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Reizgallenblase: Das steckt hinter nervös bedingten Gallenproblemen

Die Reizgallenblase, umgangssprachlich Reizgalle, medizinisch Gallenwegsdyskinesie, zeigt sich durch wiederkehrende Druckgefühle, Ziehen im rechten Oberbauch bis hin zu starken Schmerzen. Bei Untersuchungen lassen sich organisch keine Auffälligkeiten feststellen. Stress gilt als ein Risikofaktor für die Reizgallenblase.

Was ist eine Reizgallenblase (Reizgalle)?

Die Reizgallenblase, auch Reizgalle genannt, erinnert von den Symptomen an eine chronisch entzündete Gallenblase (Cholezystitis). Bei der körperlichen Untersuchung kann der Arzt jedoch keine organischen Auffälligkeiten wie Gallenblasenentzündungen, Gallensteine, ein Gallenblasenkarzinom oder ähnliches feststellen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Weitere Bezeichnungen der Reizgalle sind:

  • Gallenwegsdyskinesie
  • Gallengangsdyskinesie
  • Gallenwegsbewegungsstörung
  • biliäre Dyskinesie

Reizgallenblase: Ursache Stress

Als Ursache diskutieren Ärzte – wie bei vielen anderen Beschwerden im Oberbauch – nervös-vegetativ bedingte Fehlsteuerungen, wie sie beispielsweise durch Stress und Ärger ausgelöst werden können. Dass die Gallenblase mit negativen Emotionen in Zusammenhang stehen kann, darauf deuten auch Aussagen hin wie: „Sie spuckte Gift und Galle“, „Mir kommt gleich die Galle hoch“ oder „Dem ist vor Wut die Galle übergelaufen“.

Stress kann dazu führen, dass das Zusammenspiel von Hormonen und Nerven im Gallensystem gestört ist. In Folge kann es zu schmerzhaften Fehlbewegungen (gestörte Peristaltik) und Verkrampfungen (Gallenwegsdyskinesien) der Gallenwege und der Gallenblase kommen. Dabei verursacht nicht nur die Fehlbewegung selbst Schmerzen, sondern häufig auch eine durch sie verursachte Gallenstauung oder eine zu geringe Gallenproduktion.

Reizgalle: weitere Ursachen der Reizgallenblase

Neben Stress können weitere Einflussfaktoren das Risiko erhöhen, eine chronisch gereizte Gallenblase zu entwickeln. Dazu gehören:

  • Reizmagen
  • Reizdarm
  • Magengeschwüre
  • Reflux
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • winzigste Gallensteine (Gallegries)
Verwechslung möglich
Es kann durchaus passieren, dass hinter der diagnostizierten Reizgallenblase in Wahrheit ein nicht erkanntes Gallensteinleiden steckt. Das kann passieren, wenn die Gallensteine so klein und versteckt sind, sodass sie nur schwer bei einem Ultraschall oder anderen Untersuchungen entdeckt werden können.

Reizgallenblase Symptome: So zeigt sich die gereizte Galle

Die Beschwerden der Reizgalle ähneln denen einer entzündeten Gallenblase. Neben Verdauungsstörungen wie Blähungen, Völlegefühl, Durchfall und Übelkeit kann der Bereich unter dem rechten Oberbauch unangenehm ziehen und drücken. Auch sehr schmerzhafte Gallenkoliken sind möglich. Viele reagieren nach dem Genuss von Kaffee mit Beschwerden. Auch fetthaltige Speisen werden schlecht vertragen.

Reizgallenblase behandeln: Was bei Reizgalle hilft

Die Behandlung der Reizgallenblase erfolgt auf verschiedenen Wegen. Wer stark unter Stress steht, sollte versuchen, mehr Ruhe und Pausen in seinen Alltag einzubauen. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation, Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung unterstützen die Entspannung und helfen, Stress abzubauen und Gallenbeschwerden zu lindern. Auch Sport ist gut geeignet, um Ärger, Wut und Frust zu reduzieren und die Stresshormone zu senken.

Bei Beschwerden wie Schmerzen und Übelkeit kann eine Wärmflasche helfen, die akuten Symptome der Reizgallenblase zu lindern. Ebenfalls ist es wichtig zu schauen, ob Grunderkrankungen vorliegen, welche die Reizgalle begünstigen – und diese entsprechend zu behandeln.

Richtige Ernährung bei Reizgalle

Im Bereich Ernährung tut es vielen Betroffenen gut, wenn sie auf kleinere Mahlzeiten umsteigen und ihre Verdauung dadurch entlasten. Sehr fett-, zucker- und reichhaltige Speisen sollten reduziert werden. Lebensmittel, welche die Gallenproduktion anregen, etwa Salat mit Bitterstoffen, können die Verdauung zusätzlich unterstützen. Spezielle Gallen-Tees wirken entkrampfend. Übergewicht sollte reduziert werden. Bei sehr ausgeprägtem Leidensdruck und wenn andere Maßnahmen nicht helfen, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden.

Zudem raten Experten auf eine ausreichende Ballaststoffversorgung des Körpers zu achten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, täglich 30 Gramm Ballaststoffe aufzunehmen. Laut der DGE lässt sich dieser Richtwert beispielsweise mit drei Scheiben Vollkornbrot, einer Portion Früchtemüsli, 2 bis 3 mittelgroßen Kartoffeln, zwei mittelgroßen Möhren, zwei Kohlrabi, einem Apfel und einer Portion Roter Grütze erreichen.

Abnehmen und die Galle

Wer Übergewicht vermeidet, tut seinem Gallensystem ebenfalls etwas Gutes. Aber Vorsicht: Wer abnehmen möchte, sollte dies in kleinen Schritten tun. Ein halbes Kilo pro Woche ist ein gutes Maß. Wer zu schnell Gewicht verliert, stresst das Gallensystem: Das Risiko für Gallensteine steigt, da bei zu raschem Gewichtsverlust die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit aus dem Gleichgewicht gerät.

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Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.
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Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
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