Krankheitsrisiko: Wie lange sind Lebensmittel wirklich haltbar?
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Krankheitsrisiko: Wie lange sind Lebensmittel wirklich haltbar?

Fleisch, Brot, Gemüse, Eier, Milch: Frische Lebensmittel sind nur eine begrenzte Zeit genießbar. Trockene Nahrungsmittel wie Reis, Nudeln, Zucker und Salz hingegen halten sich über viele Jahre hinweg. Wie lange sind Lebensmittel haltbar? Ein Überblick.

11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll

Die Deutschen werfen jedes Jahr rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittel weg. In privaten Haushalten sind es 4,4 Millionen Tonnen. Statistisch entsorgt jeder so rund 80 Kilogramm Lebensmittel. Vor allem Obst und Gemüse, zubereitete Speisen sowie Brot und Backwaren landen im Müll. Doch nur wenige Lebensmittel gehören dorthin.

 

 

Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD): Diskussion

Immer wieder in der Kritik im Zusammenhang mit der Lebensmittelverschwendung steht das Mindesthaltbarkeitsdatum, kurz MHD. Für die meisten Verbraucher ist klar: "Ist das MHD abgelaufen, muss es weg." Ein Trugschluss.

„Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum! Viele Lebensmittel sind nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch genießbar. Manche Lebensmittel sind mehrere Monate oder Jahre haltbar. Sie können oft noch nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum gegessen werden. Dazu zählen zum Beispiel: Mineralwasser, Nudeln/Reis, Mehl, Konserven. Andere Lebensmittel sind nur wenige Tage oder Wochen haltbar. Ob man sie noch essen kann, testen Sie am besten selbst. Prüfen Sie das Lebensmittel mit Ihren Sinnen: Sieht es aus wie immer? Riecht und schmeckt es so wie immer? Dann können Sie es noch essen.“

— Bundeszentrum für Ernährung (BZfE)

Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen bedeutet das, dass das Produkt ab diesem Zeitpunkt Stück für Stück seine spezifischen Eigenschaften verliert. Das heißt, dass das Lebensmittel

  • die Farbe verändern kann.
  • den Geruch verändern kann.
  • den Geschmack verändern kann.
  • die Nährwerte verändern kann.

Ein abgelaufenes MHD heißt aber nicht automatisch, dass das Produkt schlecht, ungenießbar oder gesundheitlich bedenklich ist.

Wann Sie Lebensmittel wegwerfen müssen

Wegwerfen müssen Sie das Lebensmittel nur dann, wenn:

  • es auffällig verfärbt ist.
  • sich Schimmel gebildet hat.
  • es komisch riecht (ranzig, beißend, faulig usw.).
  • Gasbildung stattgefunden hat (Beispiel: aufgeblähter Joghurtbecher).

Verbrauchsdatum ernst nehmen

Anders ist das bei dem „Verbrauchsdatum“, auch „Verfallsdatum“ oder „Verzehrsdatum“ genannt. Dieses ist auf leicht verderbliche Waren wie Fleisch, Geflügel und Fisch zu finden. Ist das Verbrauchsdatum abgelaufen, kann es passieren, dass das Lebensmittel krank macht. Schwere Brechdurchfälle können die Folge sein, beispielsweise ausgelöst durch Lebensmittelkeime wie Salmonellen, Listerien, Escheriachia coli oder Campylobacter. Produkte mit einem abgelaufenen Verfallsdatum sollten Sie nicht mehr verzehren.

Nudeln, Reis und Mehl: Mindesthaltbarkeit in der Kritik

Trockene Lebensmittel wie Zucker und Salz sind theoretisch unbegrenzt haltbar. Deshalb weisen sie kein MHD auf. Anders ist das bislang bei Nudeln, Reis und Mehl. Auch sie sind bei richtiger Lagerung über viele Monate bis Jahre hinweg haltbar. Experten diskutieren daher, ob auch hier zukünftig auf das MHD verzichtet werden soll.

Eine Orientierung: So lange sind Lebensmittel haltbar

Lebensmittel

Haltbarkeit

Tipp

Brot

Brot bleibt bei richtiger Lagerung mehrere Tage frisch. Auch wenn es trockener wird, ist es noch genießbar. Vollkornbrot bleibt länger saftig.

Schimmelflecken auf dem Brot? Werfen Sie den ganzen Laib weg. Die Sporen können sich im ganzen Brot verteilt haben. Wenn Sie kein ganzes Brot schaffen, kaufen Sie halbe Laibe oder frieren Sie Brot ein.

Eier

Eier sind Verbraucherschützern zufolge bis zu zwei Wochen nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums haltbar – sollten aber nicht mehr roh verwendet werden.

Geben Sie ein Ei in ein Wasserglas. Bleibt es am Boden, ist es frisch. Stellt es sich auf, ist es schon etwas älter. Schwimmt es oben, sollte es nicht mehr verzehrt werden. Brucheier immer entsorgen.

Milch und Milchprodukte

Bei ungeöffneter Verpackung können Milch und Milchprodukte mehrere Tage nach Ablauf des MHD verzehrt werden. Anders ist das bei Rohmilch, bei der ein Verfallsdatum angegeben ist. Nach Ablauf sollte sie nicht mehr getrunken werden.

H-Milch eignet sich gut zur Vorratshaltung. Sie ist mehrere Monate haltbar. Nach dem Öffnen sollte sie rasch verbraucht werden. Bei Quark, Joghurt & Co. auf die Sinne verlassen. Ist das Produkt wie gewohnt, kann man es in der Regel verzehren. Aufgeblähte Verpackungen entsorgen.

Müsli und Mehl

Sind nach Ablauf des MHD noch mehrere Monate haltbar. Wichtig: Kühl, trocken und luftdicht verpackt lagern. Vollkornmehl ist empfindlicher als Weißmehl. Es enthält den Keimling. Die enthaltenen Öle können ranzig werden – vor allem, wenn Mehl Wärme und Feuchtigkeit ausgesetzt ist.

Ein guter Aufbewahrungsort für Müsli und Mehl sind Weckgläser. Sie verschließen luftdicht und  Lebensmittelschädlinge kommen nicht herein - und bei einem Befall nicht heraus. So schützen Sie andere Lebensmittel in Ihrem Vorratsschrank.

Kartoffeln

Halten sich viele Wochen, wenn sie kühl, trocken und dunkel gelagert sind.

Grüne und keimende Stellen großzügig wegschneiden. Sie enthalten Solanin, das in hohen Dosen giftig ist. Faulige Kartoffeln komplett entsorgen.

Konserven

Sind bis zu mehreren Jahren haltbar – auch über das MHD hinaus.

Gewölbte Konserven und Einmachgläser entsorgen. Die Wölbung weist auf Bakterien hin. Die Lebensmittelvergiftung Botulismus ist lebensbedrohlich.

Kaffee

Geschlossene Verpackungen sind mehrere Jahre haltbar – allerdings büßen Pulver und Bohnen im Laufe der Zeit an Aroma ein. Für einen leckeren Kaffeegenuss, Kaffee frisch kaufen und bald aufbrauchen.

Sie können Kaffeepulver und -bohnen einfrieren. So lässt sich die Haltbarkeit verlängern. Doch auch hier ist mit Geschmackseinbußen zu rechnen.

Fleisch, Wurst, Fisch und Geflügel

Sind frisch nur wenige Tage haltbar. Auf frischen tierischen Produkten ist das Verbrauchsdatum aufgedruckt. Danach das Lebensmittel nicht mehr essen. Auch wenn das Produkt noch haltbar ist: Gräuliche Verfärbungen, ein schmieriger Film oder fauliger Geruch zeigen, dass es in den Müll gehört.

Hackfleisch ist länger haltbar, wenn es nach dem Kauf direkt eingefroren wird. Hackfleisch gibt es zudem eingefroren zu kaufen. Mageres Hackfleisch hält sich bis zu drei Monate im Tiefkühlfach.

Nudeln (getrocknete Pasta) und Reis

Getrocknete Nudeln und Reis sind bei trockener Lagerung mehrere Jahre haltbar. Bereits geöffnete Packungen sollten Sie bald aufbrauchen – sie können Lebensmittelschädlinge anziehen.

Frische Pasta gehört in den Kühlschrank und ist zwei bis drei Wochen haltbar.

Salz, Zucker und Honig

Sind jahrelang haltbar. Müssen aber trocken und luftdicht gelagert sein.

Kristallisierter Honig wird wieder flüssig, wenn Sie ihn sanft erhitzen.

Tee und Gewürze

Tee und Gewürze in Originalverpackung sind jahrelang haltbar, wenn sie trocken und kühl gelagert sind. Geöffnete Packungen innerhalb einiger Monate aufbrauchen. Gerade bei Gewürzen kommen oft Kochdämpfe in die Gewürzgläser – was Schimmel begünstigt. Außerdem verlieren Gewürze und Tee mit der Zeit an Aroma.

Gewürzkörner sind länger haltbar als Gewürz in Form von Pulver. Außerdem hält sich das Aroma länger. Pfeffer, Kümmel, Koriander und andere Körner sind gut für die Gewürzmühle geeignet.

Obst, Gemüse und Salat

Obst, Gemüse und Salat ist mehrere Tage haltbar. Dennoch sollten Sie es nach dem Kauf rasch verzehren. Dann sind die meisten Nährstoffe enthalten und das Mundgefühl frisch und knackig.

Viele Obst- und Gemüsesorten lassen sich gut einfrieren. So haben Sie immer etwas auf Vorrat für Desserts und Kuchen.

Tiefkühlgerichte

Generell gilt: Einfrieren macht Lebensmittel länger haltbar – oft mehrere Monate länger als angegeben. Das gilt aber nur, wenn die Speisen zwischendurch nicht aufgetaut werden.

Wichtig zu wissen: Das Einfrieren tötet viele Bakterien nicht ab. Die Minusgrade verhindern lediglich, dass sie sich weiter vermehren.

 

Säfte

Geschlossene Säfte sind meist monatelang haltbar. Geöffnete Verpackungen sollten innerhalb von drei Tagen aufgebraucht werden.

Saft lässt sich gut in einem Eiswürfelbehältnis einfrieren. So haben Sie neben einem kühlen Getränk auch noch etwas zusätzlichen Fruchtgeschmack im Glas.

Marmelade

Ist ungeöffnet ebenfalls mehrere Monate haltbar. Geöffnet sollte man sie innerhalb weniger Wochen verzehren.

Nie mit dem Brötchenmesser in die Marmelade gehen. Gelangen Krümel, Butter, Schokocreme und andere Frühstücksbegleiter in die Marmelade, schimmelt sie rasch. Am besten mit einem sauberen Löffel entnehmen.

Zwei Tipps gegen Lebensmittelverschwendung
  • Mit der App „Too-Good-To-Go“ finden Sie Restaurant und Bäckereien, die kurz vor Ladenschluss Lebensmittel und Gerichte günstiger anbieten, die sonst vernichtet werden müssten.
  • Die Plattform „Foodsharing.de“ bietet die Möglichkeit, mit anderen Foodsharern Lebensmittel zu teilen, statt in den Mülleimer zu schmeißen.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel

Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.

 

https://www.ann-kathrinlandzettel.de

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