Expertenrat. Diabetes-Therapie:  So wird die Zuckerkrankheit behandelt
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Expertenrat. Diabetes-Therapie: So wird die Zuckerkrankheit behandelt

Menschen mit Typ-1-Diabetes müssen Insulin spritzen, damit Glukose aus dem Blut in die Zellen geschleust werden kann. Manche Typ-1-Diabetespatienten  entscheiden sich für eine Insulinpumpe. Typ-2-Diabetespatienten kommen häufig mit der Einnahme von Tabletten aus. Welche Therapie für welchen Diabetes-Typ geeignet ist, weiß Professor Baptist Gallwitz von der Deutschen Diabetes Gesellschaft.

Gelbe Seiten: Wie setzt sich die Behandlung von Diabetes mellitus zusammen?

Prof. Gallwitz: Im Wesentlichen besteht die Diabetes-Therapie aus regelmäßigen Kontrollen der Blutzuckerwerte, der Gabe von Insulin beziehungsweise Medikamenten sowie bei Typ-1-Diabetes der Berechnung der Kohlenhydrate im Essen. Das Ziel der Therapie ist immer, den Blutzucker im Gleichgewicht zu halten und eine Unter- beziehungsweise Überzuckerung zu vermeiden. Damit das gelingt, wird dem Diabetespatienten vom Arzt das Insulin und oder die Diabetesmedikation verschrieben und der Patient wird vom Diabetes-Team bezüglich der Stoffwechselselbstkontrolle, der Dosis-Anpassung des Insulins und der Medikamente, zu Ernährung, Unterzuckerungen und zum Diabetes strukturiert geschult. Das heißt, es wird geschaut, welche Medikamente oder Insuline für ihn geeignet sind. Die Therapie wird für jeden Patienten ganz individuell gewählt und muss für ihn und vor allem für seine Lebenssituation und seine Begleiterkrankungen bezüglich des optimalen Therapieziels, Therapiesicherheit  und Durchführbarkeit passen.

Gelbe Seiten: Wie wird der Blutzuckerwert ermittelt?

Prof. Gallwitz: Hier gibt es verschiedene Verfahren. Die am häufigsten angewendete Möglichkeit ist die direkte Blutzuckermessung, bei der sich der Patient in die Fingerbeere sticht und den so gewonnenen Blutstropfen in ein Messgerät gibt, welches dann den Blutzuckerwert ermittelt. Vor allem für Patienten mit Typ-1-Diabetes und Patienten, die mehrmals täglich Insulin spritzen oder eine Insulinpumpe tragen, gibt es Möglichkeiten der kontinuierlichen Glukose-Messung im Unterhautgewebe. Eine ist das Flash Glucose Monitoring, kurz FGM, die andere das sogenannte Continuous Glucose Monitoring (CGM).  Das FGM-System arbeitet mit einem meist am Oberarm getragenen Sensor, der nach Bedarf mit einem kontaktlosen Scanner ausgelesen werden kann. Vorteil von FGM ist, dass der Sensor nicht geeicht werden muss. Nachteil ist, dass er bei Unterzuckerungen oder Stoffwechselentgleisungen kein Warnsignal gibt. Beim CGM wird auch ein Sensor getragen, dieser wird durch Blutzuckermessungen geeicht und er kann Alarme bei zu niedrigen und zu hohen Werten abgeben. Die Sensoren können auch mit einer Insulinpumpe zum Teil gekoppelt werden. Egal für welche Methode man sich entscheidet: Schulungen sind wichtig, um Messfehler und damit einhergehende Komplikationen zu vermeiden.

Gelbe Seiten: Wie wird dem Diabetespatienten nach der Blutzucker-Messung das Insulin verabreicht?

Prof. Gallwitz: Typ-1-Diabetespatienten  müssen Insulin spritzen. Meist kommt hierfür ein Pen zum Einsatz. Das ist ein stiftähnliches Gerät mit einer kleinen Nadel, das über einen Dosierknopf Insulin abgibt. Manche tragen eine Insulinpumpe, die über einen dünnen Katheter am Bauch oder Rumpf konstant Insulin in das Unterhautfettgewebe abgibt. Bei Bedarf kann über die Pumpe per Bedienfeld die Dosis angepasst werden. Typ-2-Diabetikespatienten  reichen oftmals Medikamente zur Blutzuckersenkung. In der Regel kommt das Antidiabetikum Metformin als erstes Medikament zum Einsatz. Es greift in den Zuckerstoffwechsel ein. Im Laufe der Therapie kann es aber sein, dass der Patient noch weitere Blutzuckersenker oder auch Insulin braucht. Neben den Medikamenten ist es bei Diabetes Typ 2 vor allem wichtig, dass der Lebensstil angepasst wird. Das heißt: Mehr Bewegung, Übergewicht abbauen, zucker- und fettarm essen. Das kann die Insulinwirkung deutlich verbessern und einen beginnenden Typ-2-Diabetes manchmal sogar zurückdrängen. 

Gelbe Seiten: Vielen Dank für das Gespräch.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.
AL
Ann-Kathrin Landzettel
Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
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