Einspruch gegen die Steuererklärung einlegen: So geht´s
(2)

Einspruch gegen die Steuererklärung einlegen: So geht´s

Der Bund der Steuerzahler schätzt, dass ca. 20 Prozent aller Steuerbescheide fehlerhaft sind. Sollten Sie der Ansicht sein, dass Ihr Steuerbescheid fehlerhaft ist, sollten Sie einen Einspruch einlegen. Doch was müssen Sie hier konkret beachten? 

Was müssen Sie bei einem Einspruch beachten?

Ist ein Steuerbescheid fehlerhaft, können Sie einen Einspruch einlegen. Dieser Einspruch ist für Sie kostenlos. Beachten Sie, dass Sie ab Zustellung des Steuerbescheids eine Frist von einem Monat einhalten müssen. Lassen Sie diese Frist verstreichen, ist ein Einspruch nicht mehr möglich.

Einspruch befreit nicht von Forderungen!

Denken Sie daran, dass Sie der Einspruch nicht von etwaigen Forderungen des Finanzamts befreit. Sie müssen Forderungen pünktlich begleichen. Ist der Einspruch erfolgreich, überweist das Finanzamt die zu viel gezahlten Steuern zurück.

Auch einen Zahlungsaufschub können Sie nur erreichen, indem Sie einen Antrag auf Aussetzung der Vollziehung stellen. Erkennt das Finanzamt Ihren Einspruch an, erhalten Sie einen korrigierten Steuerbescheid. Lehnt die Behörde den Einspruch ab, müssen Sie das akzeptieren oder vor Gericht klagen.

Ab wann beginnt die Einspruchsfrist?

Sie haben ab Zustellung des Steuerbescheids genau einen Monat Zeit, um einen Einspruch einzulegen. Es handelt sich hier nicht um 30 oder 31 Tage, sondern um genau einen Monat, den Sie dem Kalender entnehmen. Achten Sie darauf, dass sich das Fristende verlängert, wenn der Ablauftag ein Feiertag oder ein Sonntag ist. Dann sind der nächste Werktag bzw. der nächste Monat ausschlaggebend.

Ein Steuerbescheid ist Ihnen zugegangen, wenn er derart in Ihren Machtbereich gelangt, dass Sie Kenntnis von ihm nehmen können. Die Frist beginnt also zumeist, wenn der Steuerbescheid in Ihrem Briefkasten landet oder an einen Angehörigen Ihres Haushalts übergeben wird.

Ist das Datum der Zustellung unklar, greift das Finanzamt hier auf eine 3-Tages-Fiktion zurück.

Sie nimmt den Tag, an dem der Brief an die Post übergeben wurde und addiert drei Tage hinzu. Nach der allgemeinen Lebenserfahrung ist davon auszugehen, dass die Post einen Brief spätestens nach drei Tagen zugestellt hat.

Beispiel:

Datum des Steuerbescheids

31.12.2018

+ 3 Tage

Fristbeginn: 03.01.2019

+ 1 Monat

Fristende: 03.02.2019

Der 3.2.2019 ist ein Sonntag

Fristende: 04.02.2019

 

Ist der 04.02.2019 das Fristende, muss Ihr Einspruch spätestens an diesem Tag dem Finanzamt zugehen. Senden Sie den Einspruch also spätestens am 01.02.2019 ab, um die Frist zu wahren. Geht der Einspruch erst nach der Frist beim Finanzamt ein, ist die Frist verstrichen. Das Finanzamt darf den Steuerbescheid jetzt nicht mehr abändern.

Darf das Finanzamt den Steuerbescheid nachteilig verändern?

Ja, das Finanzamt kann den Steuerbescheid zu Ihren Ungunsten verändern. Bei einem Einspruch prüft das Finanzamt den gesamten Steuerbescheid erneut. Passierten Fehler, die sich zu Ihren Gunsten auswirkten, darf das Finanzamt die Steuern nachträglich erhöhen. Das Finanzamt muss Ihnen diese Verschlechterung anzeigen. Nun können Sie den Einspruch noch zurückziehen – dann bleibt alles beim Alten.

Einspruch einlegen über Elster

Das Finanzamt erkennt einen Einspruch nicht mehr auf dem Postweg an. Sie müssen mittlerweile sämtliche Formalitäten online über das Steuerprogramm „Elster“ abwickeln. Hier gehen Sie folgendermaßen vor:

  1. Klick auf „Eingeben“.
  2. Klick auf „Formulare und Leistungen“.
  3. Klick auf „Alle Formulare“.
  4. Klick auf „Einspruch“.

Nun öffnet sich das Dokument für einen Einspruch. Hier sollten Sie im Abschnitt „Begründung des Einspruchs“ ausführlich Stellung nehmen. Teilen Sie dem Finanzamt mit, weshalb Sie einen Einspruch einlegen. Je umfassender und detaillierter Ihr Einspruch ist, desto eher ist die Chance, dass das Finanzamt diesen anerkennt. 

Profilbild von Matthias Wurm
Autor/-in
Matthias Wurm

Neben dem Studium der Rechtswissenschaft an der Philipps-Universität Marburg schloss Matthias Wurm LL.M ein weiteres Studium in Corporate Governance and Financial Law an der Glashow University in Schottland ab. Seit 2018 promoviert er zum Dr. iur. an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. In den Themengebieten Recht und als SEO-Spezialist ist er als Fachredakteur tätig. Er ist Mitglied der Rechtsanwaltskammer in Köln.

Wie finden Sie diesen Artikel?