Verbrauchertäuschung: Schwarzwälder Schinken aus Dänemark
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Verbrauchertäuschung: Schwarzwälder Schinken aus Dänemark

Nicht nur Not macht erfinderisch, Geschäftssinn leider ebenso. Und so gehört die Verbrauchertäuschung zu den legalen Tricks der Lebensmittelindustrie. Doch darf der Schwarzwälder Schinken aus Dänemark stammen?

Den Konzernen lässt sich die Verbrauchertäuschung nur bedingt anlasten. Sie sind schließlich gegenüber ihren Aktionären in der Pflicht und halten sich an geltendes Recht. Weitaus eher könnte man in dieser Angelegenheit mit den Kontrollgremien von EU und Bund „ins Gericht gehen“. Wenn die legalen Schlupflöcher der Lebensmittelindustrie so groß sind, dass ein ganzer Schweinetransport durchfahren kann, schreit das nach Regelungsbedarf.

Frische Alpenmilch aus dem Flachland

Der „Schwarzwälder Schinken“ ist ein häufig zitiertes Beispiel für diese Art der Verbrauchertäuschung, die noch nicht einmal beabsichtigt sein muss. Die Annahme der Kunden, die verarbeiten Schweine hätten ihr Leben im Schwarzwald verbracht, ist dennoch mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch. Denn das Fleisch für Schwarzwälder Schinken kann aus ganz Deutschland und der EU stammen. Lediglich der Begriff „Schwarzwälder Schinken“ ist geschützt. Er beschreibt eine bestimmte Fertigung in der Schwarzwald-Region, die auch streng eingehalten und kontrolliert wird.

Beispiele dieser Art gibt es viele, etwa die frische Alpenmilch. Wie die Verbraucherzentrale Hamburg schon 2012 ermittelt hat, gehen 78 Prozent aller Befragten davon aus, dass die Kühe dieser Milch in den Alpen gehalten werden. Jeder Zweite zeigte sich sogar überzeugt, dass die Tiere an den Berghängen weiden. Dass sie auch in Ställen auf dem flachen Land leben (dürfen), damit hatten die wenigsten Verbraucher gerechnet.

Verbrauchertäuschung: Das besagt die Rechtslage

Das Lebensmittelrecht verbietet Verbrauchertäuschung ausdrücklich. So sorgen viele Vorschriften dafür, dass die Kunden nicht hinters Licht geführt werden. Beispielsweise dürfen Lebensmittel nicht in XXL-Verpackungen verkauft werden, wenn sie nur Inhalt im S-Format enthalten. Was ohnehin verboten ist, darf vom Hersteller nicht extra beworben werden. Von der Einhaltung dieser Gesetze kann der Kunde ausgehen.

Allerdings gibt es trotz aller Regelungen genügend Aussagen, bei denen Verbraucher ein falsches Bild erhalten. Schätzen Sie doch beispielsweise mal den Anteil des Champagners in einem Champagnertörtchen. So viel sei verraten: Sie könnten eher Probleme durch einen Zuckerschock bekommen als Ihre Fahrerlaubnis verlieren.

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