Warum Übergewicht Krebs fördert
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Warum Übergewicht Krebs fördert

Übergewicht gilt als bedeutender Risikofaktor für die Gesundheit. Nicht nur das Herz-Kreislauf-System ist in Gefahr. Auch das Risiko für verschiedene Krebserkrankungen steigt. Was genau macht zu viel Körperfett so riskant für die Gesundheit? Und warum fördert Übergewicht Krebs?

Dicksein ist heute normal

„So dick war Deutschland noch nie“ – titelt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in ihrem 13. Ernährungsbericht von 2017. 59 Prozent der Männer und 37 Prozent der Frauen sind übergewichtig, so das Fazit der Ernährungsexperten. In der Altersklasse der Berufstätigen sei das Dicksein heutzutage so weit verbreitet, dass es keine Ausnahme mehr darstelle, sondern der Normalzustand sei. Männer sind der Untersuchung zufolge besonders häufig zu dick: Am Ende ihres Berufslebens sind 74,2 Prozent übergewichtig. Bei den Frauen im gleichen Alter sind es 56,3 Prozent.

BMI

Übergewicht beziehungsweise Adipositas wird mit dem Body Mass Index (BMI) klassifiziert. Als übergewichtig  gelten Personen mit einem BMI ≥ 25. Ab einem BMI ≥ 30 sind sie adipös (fettleibig). 

Herzkrankheiten und Diabetes: Übergewicht ist ein Risikofaktor

Zu viele Kilos auf der Waage können zu einem echten Gesundheitsrisiko werden. Übergewicht begünstigt die Entstehung des sogenannten Metabolischen Syndroms. Dabei handelt es sich um eine Stoffwechselschieflage: Starkes Übergewicht geht mit Bluthochdruck sowie erhöhten Blutzucker- und Blutfettwerten einher. Jedes der vier Krankheitsbilder des Metabolischen Syndroms kann die Blutgefäße schädigen. Damit steigt bei Übergewicht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Koronare Herzkrankheit (KHK) Herzinfarkt, Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen. Auch Diabetes mellitus kann sich in Folge entwickeln.

Wegen der erhöhten Sterblichkeit der Betroffenen nennt man die am Metabolischen Syndrom beteiligten Faktoren auch „Tödliches Quartett". Schätzungen des Berufsverbandes Deutscher Internisten e.V. zufolge leiden in Deutschland etwa 30 bis 35 Prozent der Bevölkerung an einem Metabolischen Syndrom – Tendenz steigend. Hinzu kommt den Medizinern zufolge eine hohe Zahl nicht erkannter Fälle.

Übergewicht: Krebsrisiko steigt mit dem Körperfettanteil

Übergewicht birgt noch eine weitere Gefahr: Krebsexperten zufolge zählt Übergewicht neben dem Rauchen zu den bedeutendsten Krebsursachen. Mindestens 13 Krebsarten werden laut der Stiftung Deutsche Krebshilfe durch einen überhöhten Körperfettanteil begünstigt. Dazu gehören unter anderem Darmkrebs, Brustkrebs, Speiseröhrenkrebs, Nierenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Leberkrebs und Gebärmutterhalskrebs. Der Berufsverband Deutscher Internisten schätzt mit Blick auf die Daten der Amerikanischen Krebsgesellschaft, dass etwa jede dritte Krebserkrankung möglicherweise mit der Art der Ernährung zusammenhängt.

Warum Übergewicht Krebs fördert

Schon lange untersuchen Forscher, warum Übergewicht Krebs begünstigt. Als Auslöser gelten verschiedene Mechanismen. Ein Einflussfaktor ist die vermehrte Insulin-Produktion im Körper. Sowohl Übergewichtige als auch Typ-2-Diabetiker produzieren häufig große Mengen Insulin, das den Blutzuckerspiegel niedrig halten soll. Ein permanent zu hoher Blutzuckerspiegel aktiviert Rezeptoren im Körper, die das Tumorwachstum fördern.

Auch die Fettzellen tragen einen Teil zur Krankheitsentstehung bei: Sie sind stark stoffwechselaktiv. Das heißt, sie produzieren verschiedene Hormone und Botenstoffe, die unterschiedliche Stoffwechselprozesse steuern und beeinflussen. Bei starkem Übergewicht bilden die Fettzellen anstelle schützender Botenstoffe wie Adiponectin und Visfatin eher schädliche Substanzen wie Resistin. Diese schädlichen Substanzen fördern Entzündungsprozesse im Körper sowie Insulinresistenz und wirken auch auf das Immunsystem ein.

Einige dieser Botenstoffe gelten auch als Wachstumsfaktoren: Sie bringen andere Zellen unter anderem dazu, sich häufiger zu teilen. Fettzellen bilden außerdem das Sexualhormon Östrogen. Östrogene können in entsprechend empfänglichem Gewebe ebenfalls das Wachstum hormonabhängiger Tumorzellen stimulieren, also in der Brust und der Gebärmutter. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) nennt als wichtigste Ernährungsaussage zur Vermeidung von Krebs: "Nur so viel essen, dass man nicht zunimmt".

Wie Übergewicht bei Krebs die Heilungschancen verschlechtert

Auch der Verlauf einer Krebserkrankung sowie die Überlebenschancen hängen stark vom Body-Mass-Index ab. Laut der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) haben Tumorkranke mit sehr starkem Übergewicht (BMI über 40 kg/m2) ein 50 bis 60 Prozent höheres Risiko, an ihrer Krebserkrankung zu sterben als Normalgewichtige.  

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Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel

Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.

 

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