Hashimoto & Kinderwunsch: Schwanger werden trotz der Krankheit

Wer an der chronischen Schilddrüsenentzündung Hashimoto Thyreoiditis leidet und einen Kinderwunsch hegt, dem stellen sich bange Fragen. Ist eine Schwangerschaft trotz Hashimoto möglich? Was muss man beachten? Wir erklären Ihnen die Zusammenhänge zwischen der Krankheit und dem Kinderwunsch.

Kinderwunsch bei Hashimoto? Ab zum Arzt!

Die Produktion der Schilddrüsenhormone ist bei einer Erkrankung mit Hashimoto Thyreoiditis aus dem Gleichgewicht geraten. Zunächst kommt es zu einer Schilddrüsenüberfunktion, gefolgt von einer Phase der Normalisierung. Schließlich, wenn die chronische Entzündung sich immer stärker manifestiert hat, ist die Hormonproduktion gedrosselt.

Sowohl eine Über-, vor allem aber eine Unterproduktion von Schilddrüsenhormonen stellt ein Handicap für eine Schwangerschaft dar. Denn die Schilddrüse nimmt Einfluss auf die Funktion der Eierstöcke. Eine Funktionsstörung bei der Schilddrüse gilt als häufigste Ursache dafür, dass sich der Embryo nicht in der Gebärmutter einnisten kann, und dass es zu Fehlgeburten kommt. Bei einem Kinderwunsch sollte also ein Endokrinologe, sprich ein Spezialist für den Hormonhaushalt, die Werte sorgfältig prüfen und einstellen.

Vor allem die Hormone der Schilddrüse sollten ärztlich kontrolliert werden.

Schwanger trotz Hashimoto: Was sind die Gefahren?

Werdende Mütter benötigen mehr Schilddrüsenhormone als Nicht-Schwangere, da sich die Stoffwechselvorgänge im Körper intensivieren. Da die Eigenproduktion der Schilddrüse bei Hashimoto nicht ausreicht, muss die Hormondosis deshalb frühzeitig künstlich erhöht werden. So werden die Gefahren durch die Schilddrüsenunterfunktion minimiert.

Auch den Jodhaushalt sollten Sie als schwangere Hashimoto-Patientin regelmäßig vom Arzt kontrollieren lassen. Denn eine erhöhte Zufuhr des Spurenelements steht im Verdacht, den Ausbruch der Hashimoto-Erkrankung zu begünstigen beziehungsweise deren Folgeschäden zu verschlimmern. Experten raten dennoch dazu, die Jodzufuhr im Falle einer Schwangerschaft zu erhöhen, da eine zu geringe Jodversorgung das Gehirn des Kindes schädigen kann. Entsprechend aufmerksam muss der Jodhaushalt beobachtet werden.

Können Schwangere Hashimoto auf das Kind übertragen?

Bei einer sorgfältigen ärztlichen Begleitung der Hashimoto-Symptome bestehen weder für die Mutter noch für das Kind signifikant erhöhte Risiken. Im Gegenteil: Die Schwangere erlebt häufig einen Rückgang der Beschwerden. Grund dafür ist das Schwangerschaftshormon Progesteron. Während das Immunsystem bei Hashimoto die Zellen der Schilddrüse irrtümlich bekämpft (weshalb Hashimoto zu den Autoimmunerkrankungen zählt), wird es durch Progesteron gedämpft.

Die körpereigenen Antikörper der Mutter (die sogenannten TPO-Antikörper) gelangen über die Plazenta zwar in den Körper des Embryos, aber nicht in die Schilddrüsenzellen. Die gesunde Schilddrüse des Kindes bleibt also unberührt von der Erkrankung der Mutter.

Beim Stillen besteht für das Kind keine Gefahr.

Erhöhte Gefahr nach der Schwangerschaft

Für das Neugeborene besteht auch nach der Entbindung keine Gefahr. Zwar nimmt es die TPO-Antikörper der Mutter über das Stillen auf, dieses jedoch in so geringen Mengen, dass diese kein Hashimoto Thyreoiditis auslösen können.

Anders sieht es bei der Mutter aus: Bei fast jeder zehnten gesunden Frau entzündet sich innerhalb eines halben Jahres nach der Entbindung die Schilddrüsen. Doch nur bei zehn Prozent der Betroffenen führt diese sogenannte postpartale Thyreoiditis zu einer chronischen Erkrankung. Dennoch sollten die Schilddrüsenwerte auch nach der Schwangerschaft regelmäßig ärztlich untersucht werden.