewahren. Damit Sie aber nicht zu viel Wasser trinken, verteilen Sie lieber kleine Mengen über den Tag – bei einer Gesamtmenge von ungefähr drei Litern Flüssigkeit ist die Angst vor einer Wasservergiftung unbegründet.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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