Rauchen und Krebs: Wie krebserregend ist Rauchen?
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Rauchen und Krebs: Wie krebserregend ist Rauchen?

In Deutschland ist Krebs nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache. Der größte einzelne und vermeidbare Risikofaktor für die Entstehung von Krebs ist Rauchen. Doch wie krebserregend ist Rauchen und was genau macht Zigaretten so riskant? Rauchen und Krebs: Das sollten Sie wissen.

Welche Substanzen machen Zigaretten so gefährlich?

Mit jeder Zigarette inhalieren Raucher ein Giftgemisch aus rund 4800 Substanzen. Krebsexperten zufolge sind mindestens 250 dieser Substanzen giftig oder krebserregend. Zu den krebserzeugenden Substanzen gehören vor allem polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAKs, sowie aromatische Amine und tabakspezifische N-Nitrosamine sowie weitere Chemikalien.

Rauchen und Krebs: Was macht Tabakrauch im Körper?

Gelangen die krebserregenden Substanzen über die Lunge in das Blut und in Folge in den gesamten Körper, können sie zu Schäden im Erbgut führen. DNA-Schäden können die Zellen entarten lassen. Aus einer gesunden Zelle wird eine Krebszelle, die sich unendlich teilen kann und deren natürlicher Zelltod außer Kraft gesetzt ist. Hinzu kommt, dass die giftigen Wirkstoffe im Tabakrauch das Abwehr- und Reparatursystem des Körpers schwächen. Entartet eine Zelle, kann es passieren, dass diese übersehen und nicht zerstört wird. Rauchen erhöht das Krebsrisiko somit auf zweierlei Wegen.

Welche Krebsarten stehen mit Rauchen im Zusammenhang?

Rauchen und Krebs stehen bei folgenden Krebserkrankungen direkt im Zusammenhang:

  • Lungenkrebs
  • Krebs im Mund-, Nasen- und Rachenraum
  • Kehlkopfkrebs
  • Leberkrebs
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs
  • Nierenkrebs
  • Blasenkrebs
  • Gebärmutterhalskrebs
  • Brustkrebs
  • bestimmte Formen der Leukämie

Hier ein paar beeindruckende Fakten, die die Experten von „Lungenärzte im Netz“ zusammengetragen haben:

  • Die Wahrscheinlichkeit, an einem Lungentumor zu erkranken, ist bei einem Raucher sieben Mal höher als bei einem Nie-Raucher.
  • Etwa 81 Prozent der Kehlkopfkarzinome bei Männern und 87 Prozent dieser Karzinome bei Frauen hängen direkt mit dem Rauchverhalten zusammen.
  • 92 Prozent der Mundhöhlentumoren bei Männern und 61 Prozent bei Frauen sind eine direkte Folge des Rauchverhaltens.
  • Überdies wird etwa ein Drittel aller Karzinome der Blase, Nieren und Bauchspeicheldrüse auf das Rauchen zurückgeführt.
  • Etwa 20 Prozent der neu erkannten Leukämie-Fälle werden auf einen erhöhten Tabakkonsum zurückgeführt.
  • Etwa 30 Prozent der weltweit 220.000 jährlichen Todesfälle infolge von Gebärmutterhalskrebs stehen mit Tabakkonsum in Zusammenhang.
  • Insgesamt sind rund 30 Prozent aller Krebs-Sterbefälle auf Tabakgenussmittel zurückzuführen.

Rauchen und Krebs: Ab welcher Zigarettenmenge wird es riskant?

Je mehr Zigaretten ein Raucher täglich raucht, desto höher ist sein Risiko, an Krebs zu erkranken. Zwei weitere wichtige Einflussgrößen in Hinblick auf das Krebsrisiko sind: Wie früh wurde mit dem Rauchen begonnen? Wie lange wird bereits geraucht? Das Krebsrisiko steigt zusätzlich, wenn der Rauch tief in die Lunge inhaliert wird. Lungenkrebs, Mundhöhlenkrebs und Krebs der Bronchien sind bis zu 90 Prozent durch Rauchen verursacht. An Lungenkrebs sterben 90 Prozent der Patienten innerhalb weniger Jahre, nachdem die Diagnose gestellt wurde. Jedes Jahr sterben in Deutschland bis zu 140.000 Menschen an den Folgen des Rauchens.

Krebsrisiko Hauptstromrauch und Nebenstromrauch

Nicht nur der Hauptstromrauch der Zigaretten ist riskant. Der Nebenstromrauch, der beim Glimmen der Zigarette entsteht, enthält die gleichen riskanten Substanzen. Im Nebenstromrauch liegen manche Substanzen sogar in bis zu zehnmal höherer Konzentration vor als im Hauptstromrauch.

Schätzungsweise 260 Menschen sterben an durch Passivrauchen verursachtem Lungenkrebs. Auch das Risiko für Brustkrebs ist beim Passivrauchen erhöht und sehr wahrscheinlich auch die Entstehung von Nasenhöhlenkrebs. Kinder sind durch Passivrauchen besonders gefährdet. Kinder rauchender Eltern leiden vermehrt unter Mittelohrentzündung, Bronchitis und Lungenentzündung.

Wie effektiv ist der Rauchstopp?

Der Rauchstopp lohnt sich immer. Selbst dann, wenn Sie schon viele Jahre rauchen. Krebsexperten zufolge sinkt das Erkrankungsrisiko für die meisten Krebsarten innerhalb weniger Jahre. Ein Raucher, der im Alter von 50 Jahren mit dem Rauchen aufhört, senkt sein Risiko, bis zum 75. Lebensjahr an Lungenkrebs zu erkranken, im Vergleich zu einem Raucher um etwa die Hälfte. Wer bereits mit 30 Jahren aufhört zu rauchen, hat ein Lungenkrebsrisiko, das nur wenig über dem eines Nie-Rauchers liegt. Das Level eines lebenslangen Nichtrauchers können ehemalige Raucher allerdings nicht mehr erreichen. Insbesondere bei Lungenkrebs kann ein frühzeitiger Rauchstopp so viele Todesfälle vermeiden wie bei keiner anderen Tumorart, betonen Krebsexperten.

Fünf Fakten über das Rauchen, die Sie kennen sollten

  1. Rauchen erhöht das Sterberisiko: Krebsexperten gehen davon aus, dass jeder zweite gewohnheitsmäßige Raucher vermutlich an den Folgen des Rauchens versterben wird. Das betrifft auch Raucher, die nicht stark rauchen. 
  2. Rauchen kostet Lebenszeit: Fast neuneinhalb Jahre leben Männer, die mehr als zehn Zigaretten pro Tag rauchen, im Durchschnitt weniger als Männer, die nicht rauchen, so der Krebsinformationsdienst (KID). Bei Frauen sind es siebeneinhalb Jahre. Fünf Jahre gehen verloren, wenn bis zu zehn Zigaretten pro Tag geraucht werden.
  3. Zigarettenrauch wirkt im ganzen Körper: Auch in Organen, die nicht unmittelbar mit Tabakrauch in Verbindung kommen, kann Krebs entstehen. Die krebserregenden Substanzen gelangen nach dem Einatmen ins Blut und verteilen sich im Körper.
  4. Rauchstopp merken Sie schnell: Bereits nach 20 Minuten sinken Puls und Blutdruck. Nach 12 Stunden sind alle Organe besser mit Sauerstoff versorgt und der Körper ist leistungsfähiger. Im Zeitraum von zwei Wochen bis drei Monate stabilisiert sich der Kreislauf und auch die Lungenfunktion verbessert sich.
  5. Hilfe zum Rauchstopp: Entzugssymptome können mit Nikotinpflastern oder -lutschtabletten gelindert werden. Dennoch ist das nur eine Übergangslösung, um den Ausstieg zu erleichtern. Nikotin bleibt eine schädliche Substanz. Das Gute: Die ersten zwei Wochen sind die schwierigsten. Danach fällt der Rauchverzicht immer leichter. 

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Profilbild von Ann-Kathrin Landzettel
Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel

Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.

 

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