Krankmachende Bakterien und Viren: Lebensmittelkeime in der Küche •

Expertenrat: "Hohes Risiko für Lebensmittelkeime bei To-Go-Produkten"

Wer an Lebensmittelkeime denkt, hat meist Hackfleisch und rohe Eier im Blick. Doch auch Obst und Salate bergen ein Risiko – vor allem abgepackte To-Go-Produkte, wie Lebensmittelexperte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) weiß. Wo man im Supermarkt besonders aufpassen muss.

Gelbe Seiten: Welche Lebensmittelkeime sind besonders verbreitet?

Armin Valet: Verbraucher haben häufig zuerst Salmonellen im Blick. Salmonellen sind nach wie vor ein Thema im Hinblick auf Lebensmittelkeime, besonders bei Geflügel und Eiern. Was viele aber nicht wissen: Campylobacter und Listerien sind auf dem Vormarsch. Die Infektionszahlen bei Listerien beispielsweise sind bis um das Doppelte angestiegen.

Gelbe Seiten: Wo müssen Verbraucher besonders vorsichtig sein?

Armin Valet: Ein Risiko ist natürlich immer die eigene Küche. Eine falsche Lebensmittelhygiene birgt immer eine erhöhte Keimgefahr. Ein Risiko ist es beispielsweise, wenn Sie Messer und Brettchen nach dem Schneiden von Fleisch für Salat oder Obst weiterverwenden. Salat und Obst werden nicht erhitzt und die Keime vermehren sich leicht. Rohes Fleisch, Fisch und Geflügel, rohe Eier und Rohmilch sind die größten Keimträger unter den Lebensmitteln.

Gelbe Seiten: Wo lauern im Supermarkt potenzielle Keimfallen?

Armin Valet: Convinienceprodukte, also vorgefertigte Lebensmittel, können ebenfalls mit Keimen belastet sein. Dazu gehören vor allem To-Go-Produkte wie Sandwiches, Obstsalate, gewaschene und geschnittene Salate, vorgegarte Hähnchenstreifen sowie andere frische Fertig-Produkte, die nicht noch einmal erhitzt werden – dazu zählen auch Mettbrötchen und Sushi. Schwangere und ältere Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sollten verzichten.

Gelbe Seiten: An den Salat als Risiko denken wahrscheinlich die wenigsten. Wie gelangen Lebensmittelkeime in Salat?

Armin Valet: Diese können im Zuge des Produktionsprozesses in den Salat gelangen. In der Plastikverpackung finden sie ein feuchtes Umfeld und ideale Wachstumsbedingungen vor. Zudem bieten die klein geschnittenen Blätter eine größere Angriffsfläche und an den Schnittkanten tritt Zellsaft aus, der die Feuchtigkeit in der Verpackung erhöht. Selbst wenn Sie die Blätter waschen, ist nicht auszuschließen, dass Keime zurückbleiben. Es ist natürlich Ermessenssache. Nicht jeder abgepackte Salat enthält Lebensmittelkeime. Möchten Sie Ihr Risiko senken, greifen Sie am besten zu ganzen Salatköpfen und bereiten Ihren Salat frisch zu.

Gelbe Seiten: Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum bei To-Go-Lebensmitteln ein zuverlässiger Schutz vor Lebensmittelinfektion?

Armin Valet: Verpackte Lebensmittel, die frisch und zum sofortigen Verzehr gedacht sind, sollten Sie rasch aufbrauchen. Am besten noch am selben Tag. Je länger die Produkte aufbewahrt werden, desto mehr steigt die Keimgefahr – auch wenn auf der Verpackung noch mehrere Tage Haltbarkeit angegeben sind. Oftmals sind bereits vor Ablauf des MHD Keime zu finden, darunter Escherichia coli und Hefen. Hinzu kommt, dass das MHD nur für das geschlossene Produkt gültig ist. Bei geöffneter Verpackung können immer Keime von außen an das Lebensmittel gelangen und es verdirbt schneller.

Gelbe Seiten: Wie können sich Verbraucher vor Lebensmittelkeimen schützen?

Armin Valet: Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht. Lebensmittelkeime können Sie weder sehen, riechen noch schmecken. Ein Lebensmittel kann von krankmachenden Keimen befallen sein, ohne dass es Verderbnisanzeichen zeigt. Am sichersten ist es, wenn Verbraucher To-Go-Produkte oder andere rohe und geräucherte Produkte rasch verzehren und nicht lange im Kühlschrank lagern. Denn auch im Kühlschrank vermehren sich Keime wie Listerien – wenn auch etwas langsamer. Die Kühlkette sollte nie unterbrochen werden. Obst und Gemüse sollten Sie vor dem Verzehr immer gründlich waschen und Fleisch, Fisch, Geflügel und Eier immer gründlich erhitzen. Eine gute Küchenhygiene, dazu gehört auch regelmäßiges Händewaschen, reduziert das Risiko in der eigenen Küche.

Gelbe Seiten: Welche Produktmerkmale weisen auf ein verdorbenes Lebensmittel hin?

Armin Valet: Aufgeblähte Verpackungen sind immer ein Hinweis, dass Verderbnisprozesse in Gang gesetzt sind. Ist beispielsweise die Mozzarellaverpackung oder der Joghurtbecher aufgebläht, sollten Sie diesen nicht mehr verzehren. Auch aufgeblähte Dosen sollten Sie immer entsorgen. Es können Clostridium botulinum-Bakterien enthalten sein. Die Lebensmittelvergiftung Botulismus kann zu Atemlähmung führen und ist lebensbedrohlich. Ist in der Hackfleischverpackung viel Fleischsaft am Boden, könnte ein Qualitätsmangel vorliegen. Auch bei Abweichungen beim Geruch oder der Farbe des Lebensmittels ist Vorsicht geboten.

Gelbe Seiten: Vielen Dank.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Armin Valet
Experte

ist Experte für Lebensmittel und Ernährung sowie Referent für Öffentlichkeitsarbeit bei der Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH).

 

Bewertungen (1)