Prostatakrebs erkennen: Chancen und Risiken von Tastuntersuchung und PSA-Test
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Prostatakrebs erkennen: Chancen und Risiken von Tastuntersuchung und PSA-Test

Zu den Prostatakrebs-Früherkennungsuntersuchungen gehören die digital-rektale Tastuntersuchung und der PSA-Test. Gerade weil Prostatakrebs zu Beginn keine Symptome zeigt, sollten sich Männer über die Untersuchungen informieren. Ein wichtiger Ansprechpartner ist der Urologe. Prostatakrebs erkennen: Chancen und Risiken von Früherkennungsuntersuchungen.

Prostatakrebs: Welche Untersuchungen gibt es zur Früherkennung?

Ein früh erkannter Prostatakrebs hat hohe Heilungschancen. Regelmäßige Kontrollen beim Arzt erhöhen die Chance, dass Krebs früh erkannt, behandelt und geheilt werden kann. Für Männer gibt es zwei Früherkennungsuntersuchungen, um Prostatakrebs in einem frühen Stadium feststellen zu können:

  • die digital-rektale Tastuntersuchung
  • der PSA-Test

 

 

Früherkennung ist nicht Vorsorge

Häufig wird statt von Früherkennungsuntersuchungen von Vorsorge gesprochen. Dieser Begriff ist in diesem Zusammenhang irreführend. Die Untersuchungen können lediglich dabei helfen, eine Krebserkrankung in einem frühen Stadium zu erkennen. Sie sind keine Vorsorge im eigentlichen Sinn, da sie einer Krebserkrankung nicht vorbeugen. Einzig bei der Darmkrebsfrüherkennung kann man auch von Darmkrebsvorsorge sprechen: Kleine Polypen können im Rahmen der Darmspiegelung entfernt werden, bevor sie sich bösartig verändern.

Die digital-rektale Tastuntersuchung: Chancen und Kritik von Expertenseite

Die gesetzlichen Krankenkassen bieten Männern ab dem 45. Lebensjahr einmal jährlich die digital-rektale Tastuntersuchung an. Hierbei untersucht der Arzt die äußeren Genitalien und tastet die Prostata über den Darm ab. Dabei führt er den Zeigefinger in den Enddarm des Patienten ein. Schmerzhaft ist diese Untersuchung nicht (sofern die Prostata nicht entzündet ist) und auch Risiken sind mit ihr nicht verbunden. Allerdings müssen Männer über ihren Schatten springen und ihr Schamgefühl überwinden.

Viele Krebsexperten und Urologen kritisieren bei dieser Untersuchung, dass sich erst relativ große Tumoren ertasten lassen. Angaben der Deutschen Krebshilfe e.V. zufolge überschreiten mehr als zwei Drittel der gefundenen Tumoren bereits die Organgrenzen und haben dadurch eine deutlich schlechtere Heilungswahrscheinlichkeit.

Der PSA-Test: Chancen

Der PSA-Test misst das Prostata-spezifische Antiken (PSA). Dieser Eiweißstoff wird in der Prostata gebildet und ist ebenso im Blut nachweisbar. Um den PSA-Wert zu ermitteln, braucht es etwas Blut des Patienten. Erhöhte PSA-Werte deuten auf Veränderungen der Prostata hin:

  • gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie)
  • Entzündungen der Prostata
  • Prostatakrebs

„Nach derzeitigen Empfehlungen sollten Männern ab dem 45. Lebensjahr mit einer mutmaßlichen Lebenserwartung von mehr als 10 Jahren über die Möglichkeit einer solchen Früherkennung informiert werden. Bei Männern die ein möglicherweise erhöhtes Erkrankungsrisiko (z.B. frühe Prostatakrebserkrankung des Vaters, Erkrankung des Bruders) tragen kann die Altersgrenze um 5 Jahre vorverlegt werden.“

— Urologenportal.de

Ein erhöhter PSA-Wert ist keine Krebsdiagnose

Wichtig zu wissen ist, dass ein erhöhter PSA-Wert alleine noch nicht aussagekräftig ist und auch keine Krebsdiagnose darstellt. Urologen betonen immer wieder, dass der Werte-Verlauf betrachtet werden muss und raten zu einer Basismessung ab 40 Jahren mit regelmäßigen Folgemessungen. Weiterführende Untersuchungen sind in der Prostataleitlinie den Männern empfohlen, die einen Anstieg des PSA-Wertes um mehr als 0,5 ng/ml pro Jahr zeigen.

Wie sich die PSA-Werte verhalten, ist zudem individuell verschieden. Es kann ein höherer Wert vorliegen und der Patient ist trotzdem gesund. Es kann aber auch sein, dass der PSA-Test keine erhöhten Werte misst, der Patient aber trotzdem ein Karzinom in sich trägt. Und: Auch Radfahren etwa kann die PSA-Werte kurzzeitig ansteigen lassen. Daher gilt: Männer, die sich für einen PSA-Test entscheiden, sollten zuvor mit Ihrem Urologen abstimmen, worauf sie vor der Blutentnahme achten müssen.

„Der PSA-Test spricht nur auf vier Fünftel aller Prostatakarzinome an. Bei jedem fünften Krebsfall misst der Laborwert keinen erhöhten Wert.“

— Stiftung Warentest. Gesunde Prostata. Von Vorbeugung bis Heilung. Dr. Peter Düweke

Der PSA-Test: Kritik

Während sich viele Urologen und Allgemeinmediziner für eine Übernahme der Kosten für den PSA-Test von Seiten der Krankenkassen einsetzen und die Tastuntersuchung als alleinige Früherkennungsmaßnahme als zu unsicher kritisieren, stufen die Krankenkassen den PSA-Test als „tendenziell negativ“ ein. Daher ist dieser nach wie vor eine individuelle Gesundheitsleistung, kurz IGeL, und muss von Männern selbst bezahlt werden. Er kostet um die 30 Euro.

Überdiagnosen durch Früherkennungsuntersuchungen

Die Argumentation des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS) auf der Website „IGeL-Monitor“:

„Von fünf großen Studien zeigen nur zwei, dass der PSA-Test Männer davor bewahren kann, am Prostatakrebs zu sterben. (…) Was mögliche Schäden angeht, zeigen die Studien übereinstimmend, dass der PSA-Test auch Tumore findet, die den Männern mit hoher Wahrscheinlichkeit nie Beschwerden bereitet hätten. Man kann sagen: Auf einen Mann, der dank PSA-Test nicht am Prostatakrebs stirbt, kommen vermutlich 30 Männer, die unnötig behandelt werden, weil ihr Tumor zeitlebens gar nicht aufgefallen wäre. Insgesamt sehen wir Hinweise auf einen Nutzen, und Belege für einen Schaden.“

Es fällt auf: Kritisiert wird im Zusammenhang mit dem PSA-Test besonders das Risiko für Überdiagnosen und Überbehandlungen. Denn: Das mittlere Erkrankungsalter von Prostatakrebs liegt bei 69 Jahren. Viele Männer könnten mit Prostatakrebs alt werden. Würde der Krebs nicht erkannt werden, würden sie nicht an ihm, sondern an etwas anderem sterben. Trotz aller Kritik darf aber auch nicht übersehen werden, dass jedes Jahr etwa 12.000 Männer an Prostatakrebs sterben.

„Ein aggressives behandlungspflichtiges Prostatakarzinom zeichnet sich dadurch aus, dass es wächst und somit auch zu einem ansteigenden PSA-Wert führt. Die tumorfreien Zehn-Jahres-Überlebensraten nach Operation oder Strahlentherapie liegen für frühe Tumorstadien bei mehr als 80 Prozent. Potenzerhaltende Operationen sind nur in frühes Tumorstadien möglich.“

— Die blauen Ratgeber: Prostatakrebs. Deutsche Krebshilfe e.V.

PSA-Test ja oder nein? Entscheidungshilfe für Männer

Gerade weil das Thema Prostatakrebs-Früherkennung mit vielen Chancen, aber auch möglichen Risiken verbunden ist, sollten sich Männer frühzeitig damit auseinandersetzen. Die Entscheidung für oder gegen Früherkennungsuntersuchungen sollten Männer erst dann treffen, wenn sie sich ausführlich informiert haben. Ein wichtiger Ansprechpartner ist der Urologe.

Weitere Anlaufstellen, auf die Männer für Informationen zu Prostatakrebs zugehen können, sind:

  • Ratgeber „Prostatakrebs“ der Deutschen Krebshilfe
  • Krebsinformationsdienst (DIK) des Deutschen Krebsforschungszentrums
  • "Urologenportal" der Deutschen Gesellschaft für Urologie und dem Berufsverband der  Deutschen Urologen
  • You-Tube-Video zur IGeL Prostatakrebs
  • IGeL-Monitor
  • Stiftung Männergesundheit Ratgeber „Aktive Überwachung“

Das Recht auf eine zweite Meinung

Wurde die Diagnose Prostatakrebs gestellt und sind die betroffenen Männer unsicher, was die weitere Therapie angeht, können sie sich eine zweite Meinung einholen. Das gilt auch dann, wenn sich der Patient bei seinem Arzt nicht gut aufgehoben fühlt oder wenn er die Diagnose von anderer Stelle nochmal bestätigt haben möchte.

Weitere Hilfestellungen zur Zweitmeinung bei einem anderen Facharzt finden Sie hier.

Zuwarten statt Operation

Nicht immer ist die Behandlung von Prostatakrebs notwendig. Viele langsam wachsende und nicht aggressive Tumoren können über viele Jahre hinweg beobachtet werden, ohne dass ein Eingriff notwendig ist. Urologen sprechen dann von aktivem Zuwarten.

„Das Ziel der Früherkennung besteht darin, das Prostatakarzinom frühestmöglich – noch vor dem Auftreten von Symptomen – zu diagnostizieren, denn nur organbegrenzte Tumoren sind heilbar. (…) Die Schwierigkeit in Diagnostik und Therapie liegt nun darin, dass sich das Wachstum des Prostatakarzinoms sehr langsam vollzieht. Ist der Tumor noch sehr klein oder wenig aggressiv im Wachstum, ist eine Therapie oft gar nicht notwendig. Hat die Geschwulst jedoch ein bestimmtes Stadium überschritten, ist Heilung nicht mehr möglich. Sinn der Früherkennung durch den Urologen ist es also, die Karzinome zu erfassen, die aus dem unauffälligen Stadium herausgetreten sind, aber noch nicht die Grenze zu den nicht mehr komplett heilbaren Tumoren überschritten haben.“

— Urologenportal.de

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel
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