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Expertenrat: Verschiedene Schmerzmittel kombinieren - geht das?

In Apotheken sind fünf rezeptfreie Schmerzmittel erhältlich: ASS (Acetylsalicylsäure), Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen und Paracetamol. Wie sich die einzelnen Wirkstoffe unterscheiden, worauf Sie bei der Einnahme achten sollten und ob Sie verschiedene Schmerzmittel miteinander kombinieren dürfen, weiß Dr. Ursula Sellerberg, stellvertretende Pressesprecherin und Apothekerin der Bundesapothekerkammer.

Gelbe Seiten: Frau Dr. Sellerberg, wie unterscheiden sich die verschiedenen rezeptfreien Schmerzmittel?

Alle fünf Schmerzmittel sind bei leichten bis mittelstarken Schmerzen geeignet. Die vier Schmerzmittel ASS, Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen haben eine schmerzlindernde, entzündungshemmende und fiebersenkende Wirkung. Paracetamol hingegen wirkt nicht gegen Entzündungen. Daher zählt Paracetamol auch nicht zu den sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika, kurz NSAR. Das am häufigsten verkaufte Schmerzmittel ist Ibuprofen.

Gelbe Seiten: In welchen Dosierungen sind die rezeptfreien Schmerzmittel erhältlich?

ASS-Tabletten sind bis zu einer Höchstdosis von 500 Milligramm pro Tablette rezeptfrei erhältlich. Bei Ibuprofen liegt die Tabletten-Höchstdosis in der Selbstmedikation bei 400 Milligramm, bei Diclofenac bei 25 Milligramm, bei Naproxen bei 250 Milligramm und bei Paracetamol bei 500 Milligramm. Die Schmerztabletten sind so dosiert, dass drei Mal täglich eine Tablette eingenommen werden kann, ohne die Tageshöchstdosis zu überschreiten.

Gelbe Seiten: Wann setzt die Wirkung der Schmerzmittel ein und wie lange ist die Wirkungsdauer?

Meist setzt die schmerzlindernde Wirkung nach etwa 30 Minuten ein. Bei Brausetabletten schneller, da diese rascher im Dünndarm ankommen, wo die Wirkstoffe aufgenommen werden. Die Wirkdauer von rezeptfreien Schmerzmitteln beträgt im Schnitt vier bis sechs Stunden. Es kommt aber auch immer auf die Person und die Dosierung an. Bei leichten bis mittelstarken Kopfschmerzen und Rückenschmerzen reicht oftmals schon eine Tablette aus, um die Schmerzen zu nehmen. Bei stärkeren oder länger anhaltenden Schmerzen ist in der Regel eine mehrmalige Einnahme am Tag notwendig. Bei sehr starken Schmerzen kommen Sie mit rezeptfreien Schmerzmitteln allein nicht mehr weiter. Dann brauchen Sie stärker wirksame Schmerzmittel, die Ihnen der Arzt verschreibt.

Gelbe Seiten: Verschiedene Schmerzmittel kombinieren - geht das, wenn die Schmerzen doch mal stärker sind?

Ja, grundsätzlich ist es möglich, verschiedene Schmerzmittel zu kombinieren. Es gibt beispielsweise Schmerztabletten, welche die Wirkstoffe ASS und Paracetamol enthalten. Was Sie nicht kombinieren sollten, ist Ibuprofen mit niedrig dosiertem ASS, wie es bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Daueranwendung eingenommen wird. Der Wirkstoff Ibuprofen hemmt die gefäßschützende Wirkung von ASS. Am sichersten ist es, wenn Sie bei Schmerzen die verschiedenen Schmerzwirkstoffe nicht direkt kombinieren, sondern mit zeitlichem Abstand einnehmen. Bei Kopfschmerzen beispielsweise zuerst eine Tablette mit Ibuprofen und erst wenn die Schmerzen nicht nachlassen, einen anderen Wirkstoff versuchen. Wichtig ist, dass Sie darauf achten, ausreichend Zeit zwischen den Einnahmen zu haben und die Tageshöchstdosis nicht zu überschreiten. Sonst steigt das Risiko für Nebenwirkungen. 

Gelbe Seiten: Was muss bei der Einnahme von rezeptfreien Schmerzmitteln beachtet werden?

Als wichtigste Faustregel bei der Einnahme von Schmerzmitteln gilt: Nehmen Sie Schmerztabletten ohne Absprache mit Ihrem Arzt maximal drei Tage hintereinander und an maximal zehn Tagen im Monat ein. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten, welcher Wirkstoff für Ihre Beschwerden am besten geeignet ist. Asthmatiker etwa vertragen oftmals ASS nicht so gut. Wer einen empfindlichen Magen hat, verträgt oft Paracetamol am besten. Haben Sie immer wieder Schmerzen, sprechen Sie in jedem Fall mit Ihrem Arzt. Dieser kann nicht nur die Ursache behandeln, sondern für Sie auch eine möglichst nebenwirkungsarme Medikation gegen die Dauerschmerzen zusammenstellen. So werden ergänzend zu Schmerzmitteln oft sogenannte Magenschoner verschrieben, um beispielsweise das Risiko für Magenblutungen und Magengeschwüre zu senken. Versuchen Sie außerdem, während der Einnahme von Schmerztabletten auf Alkohol zu verzichten.

Gelbe Seiten: Darf man Schmerztabletten teilen?

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, rezeptfreie Schmerztabletten zu teilen. Das können Sie bei großen Tabletten mit einem Messer tun oder die Tablette mit den Fingern zerbrechen. Besser ist ein Tablettenteiler aus der Apotheke. So verhindern Sie, dass die Tablette in ungleich große Teile zerbricht. Noch besser ist es, wenn Sie Tabletten gleich in der passenden Dosierung kaufen. Auch hier können Sie sich in der Apotheke beraten lassen. Bei einer schlanken Frau mit Regelschmerzen etwa reicht oftmals schon eine 200-Milligramm-Tablette Ibuprofen, um die Schmerzen zu lindern.

Gelbe Seiten: Ist jede Schmerztablette gefährlich für Magen, Darm und Leber?

Grundsätzlich kann man sagen, dass für gesunde Erwachsene die rezeptfreien Schmerzmittel in den angebotenen Dosierungen gut verträglich sind. Wichtig ist, dass die in der Packungsbeilage empfohlene Dosierung berücksichtigt wird und die Tabletten nicht dauerhaft eingenommen werden. Wenn Sie mal eine Schmerztablette einnehmen, sollte nichts passieren. Bei vorliegenden Erkrankungen, Allergien oder bekannten Unverträglichkeiten sollten Sie die Einnahme mit einem Arzt oder Apotheker besprechen. Eine Alternative bei Gelenk- und Muskelschmerzen sind übrigens Schmerzgele. Diese werden auf die Haut aufgetragen. Die Wirkstoffbelastung für den Körper ist bei Schmerzgelen und -salben geringer.

Gelbe Seiten: Welche Hausmittel helfen gegen Kopfschmerzen?

Wer mit Schmerzmitteln ein ungutes Gefühl hat, kann es immer zuerst auch mit Hausmitteln versuchen. Trinken Sie bei Kopfschmerzen zuerst ein großes Glas Wasser. Oftmals sind Kopfschmerzen auf Flüssigkeitsmangel zurückzuführen. Ein Spaziergang an der frischen Luft oder verdünntes Pfefferminzöl auf den Schläfen hilft oft gegen Kopfschmerzen. Bei Rückenschmerzen kann ein warmes Kirschkernkissen oder eine Wärmelampe helfen. Verspannungen lassen sich meist gut mit Bewegung und Gymnastik lockern.

Gelbe Seiten: Vielen Dank für das Gespräch Frau Dr. Sellerberg.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.
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Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
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Dr. Ursula Sellerberg ist stellvertretende Pressesprecherin und Apothekerin der Bundesapothekerkammer.
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