Leberkrebs: Ursachen, Risikofaktoren und Symptome
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Leberkrebs: Ursachen, Risikofaktoren und Symptome

Leberkrebs (Leberzellkarzinom, hepatozelluläres Karzinom, HCC) gehört zu den selteneren Krebserkrankungen – und zugleich aufgrund der schlechten Prognose zu den zehn häufigsten Krebstodesursachen. Doch was macht den Krebs in der Leber so gefährlich? Leberkrebs: Ursachen, Risikofaktoren und Symptome.

Was ist Leberkrebs?

Leberkrebs, auch Leberzellkarzinom, Leberkarzinom, Leberzellkrebs und primärer Leberkrebs genannt, ist eine bösartige Erkrankung der Zellen in der Leber. Diese entarten und beginnen in Folge, unkontrolliert zu wuchern. Sie wachsen in umliegendes Gewebe hinein und verdrängen und zerstören es. Im Verlauf der Krebserkrankung nehmen nicht nur Leber und umliegende Gewebe Schaden. Befällt der Krebs einen umliegenden Lymphknoten, kann er über die Lymphbahnen in andere Körperbereiche streuen. Männer erkranken dreimal häufiger an Leberkrebs als Frauen.

Krebsexperten unterscheiden zwei Leberkrebs-Arten:

Primärer Leberkrebs: Hat seinen Ursprung in der Leber selbst.

Sekundärer Leberkrebs: Die Tumoren in der Leber sind Metastasen, also Tochtergeschwulste einer anderen Krebserkrankung im Körper.

Leberkrebs-Ursachen: Wie bekommt man Leberkrebs?

Auslöser von Leberkrebs ist in Deutschland fast immer eine Leberzirrhose (Schrumpfleber). Dabei handelt es sich um eine Vernarbung und Zerstörung von Leberzellen. In Deutschland sind die bedeutendsten Ursachen von Leberzirrhose und Leberkrebs chronischer Alkoholmissbrauch, eine durch die Hepatitisviren C und B ausgelöste Leberentzündung (Hepatitis) sowie eine durch eine nicht-alkoholische Fettleber hervorgerufene Leberschädigung.

Schädigungen der Leber können zudem durch verschiedene Erkrankungen und Substanzen verursacht werden, darunter:

  • Diabetes mellitus
  • angeborene Erkrankungen des Eisenstoffwechsels (Eisenspeicherkrankheit Hämochromatose)
  • über die Nahrung aufgenommen Schimmelpilzgifte (Aflatoxin)
  • bestimmte chemische Substanzen (bestimmte Lösungsmittel, Pflanzenschutzmittel, Insektizide)
  • männliche Geschlechtshormone zum Muskelaufbau (Anabolika)
  • Rauchen
  • genetische Faktoren

 Bei etwa 20 Prozent der Leberkrebs-Fälle entsteht der Tumor, ohne dass eine Schrumpfleber besteht.

Leberkrebs-Früherkennung: Leberkrebs-Vorsorge gibt es nicht

Aktuell ist eine Leberkrebs-Früherkennungsuntersuchung kein Teil der gesetzlichen Screening-Angebote. Regelmäßige Leberuntersuchungen sind nur für Menschen vorgesehen, die zur Risikogruppe für Leberkrebs gehören.

Leberkrebs-Symptome: Wie sind die Symptome bei Leberkrebs?

Zu Beginn der Krebserkrankung verspüren Betroffene keine Leberkrebs-Symptome. Viele Leberkrebs-Erkrankungen stellt der Arzt durch Zufall im Rahmen von Routineuntersuchungen fest. Leberkrebs-Symptome treten erst im fortgeschrittenen Verlauf der Tumorbildung auf. Dazu gehören:

  • Druckschmerz im rechten Oberbauch
  • eine tastbare Schwellung unter dem rechten Rippenbogen
  • Übelkeit
  • Appetitlosigkeit und ungewollte Gewichtsabnahme
  • vermehrtes Schwitzen
  • Schwäche und Leistungsminderung
  • Juckreiz der Haut
  • zunehmende Gelbfärbung der Haut

Die genannten Beschwerden sind zwar Leberkrebs-Symptome, doch sie können auch harmlosere Erkrankungen als Ursachen haben. Beobachten Sie diese Symptome bei sich, sollten Sie zum Arzt gehen. Je früher Leberkrebs – oder eine andere Krankheit – diagnostiziert wird, desto besser sind die Chancen einer Behandlung. Ihr Hausarzt ist bei Verdacht eine gute erste Anlaufstelle. Er wird mit Ihnen die Beschwerden besprechen und Sie bei Bedarf an einen entsprechenden Facharzt, beispielsweise einen Gastroenterologen oder Hepatologen, überweisen.

Wie lange kann man mit einem Leberkrebskarzinom leben?

Stellt der Arzt die Diagnose Leberkrebs, ist es im weiteren Verlauf wichtig, das Tumorstadium sowie die Art des Tumors festzustellen. Die Behandlung von Leberkrebs ist abhängig davon, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. In einem frühen Stadium kann der Tumor häufig operiert und anschließend bestrahlt (Radiotherapie) werden. Hat sich der Krebs bereits stark ausgebreitet und haben sich Metastasen (Tochtergeschwüre) an anderen Körperstellen gebildet, ist eine Heilung in der Regel nicht mehr möglich. Dennoch kann mit einer abgestimmten Therapie die Überlebenschance erhöht und die verbleibende Lebenszeit erträglich gestaltet werden. 

Leberkrebs behandeln: Operation, Strahlentherapie und Medikamente

Für die Leberkrebs-Behandlung stehen Onkologen verschiedene Therapien zur Verfügung, beispielsweise:

Operation: Ziel der Operation ist, den Tumor vollständig zu entfernen und den Krebs zu heilen. Eine Teilentfernung der Leber ist nur dann sinnvoll, wenn der Krebs nur auf die Leber beschränkt ist und mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand im gesunden Gewebe entfernt werden kann. Eine vollständige Entfernung der Leber mit einer anschließenden Lebertransplantation ist nur bei weniger als fünf Prozent der Patienten durchführbar. In mehr als drei Viertel der Leberkrebs-Fälle kann der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose nicht mehr chirurgisch entfernt werden.

„Bei der Radiofrequenz-Ablation (=Radiofrequenz-induzierte Thermotherapie/­Thermoablation: RFA, RFTA, RITA) wird unter Ultraschall- oder CT-Kontrolle eine Sonde in den Tumor eingeführt. Durch diese Sonde werden Radiofrequenzwellen eingebracht, um das Tumorgewebe (auf mehr als 100°C) zu erhitzen. Tumorareale von bis zu 3-5 cm Durchmesser können mit dieser Methode sprichwörtlich „verkocht“ werden. Für die Behandlung werden im Fall mehrerer Tumorherde meist mehr als eine Sitzung – unter Kurznarkose- durchgeführt.“

— Deutsche Krebsgesellschaft e.V.

Perkutane Ethanol- oder Essigsäure-Injektion (PEI): Unter Ultraschallkontrolle injiziert der Arzt 95-prozentigen Alkohol in den Tumor. Dadurch stirbt das Tumorgewebe ab. Meist sind mehrere Sitzungen notwendig. Die PEI findet dann Anwendung, wenn weder Operation noch Radiofrequenz-Ablation möglich sind.

Mikrowellenablation (MWA): Im Vergleich zur Radiofrequenz-Ablation können bei der Mikrowellenablation noch höhere Temperaturen von bis zu 160° C erzeugt werden. HCC-Herde, die nahe an großen und gut durchbluteten Gefäßen (Pfortader, Lebervenenstern) liegen, werden bevorzugt mittels MWA behandelt.

Externe Strahlentherapie: Große, örtlich-begrenzte Leberkarzinome, die weder operativ noch mit minimal-invasiven örtlichen Verfahren zerstört werden können, können mit der von außen angewandten Strahlentherapie (externe Radiotherapie) behandelt werden.

Medikamente: Bestimmte Medikamente, sogenannte Tyrosinkinasehemmer, bremsen Wachstumssignale und Wachstumsfaktoren des Leberkrebses. Bekannte Tyrosinkinasehemmer sind Sorafenib, Lenvatinib und Regorafenib.

Schmerzbehandlung: Die Schmerzbehandlung hat das Ziel, die Schmerzen, die im Rahmen der Krebserkrankung und der Krebsbehandlung entstehen, zu lindern. Die Behandlung mit Schmerztabletten steht im Fokus. Bei sehr starken Schmerzen kann der Arzt Morphium verabreichen.

Chemotherapie bei Leberkrebs?

Laut der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. ist eine systemische Chemotherapie - außer möglicherweise bei HCC-Patienten ohne zugrundeliegende Leberzirrhose – wenig effektiv und bringt keinen Überlebensvorteil. Die Behandlung mit Hormonen und Hormonersatzstoffen verlief bei Leberkrebs bislang ebenfalls erfolglos.

Leberkrebs vorbeugen: Alkoholverzicht und Hepatitis-Impfung

Leberkrebs vorbeugen beziehungsweise das Erkrankungsrisiko senken können Sie, indem Sie bekannte Risikofaktoren weitestgehend vermeiden:

Alkohol und Rauchen: Krebsexperten raten zur Leberkrebs-Vorbeugung auf übermäßigen Alkoholkonsum zu verzichten und mit dem Rauchen aufzuhören.

Hepatitis B: Schutz vor einer Hepatitis-B-Infektion bietet eine Impfung. Ein erhöhtes Infektionsrisiko mit dem Hepatitis-B-Virus besteht bei Sexualkontakten, da das Virus über Körperflüssigkeiten wie Blut, Samen- und Scheidenflüssigkeit und Speichel übertragen wird. Menschen, die häufig wechselnde Sexualpartner und ungeschützten Geschlechtsverkehr haben, haben ein höheres Infektionsrisiko.

Hepatitis C: Gegen Hepatitis-C gibt es bislang keine Impfung. Allerdings ist die Therapiemöglichkeit einer Hepatitis-C-Infektion gut. Medizinern zufolge beträgt die Heilungschance zwischen 95 und 100 Prozent. Wird Hepatitis C erkannt und behandelt sinkt auch das Leberkrebs-Risiko.

Erkrankungen: Werden erblich bedingte Erkrankungen wie die Eisenspeicherkrankheit erkannt und behandelt, können Spätschäden der Leber ebenfalls vermieden werden.

Nicht-alkoholische Fettleber: Die nicht-alkoholische Fettleber hat ihren Ursprung bei der Mehrzahl der Betroffenen in Fettleibigkeit und /oder einem Typ 2-Diabetes. Leberkrebs vorbeugen kann der, der auf eine gesunde Ernährung achtet, ein normales Körpergewicht anstrebt, sich ausreichend bewegt und einen bestehenden Diabetes behandelt. So senkt das Medikament Metformin bei nicht-insulinabhängigem Diabetes mellitus das HCC-Risiko. Ein gut eingestellter Cholesterinspiegel ist ebenfalls von Bedeutung: Untersuchungen zeigen, dass die Einnahme von cholesterinsenkenden Medikamenten, sogenannte Statine, das HCC-Risiko signifikant senkt.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel

Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.

 

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