Eierstockkrebs: Ursachen, Risikofaktoren und Symptome
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Eierstockkrebs: Ursachen, Risikofaktoren und Symptome

An Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) erkranken in Deutschland jedes Jahr rund 7.000 Frauen. Häufig liegt die Ursache im Erbgut der Betroffenen. Bestimmte Risikofaktoren begünstigen die Tumorbildung an den Eierstöcken. Eierstockkrebs: Ursachen, Risikofaktoren und Symptome.

Was ist Eierstockkrebs?

Eierstockkrebs gehört zu den aggressivsten Tumoren der Frau. Bei Eierstockkrebs, auch Ovarialkarzinom genannt, entstehen an den Eierstöcken bösartige Tumoren. Diese bestehen aus veränderten (mutierten) Zellen, bei denen es bei der Zellteilung zu Fehlern im Erbgut gekommen ist. Die entarteten Zellen wachsen nicht nur unkontrolliert, ihnen fehlt auch das Signal zum natürlichen Zelltod. Eierstockkrebs ist somit – wie jede Krebserkrankung – genetisch bedingt.

„Etwa eine von 71 Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens an Eierstockkrebs. Die altersstandardisierten Erkrankungs- und Sterberaten nehmen in Deutschland seit der Jahrtausendwende deutlich ab, auch die absoluten Fallzahlen sind rückläufig.“

— Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut

Eierstockkrebs-Ursachen: Warum entsteht Eierstockkrebs?

Das Risiko für Genveränderung und die Entwicklung mutierter Zellen steigt mit dem Alter. Das mittlere Erkrankungsrisiko des Ovarialkarzinoms liegt bei 69 Jahren, doch auch jüngere Frauen können betroffen sein. Neben genetischen Einflussgrößen und hormonellen Faktoren wirkt sich Übergewicht negativ auf das Erkrankungsrisiko aus.

Hormonelle Situation: Kinderlosigkeit beziehungsweise Unfruchtbarkeit erhöht Krebsexperten zufolge das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken. Eine Hormonersatztherapie, insbesondere mit Östrogenmonopräparaten, wie sie bei Frauen nach der Menopause bei Wechseljahrsbeschwerden oftmals durchgeführt wird, gilt ebenfalls als Risikofaktor.

Genetische Einflussgrößen: Ein erhöhtes Risiko an Eierstockkrebs zu erkranken, tragen Frauen, deren Verwandte ersten Grades Brust- oder Eierstockkrebs hatten, sowie Frauen, die selbst bereits an Brust-, Gebärmutterkörper- oder Darmkrebs erkrankt sind. Häufig liegen in diesem Zusammenhang Veränderungen in den Hochrisikogenen BRCA1 und BRCA2 vor. Sie spielen bei einer von 10 Frauen mit Eierstockkrebs eine Rolle. Frauen, die eine Veränderung im BRCA1- oder BRCA2-Gen haben, haben ein Risiko von 20 bis 60 Prozent, im Laufe ihres Lebens an Eierstockkrebs zu erkranken.

Lebensstil: Übergewicht gilt als Risikofaktor für die Entstehung von Eierstockkrebs. Dabei ist nicht nur Übergewicht im Alter riskant. Neue Studien zeigen, dass ein deutliches Übergewicht in jugendlichen Jahren ein erhöhtes Risiko für Eierstockkrebs im Erwachsenenalter birgt. Forscher werteten die Daten von 1.33526 Frauen aus der Nurses' Health-Studie (NHS) von 1980 bis 2012 und der Folgestudie NHSII von 1989 bis 2013 aus. Es zeigte sich, dass Frauen, die zwischen zehn und 18 Jahren alt waren und ihr Körpergewicht stark veränderten, ein erhöhtes Risiko für Eierstockkrebs hatten. Eine geringere Risikoerhöhung ergab sich für Frauen, die erst nach dem 18. Lebensjahr stark an Gewicht zugenommen hatten. 

Eierstockkrebs-Symptome: Welche Beschwerden bei Eierstockkrebs?

Zu Beginn verursacht Eierstockkrebs so gut wie keine Beschwerden. Aus diesem Grund wird das Ovarialkarzinom häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Zu den möglichen Eierstockkrebs-Symptomen gehören:

  • Völlegefühl
  • Zunahme des Bauchumfangs (Wassersucht)
  • Blähungen
  • unklare Bauchschmerzen
  • unklare Verdauungsbeschwerden
  • vermehrtes Wasserlassen
  • Zwischenblutungen/Schmierblutungen (Blutungen außerhalb der Periode)
  • Müdigkeit
  • Erschöpfung

Frauen, die diese Symptome wiederholt oder anhaltend bei sich beobachten, sollten zu einem Arzt gehen und die Ursache für die Beschwerden feststellen lassen. Krebsexperten zufolge sind vor allem Blutungen nach den Wechseljahren ein Warnsignal. Oftmals sind harmlosere Auslöser der Grund für die Beschwerden. Dennoch sollte eine Krebserkrankung ausgeschlossen werden.

Früherkennungsuntersuchungen: Eierstockkrebs im Frühstadium nicht erkennbar

Früherkennungsuntersuchungen für Eierstockkrebs gibt es nicht. Die bösartigen Zellen bilden sich auf der Oberfläche der Eierstöcke, im benachbarten Teil der Eileiter oder auf dem Bauchfell. Von dort streuen sie in die Bauchhöhle und in die Lympknoten – und das so früh, dass sie weder mit Ultraschall noch mit einer Magnetresonanztomografie (MRT) erkannt werden können.

Die Durchführung einer Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung kann als sogenannte individuelle Gesundheitsleistung, kurz IGeL, durchgeführt werden. Die Kosten von rund 50 Euro muss die Frau selbst tragen. Experten des Igel-Monitors stufen diese Leistung als „negativ“ ein. 

Eierstockkrebs behandeln: Therapie des Ovarialkarzinoms

Aufgrund der Ähnlichkeit in der Tumorentstehung und des gemeinsamen tumorbiologischen Verhaltens werden der Eierstockkrebs, Eileiterkrebs und der Bauchfellkrebs zusammengefasst und nach den identischen operativen und medikamentösen Behandlungskonzepten versorgt. Zu den Therapien von Eierstockkrebs gehören die Operation und die Chemotherapie. Die Operation ist die erste Wahl zur Behandlung von Eierstockkrebs. Ziel ist, das Tumorgewebe so gründlich wie möglich zu entfernen.

Die Ausdehnung der Operation ist davon abhängig, wie weit der Krebs fortgeschritten ist. Oftmals müssen Gebärmutter, Eierstöcke, Eileiter und das Bauchfellnetz sowie zahlreiche Lymphknoten komplett entfernt werden. Die Chemotherapie schließt an die Operation an. Sie soll winzige verbliebene Tumorzellen vernichten, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. Hierfür bekommen die betroffenen Frauen Medikamente mit krebszellschädigenden Wirkstoffen verabreicht, sogenannte Zytostatika. 

Wie sind die Heilungschancen bei Eierstockkrebs?

Die Überlebensaussichten von Patientinnen mit Eierstockkrebs sind im Vergleich zu Patientinnen mit anderen Krebskrankheiten der Geschlechtsorgane eher schlecht, so die Einschätzung von Experten am Zentrum für Krebsregisterdaten des Robert Koch-Instituts (RKI). Das relative 5-Jahres-Überleben liege derzeit bei etwa 41 Prozent. Als Grund für die schlechte Prognose nennt das RKI das späte Erkennen des Ovarialkarzinoms. Zwei Drittel der bösartigen Eierstocktumoren werden in einem späten Stadium entdeckt. 

Eierstockkrebs vorbeugen: Wie können sich Frauen vor Eierstockkrebs schützen?

Eierstockkrebs vorbeugen beziehungsweise das Erkrankungsrisiko senken lässt sich durch die Vermeidung möglichst vieler Risikofaktoren. Sind in der Familie Fälle von Brust- und Eierstockkrebs bekannt, raten Mediziner zu einer genetischen Beratung bei speziellen Brustkrebszentren. Die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. hilft bei der Suche spezieller Brustkrebszentren.

Ebenfalls ratsam ist es, auf einen gesunden Lebensstil zu achten: Gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, das Vermeiden von Übergewicht: Frauen können ihr individuelles Erkrankungsrisiko senken.

Bekannt ist auch, dass viele Geburten und längere Stillzeiten das Risiko der Erkrankung vermindern. Die Anti-Baby-Pille scheint ebenfalls einen schützenden Effekt zu haben. Hier sollten sich Frauen allerdings von ihrem Frauenarzt (Gynäkologen) beraten lassen: Die „Pille“ birgt auch gesundheitliche Risiken und kann die Wahrscheinlichkeit für andere Krebsarten erhöhen.

Eine Sterilisation durch Verschluss der Eileiter verringert das Erkrankungsrisiko für Frauen mit den Krebsrisikogenen. Da Eierstockkrebs bei Frauen mit einer BRCA-Mutation in der Regel erst ab dem 40. Lebensjahr auftritt, empfehlen die Experten, die vorsorgliche Entfernung der Eierstöcke und Eileiter erst ab diesem Lebensalter vorzunehmen.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel

Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.

 

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