Was sind die häufigsten Krebsarten bei Kindern?
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Was sind die häufigsten Krebsarten bei Kindern?

Krebs im Kindes- und Jugendalter ist die am häufigsten auftretende tödliche Krankheit bei Kindern und Jugendlichen. Pro Jahr sind in Deutschland etwa 1.800 junge Patienten unter 15 Jahren neu betroffen. Was sind die häufigsten Krebsarten bei Kindern?

Krebs bei Kindern ist anders als bei Erwachsenen

Krebs bei Kindern ist anders als bei Erwachsenen. Die bösartigen Tumoren bei jungen Patienten unterscheiden sich von denen Erwachsener. Das betrifft den Krebs selbst, die Krebshäufigkeit, die Art der Behandlung sowie den Verlauf (Prognose). Kinder und Jugendliche können in der Regel erfolgreicher behandelt werden.

„Eine Früherkennung wie bei Krebserkrankungen im Erwachsenenalter spielt bei Kindern und Jugendlichen nur eine untergeordnete Rolle. Der Grund dafür liegt in dem meist raschen Fortschreiten der Erkrankung.“

— Kinderkrebsinfo.de

Was sind die häufigsten Krebsarten bei Kindern?

Krebs im Kindes- und Jugendalter ist selten. Er macht ein Prozent aller Erkrankungen in dieser Altersgruppe aus. Dennoch ist Krebs die häufigste tödliche Erkrankung bei jungen Patienten. Die häufigsten Krebsarten bei Kindern unter 15 Jahren sind:

  • Leukämien mit etwa 32 Prozent (etwa 600 Erkrankungsfälle pro Jahr)
  • Tumoren des Zentralnervensystems (Hirntumoren) mit etwa 25 Prozent (etwa 450 Erkrankungsfälle im Jahr)
  • Lymphome mit etwa elf Prozent (etwa 200 Neuerkrankungen im Jahr)
  • das Neuroblastom (bösartige Erkrankung des sympathischen Nervensystems) mit etwa sieben Prozent (etwa 130 Erkrankungsfälle pro Jahr)
  • das Nephroblastom (Wilms-Tumor, Nierenkrebs) mit etwa fünf Prozent (jährlich etwa 100 Erkrankungsfälle)

Krebs bei Kindern: die zwei Gesichter bösartiger Tumoren

Krebs bei Kindern hat zwei Gesichter: Zum einen kann Krebs bei Kindern den gesamten Körper betreffen. Mediziner sprechen dann von einer Systemerkrankung oder einer systemischen Erkrankung. Zu diesen Krebsarten gehören Leukämien und Lymphome. Das blutbildende System im Knochenmark oder das Lymphsystem kann betroffen sein.

Krebs kann aber auch in inneren Organen entstehen und als Tumor sichtbar werden. Mediziner sprechen dann von einem soliden Tumor. Die genaue Bezeichnung bekommt der solide Tumor von dem Gewebe, in dem er sich bildet. Sarkome beispielsweise entstehen aus entartetem Nerven-, Binde- oder Stützgewebe. Karzinome entstehen aus entarteten Zellen von Organwänden oder Drüsen. Entstehen Tumoren während der Entwicklung von Geweben oder Organen aus unreifen Zellen, sprechen Mediziner von embryonalen Tumoren, auch Blastome genannt.

Leukämien: Blutkrebs bei Kindern

Leukämien sind mit einem Anteil von 32 Prozent die häufigsten Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Sie entstehen im Knochenmark, in dem das Blut gebildet wird. Es kommt zu einer ungehemmten Vermehrung unreifer, weißer Blutzellen (Leukozyten). Leukämien bei Kindern können akut oder chronisch verlaufen. 95 Prozent der Leukämien sind akut. Experten unterscheiden zwischen der akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL) und der akuten myeloischen Leukämie (AML).

Die ALL ist mit 80 Prozent die häufigste Leukämieform bei Kindern und ist durch einen raschen Verlauf gekennzeichnet. Die AML macht 20 Prozent der Leukämien bei Kindern aus. Erfolgt keine Behandlung, kommt es bei beiden Leukämieformen durch die Ausbreitung der Leukämiezellen und der damit einhergehenden Schädigung der Körperorgane zu schweren Erkrankungen, die unbehandelt innerhalb weniger Monate zum Tod führen.

Hirntumoren bei Kindern: Tumoren des Zentralnervenystems (ZNS)

Hirntumoren, auch primäre ZNS-Tumoren genannt, sind solide Tumoren. Sie bilden sich im Gehirn oder im Rückenmark von Kindern und Jugendlichen. Mit etwa 24 Prozent sind sie nach den Leukämien die zweithäufigste Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter. Mediziner unterscheiden verschiedene ZNS-Tumoren:

  • nied­rig maligne Gliome (geringgradig bösartige Gliome)
  • hoch­gradig ma­lig­ne Glio­me (hochgradig bösartige Gliome)
  • Me­dull­ob­last­o­me und andere embryonale, nicht-rhabdoide ZNS-Tumoren
  • Epen­dy­mo­me
  • Choroid-Plexus-Tumoren
  • Rhabdoidtumoren
  • Kra­nio­pha­ryn­geo­me

Weiterführende Informationen zu Tumoren des Zentralnervensystems (ZNS) bei Kindern und Jugendlichen finden Eltern auf den Seiten der Kinderkrebsinfo.

Lymphome: Krebs im lymphatischen Gewebe

Bösartige Lymphome gegen von den Zellen des lymphatischen Systems aus. Das Hauptsymptom sind Lymphknotenschwellungen (Lymphome). Mit einem Anteil von etwa elf Prozent sind bösartige Lymphome die dritthäufigste Krebserkrankung bei Kindern in Deutschland. Mediziner unterscheiden das Hodg­kin-​Lym­phom (Mor­bus Hodg­kin) und die große Gruppe der Non-​Hodg­kin-​Lym­pho­me (NHL). Da bösartige Lymphome in der Regel den ganzen Körper befallen, zählen auch sie zu den systemischen Erkrankungen.

Neuroblastome bei Kindern

Neuroblastome machen etwa sieben Prozent aller Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen aus. Das Neuroblastom ist eine bösartige Erkrankung des sympathischen Nervensystems, die vor allem im frühen Kindesalter auftritt – 90 Prozent der Betroffenen sind jünger als sechs Jahre.

Bei Neuroblastomen handelt es sich um solide Tumoren. Sie bilden sich aus entarteten, unreifen Zellen des sympathischen Nervensystems, das unter anderem die Herz-Kreislauf-Tätigkeit sowie die Darm- und Blasenmuskulatur steuert. Neuroblastome können überall auftreten, wo sich sympathisches Nervengewebe befindet, sind aber am häufigsten im Nebennierenmark und im Bereich der Nervengeflechte auf beiden Seiten der Wirbelsäule zu finden.

„Wenn der Grenzstrang betroffen ist, können Neuroblastome auf jeder Höhe entlang der Wirbelsäule vorkommen: im Bauch-, Becken-, Brust- und Halsbereich. In der Mehrzahl der Fälle (zu etwa 70 %) befindet sich der Tumor im Bauchraum, etwa ein Fünftel der Tumoren liegen im Brust- und Halsbereich.“

— Kinderkrebsinfo.de

Nephroblastom: Wilms-Tumor bei Kindern und Jugendlichen

Ein Nephromblastom ist ein bösartiger Tumor der Niere. Die Bösartigkeit der Wilms-Tumoren liegt in ihrem raschen Wachstum begründet sowie in ihrer Neigung, frühzeitig Tochtergeschwülste (Metastasen) zu bilden. Etwa 15 Prozent der jungen Patienten mit Wilms-Tumor haben bereits bei der Diagnosestellung Metastasen. Hiervon sind vor allem die Lymphknoten‎ in der Umgebung der Niere sowie die Lunge betroffen. Das Ausgangsgewebe ist unreifes, embryonales Nierengewebe, das als Vorstufe des Wilms-Tumors gilt (Nephroblastomatose).

„Der Wilms-​Tu­mor ent­steht durch ei­ne Ent­ar­tung von primitivem Ge­we­be, das aus der Em­bryo­nal­zeit stammt. Er kann aus un­ter­schied­li­chen Ge­we­be­ar­ten zu­sam­men­ge­setzt sein. Meist ent­hält der Tu­mor Vor­läu­fer­zel­len von Nie­ren­ge­we­be; es kön­nen aber auch un­ter­schied­lich aus­ge­reif­te Vor­stu­fen an­de­rer Ge­we­be­ty­pen ver­tre­ten sein, so zum Bei­spiel Mus­kel-​, Knor­pel-​ und Epithelgewebe‎‎‎.“

— Kinderkrebsinfo.de

Systemische Behandlung bei Krebserkrankungen im Kindesalter

Von ihrem Ursprungsort aus können Krebszellen in andere Körperbereiche streuen und dort neue Krebsherde (Metastasen, Tochtergeschwulste) bilden. Da Krebs oft früh zu streuen beginnt, muss zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose bei Kindern davon ausgegangen werden, dass sich der Krebs bereits im Körper ausgebreitet hat. Eine alleinige Behandlung des sichtbaren Tumors reicht daher in der Regel nicht aus und die Therapie wird systemisch zusammengestellt. Neben der Operation gehören Strahlen- und Chemotherapie zu den wichtigsten Behandlungsmaßnahmen gegen den Krebs.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel
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