Krebs-Wissen Kompakt •

Expertenrat: Wann kommt Krebs zurück?

Wann kommt Krebs zurück? Auch nach einer erfolgreichen Krebsbehandlung kehrt Krebs oft wieder. Ein Grund ist die gute Tarnung bösartiger Zellen: Sie machen sich für das Immunsystem quasi unsichtbar. Welche weiteren Faktoren die Tumorbehandlung erschweren, weiß Dr. Andrea Penzkofer, Leiterin des Wissensmanagement-Teams vom Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg.

Gelbe Seiten: Frau Penzkofer, warum ist es für das Immunsystem so schwer, Krebszellen zu bekämpfen?

Dr. Andrea Penzkofer: Das liegt daran, dass Krebszellen Meister im Verstecken sind. Sie können sich zum Beispiel eine Art Tarnkappe anziehen und werden so für das Immunsystem unsichtbar. Hinzu kommt, dass das Abwehrsystem des Körpers Krebszellen nicht als Gefahr sieht. Es ist vor allem darauf programmiert, Eindringlinge von außen zu bekämpfen und nicht körpereigenes Gewebe. Außerdem haben Krebszellen die Fähigkeit, Immunreaktionen der Körperabwehr zu hemmen. So schützen sie sich zusätzlich vor einem "Angriff".

Gelbe Seiten: Stimmt es, dass Krebszellen unsterblich sind?

Dr. Andrea Penzkofer: Ja und nein. Normalerweise können in Zellen Signale ausgelöst werden, die zum Zelltod führen. Werden Zellen krank, töten Sie sich selbst und werden vom Immunsystem entsorgt. Bei Krebszellen ist dieser programmierte Zelltodmechanismus meist außer Kraft gesetzt. Außerdem teilen sie sich auch dann, wenn es gar keinen Grund gibt. Trotzdem können Sie beispielsweise durch Medikamente oder Bestrahlung absterben.

Eine besondere Gruppe sind die Tumorstammzellen: Sie haben außerdem die Fähigkeit, sich unendlich zu teilen und immer wieder neue Zellen zu bilden. Eine einzelne Krebsstammzelle kann einen kompletten Tumor herstellen. Tumorstammzellen sind zudem unglaublich widerstandsfähig.

Sie besitzen extrem gute Reparaturmechanismen und können zum Teil sogar Zellgifte, wie sie bei einer Chemotherapie Anwendung finden, abwehren. Das macht die Therapie von Stammzellen so schwierig. Bleibt nach der Krebsbehandlung auch nur eine einzige Stammzelle zurück, kann sie später wieder aktiv werden.

Gelbe Seiten: Wann kommt Krebs zurück?

Dr. Andrea Penzkofer: Tumorstammzellen können viele Jahre hinweg im Ruhemodus verbleiben und irgendwann plötzlich wieder mit der unkontrollierten Zellteilung beginnen. Es bildet sich erneut ein Tumor. Und der muss nicht unbedingt an der gleichen Körperstelle entstehen. Krebszellen können manchmal schon in einem sehr frühen Stadium in andere Organe streuen und sich dort „verstecken“.

In den meisten Fällen handelt es sich bei wiederkehrendem Krebs um ein Rezidiv. Das heißt,  der ursprüngliche Krebs kommt wieder. Ein Beispiel ist der schwarze Hautkrebs: Dieser kann in vielen Fällen durch eine alleinige Operation geheilt werden. In einzelnen Fällen können allerdings bereits sehr kleine Tumoren Metastasen bilden, die lange unentdeckt bleiben.

Gelbe Seiten: Woher weiß der Arzt eigentlich, um welchen Tumor es sich handelt?

Dr. Andrea Penzkofer: Mit Hilfe einer feingeweblichen Untersuchung des Tumorgewebes kann ein spezialisierter Arzt herausfinden, um welche Krebsart es sich handelt. Damit kann man dann auch feststellen, ob der gefundene Krebs ein sogenannter Primärtumor ist, oder ob es sich um eine Metastase handelt. Ärzte wissen: Passt das gefundene Gewebe nicht zum Fundort, handelt es sich um eine Metastase, also eine Tochtergeschwulst; der Krebsursprung muss an anderer Stelle liegen. Dann muss man nach dem Ursprungstumor suchen.

Gelbe Seiten: Wie können möglichst viele Krebszellen durch die Krebstherapie zerstört werden?

Dr. Andrea Penzkofer: Um möglichst gute Behandlungserfolge zu erzielen, werden für die Krebsbehandlung neben Operation und Bestrahlung mehrere im ganzen Körper wirkende Therapien in Kombination angewendet. Das erhöht die Chance, möglichst viele Krebszellen zu erreichen.

Die Herausforderung besteht darin, eine Therapie zusammenzustellen, die möglichst wirksam gegen alle Krebszellen vorgeht, gesundes Gewebe aber so wenig wie möglich schädigt. Große Hoffnungen liegen in neueren Therapien wie der zielgerichteten Krebstherapie und der Immuntherapie. Immuntherapien haben das Ziel, das Immunsystem zu befähigen, Krebszellen zu erkennen und zu töten.

Zielgerichtete Medikamente sollen unter anderem die Abwehrstrategien von Krebszellen stören und so den Zelltod herbeiführen oder die übermäßige Zellteilung hemmen.

Gelbe Seiten: Kann die Krebstherapie selbst auch das Krebsrisiko erhöhen?

Dr. Andrea Penzkofer: Ja, das ist möglich. So kann beispielsweise eine Strahlentherapie die Mutation von Körperzellen begünstigen. Auch eingesetzte Medikamentenwirkstoffe können Zellen so schädigen, dass sie entarten. Vor jeder Therapie wägt der behandelnde Arzt Nutzen und Risiken der Therapie ab und bespricht diese mit dem Patienten.

Bei vielen Therapien, die heute eingesetzt werden, hat sich im Rahmen von klinischen Studien gezeigt, dass der Nutzen der Therapie größer ist als der mögliche Schaden: Die Gruppe der an Krebs Erkrankten überlebte mit der Behandlung insgesamt länger als Patienten ohne diese Behandlung. Die gute Nachricht: Schätzungsweise 50 Prozent aller an Krebs Erkrankten überleben inzwischen ihre Krebserkrankung.

Vielen Dank für das Gespräch.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Dr. Andrea Penzkofer
Experte

Dr. Andrea Penzkofer ist Leiterin des Wissensmanagement-Teams vom Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg.

AL
Bewerten: