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Was sind Nahrungsergänzungsmittel?

Mineralstoffe, Vitamine, aber auch Protein und verschiedene pflanzliche Stoffe: Viele Menschen nehmen Nahrungsergänzungsmittel ein, um ihrer Gesundheit etwas Gutes zu tun. Nahrungsergänzungsmittel gehören zu den Lebensmitteln, nicht zu den Arzneimitteln. Wie der Name bereits sagt, sollen Nahrungsergänzungsmittel, kurz NEM, die Ernährung ergänzen. Doch nicht immer ist eine zusätzliche Zufuhr von Nährstoffen notwendig – oder gar risikofrei. Die wichtigsten Informationen zu Nahrungsergänzungsmitteln finden Sie im NEM-Ratgeber der Gelben Seiten.

Was sind Nahrungsergänzungsmittel?

Nahrungsergänzungsmittel sollen die natürliche Ernährung mit Nährstoffen in Form von Tabletten, Tropfen, Pulvern, Kapseln oder Säften ergänzen. Auch als Ampullen sind Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Viele Menschen erhoffen sich von der Einnahme eine Linderung bestimmter Beschwerden, etwa eine rasche Heilung einer Erkältung durch die Einnahme von Vitamin C und Zink, oder ein Plus für ihre Gesundheit, etwa ein verbesserter Muskelaufbau durch den Verzehr von Proteinpulver. Nahrungsergänzungsmittel, kurz NEM, füllen viele Regalreihen in Apotheken, Drogerien und Supermärkten. Die Auswahl ist riesig.

Unter anderem sind in Form von Nahrungsergänzungsmitteln erhältlich:

  • Mineralstoffe wie Magnesium, Kalzium und Kalium
  • Vitamine wie Vitamin C, Vitamin D3 oder Vitamin B12
  • Protein, oft als Pulver oder Protein-Bars erhältlich
  • Pflanzenstoffe und Kräuterextrakte, etwa Spirulina oder Curcumin, der Wirkstoff aus Kurkuma
  • Öle, etwa Fischöl zur Omega-3-Fettsäuren-Versorgung in Kapselform
  • Spurenelemente wie Eisen, Jod und Zink

Nahrungsergänzungsmittel gehören zu den Lebensmitteln

Nahrungsergänzungsmittel zählen zu den Lebensmitteln, auch wenn sie optisch vielfach an Medikamente erinnern. NEM müssen nicht wie Arzneimittel behördliche Zulassungsverfahren durchlaufen, in denen die gesundheitliche Unbedenklichkeit nachgewiesen werden muss. Für NEM gilt das Lebensmittelrecht (Lebens- und Futtermittelgesetzbuch – LFGB und die Nahrungsergänzungsmittelverordnung – NemV und nicht das Arzneimittelrecht – Arzneimittelgesetz – AMG. Nahrungsergänzungsmittel dürfen keine Heilversprechen machen, etwa, dass sie Krankheiten heilen können. Erlaubt sind Aussagen, die durch Untersuchungen belegt wurden, etwa:

  • Vitamin C trägt zur normalen Funktion des Immunsystems bei.
  • Weizenkleie trägt zur Beschleunigung der Darmpassage bei.

Nicht erlaubt sind hingegen folgende Werbeaussagen:

  • Glucosamin für gesunde Knochen und Gelenke.
  • Cranberry zur Stärkung der Blasengesundheit.

Wer kontrolliert Nahrungsergänzungsmittel?

Für die Sicherheit von Nahrungsergänzungsmitteln sind die Hersteller verantwortlich. Diese müssen ein Nahrungsergänzungsmittel lediglich beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) anmelden. Das BVL nimmt keine rechtliche oder gesundheitliche Bewertung des NEMs vor, leitet aber die Anmeldung an die obersten Lebensmittelüberwachungsbehörden der zuständigen Bundesländer weiter. Die Länder kontrollieren die Produkte dann nach bestimmten Kriterien.

Wie wirksam und sicher sind Nahrungsergänzungsmittel?

Einen Nachweis zur Wirksamkeit oder zur Sicherheit der Präparate müssen Hersteller nicht vorlegen und auch kein Zulassungsverfahren durchlaufen oder klinische Studien nachweisen, wie das bei Medikamenten der Fall ist. Entsprechend sind NEM nicht dazu bestimmt und nicht geeignet,

  • Erkrankungen vorzubeugen,
  • Erkrankungssymptome zu lindern,
  • Erkrankungen zu heilen.

Solche Versprechen von Seiten der Hersteller sind verboten. Auch sind bei Nahrungsergänzungsmitteln keine Höchstmengen festgelegt. Die Hersteller bestimmen selbst, wie hoch sie dosieren. Aus diesem Grund kritisieren Verbraucherschützer immer wieder die viel zu hohen Dosierungen, etwa von Vitaminpräparaten oder Mineralstoffpräparaten, welche die – etwa vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – empfohlenen Tageshöchstmengen teils erheblich überschreiten. Auch darf bei NEM die Mengenangabe auf der Verpackung um bis zu 50 Prozent von der tatsächlichen Menge im Produkt abweichen.

Brauche ich Nahrungsergänzungsmittel?

Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zufolge greift etwa ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland regelmäßig zu NEM-Präparaten, viele davon enthalten Mineralstoffe und Vitamine. Die Hersteller versprechen positive Effekte auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Wohlbefinden und Immunsystem. Doch oftmals ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln überflüssig.

Wie das BfR mitteilt, deuten Daten über die Nährstoffzufuhr darauf hin, dass in Deutschland nur einige wenige Vitamine und Mineralstoffe, beispielsweise Vitamin D, Kalzium, Folsäure und Jod, von manchen Bevölkerungsgruppen nicht entsprechend den Zufuhrempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE e.V.) aufgenommen werden. In Einzelfällen können NEM daher sinnvoll sein. Das gilt auch für die Supplementierung von Vitamin B12 für Veganer. Für die überwiegend gut versorgte Bevölkerung seien Nahrungsergänzungsmittel aber nicht notwendig, so das BfR. Zudem ist nicht auszuschließen, dass Verbraucherinnen und Verbraucher durch eine Nahrungsergänzung ohne ärztliche Empfehlung bestimmte Substanzen überdosieren. Für die Gesundheit ist das nicht immer unproblematisch.

Nahrungsergänzungsmittel: Wie viel von was?

Internationale wissenschaftliche Studien zeigen, dass viel nicht viel hilft. Experten raten von einer zusätzlichen, über den Bedarf hinausgehenden Aufnahme von Mikronährstoffen ab, da keine positiven gesundheitlichen Wirkungen zu erwarten sind. Im Gegenteil: Werden Präparate zur Nahrungsergänzung hoch dosiert eingenommen, steigt das Risiko für eine Überversorgung. Die EU-Regelungen für NEM und angereicherte Lebensmittel sehen daher die Festsetzung von einheitlichen Höchstmengen für diese Produkte auf EU-Ebene vor. So nennt das BfR in seinen im März 2021 aktualisierten „Höchstmengenvorschlägen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln“ unter anderem folgende Richtwerte für die genannten Beispiele:

  • Vitamin D: 20,0 μg Nahrungsergänzungsmittel (pro Tagesverzehrempfehlung eines Produkts für Jugendliche und Erwachsene.
  • Vitamin C: 250 mg Nahrungsergänzungsmittel (pro Tagesverzehrempfehlung eines Produkts).
  • Vitamin B6: 3,5 mg Nahrungsergänzungsmittel (pro Tagesverzehrempfehlung eines Produkts).
  • Vitamin B12: 25 μg Nahrungsergänzungsmittel (pro Tagesverzehrempfehlung eines Produkts).
  • Folsäure: 200 μg Nahrungsergänzungsmittel (pro Tagesverzehrempfehlung eines Produkts).
  • Kalzium: 500 mg Nahrungsergänzungsmittel (pro Tagesverzehrempfehlung eines Produkts). Bei Zusätzen von mehr als 250 mg Kalzium pro Tagesverzehrmenge zu einem einzelnen NEM wird empfohlen, auf den Verzehr eines weiteren kalziumhaltigen NEM zu verzichten.
  • Magnesium: 250 mg Nahrungsergänzungsmittel (pro Tagesverzehrempfehlung eines Produkts).
  • Eisen: 6 mg Nahrungsergänzungsmittel (pro Tagesverzehrempfehlung eines Produkts).
  • Jod: 100 μg Nahrungsergänzungsmittel (pro Tagesverzehrempfehlung eines Produkts). 150 μg Nahrungsergänzungsmittel für schwangere und stillende Frauen (pro Tagesverzehrempfehlung eines Produkts).
  • Zink: 6,5 mg Nahrungsergänzungsmittel (pro Tagesverzehrempfehlung eines Produkts).

(Die vollständige Auflistung aller Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente können Sie auf den Seiten des BfR aufrufen. Sie finden sie über die Quellenangabe am Ende des Artikels.)

Nahrungsergänzung ist nicht ungefährlich

Auch wenn Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland zu den Lebensmitteln zählen: Unkritisch und wirkungslos ist die Einnahme nicht. Zum Beispiel: Die Kräuterextrakte, die Ayurvedaexperten verabreichen und die bei uns rechtlich als Lebensmittel gelten, sind in dieser Tradition als Medizin eingeordnet. Es ist daher empfehlenswert, eine Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit einem Arzt oder einer Ärztin abzustimmen. Auch, weil Nahrungsergänzungsmittel Wechselwirkungen mit Medikamenten eingehen können. Man denke an Johanniskraut zur Beruhigung, welches die Wirkung der Anti-Babypille negativ beeinflusst.

Nahrungsergänzungsmittel: Einnahme mit dem Arzt abstimmen

Experten raten, vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln immer eine Ärztin oder einen Arzt um Rat zu fragen und abklären zu lassen, ob tatsächlich ein Nährstoffmangel vorliegt und eine Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln anzuraten ist. Ansprechpartner sind der Hausarzt oder die Hausärztin oder eine Fachärztin oder ein Facharzt für Innere Medizin (Internist). Ein Blutbild zeigt, ob möglicherweise Nährstoffmängel vorliegen. Achten Sie bei einer vom Arzt verordneten Supplementierung zudem darauf, die maximale tägliche Höchstmenge nicht zu überschreiten.

Wer am Tag nicht die empfohlene Menge an Nährstoffen gemäß den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) aufnimmt, dem droht nicht gleich ein Mangel. Wer die Nahrung über die Woche hinweg anschaut, ist meist mit wichtigen Nährstoffen gut versorgt. Werden an einem Tag weniger Nährstoffe aufgenommen, können diese bei einer gesunden und ausgewogenen Ernährung an den folgenden Tagen meist wieder in ausreichender Menge dem Körper zugeführt werden. Die Speicherfunktion des Körpers sorgt dafür, dass eine geringere Nährstoffzufuhr nicht gleich in einem Mangel endet. Ein Mangel droht dann, wenn über eine längere Zeit hinweg dem Körper wichtige Nährstoffe fehlen.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) definiert verschiedene Stadien einer Mangelversorgung. Werden dem Körper zu wenige Nährstoffe zugeführt, etwa Vitamine oder Mineralstoffe, gleicht der Körper dieses Defizit mit Hilfe der gespeicherten Reserven aus. Bleibt die Zufuhr weiterhin aus, treten unspezifische Mangelsymptome auf (subklinischer Mangel). Ist die Versorgung dann wieder gewährleistet, verschwinden die Symptome und es bleiben keine Schäden zurück. 

Bei einem manifesten Vitaminmangel schließlich treten klinisch relevante und messbare Störungen und Mangelsymptome auf. Wird der Mangel nicht behoben, können diese Symptome dauerhaft bestehen bleiben und nicht mehr rückgängig gemacht werden. Von einem manifesten Mangel können beispielsweise Menschen mit Essstörungen betroffen sein oder Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. 
Um einen Nährstoffmangel festzustellen, suchen Sie am besten Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin auf oder einen Facharzt oder eine Fachärztin für Innere Medizin (Internist). Mit Hilfe eines Bluttests kann dieser oder diese einen Nährstoffmangel feststellen und Nahrungsergänzungsmittel zum Füllen der Nährstoffspeicher verschreiben. Nehmen Sie NEM immer nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ein. Unter anderem können NEM falsch dosiert Nebenwirkungen verursachen oder in unerwünschte Wechselwirkungen mit Medikamenten treten.

Quellen:

Aktualisierte Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln. Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Endlich Klartext bei Nahrungsergänzungsmitteln. Online-Information der Verbraucherzentrale NRW e. V.

Fragen und Antworten zu nahrungsergänzungsmitteln. Verbraucher-Broschüre des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmittel. Pressemeldung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). März 2021.

Nährstoffkonzentrate und Ergänzungsnahrung. Online-Information des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Werbung mit Gesundheit - meist zu viel versprochen. Online-Information der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.
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Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
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