Gesünder Leben
Was tun bei Zahnschmerzen in der Nacht?
© Tero Vesalainen/ iStock / Getty Images Plus
Profilbild von Ann-Kathrin Landzettel
Ann-Kathrin Landzettel
Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel
Letztes Update am: 

Was tun bei Zahnschmerzen in der Nacht?

Erst zieht es leicht, dann pocht der Zahn: Zahnschmerzen in der Nacht sind quälend – und die Zahnarztpraxen haben geschlossen. Wie lässt sich das Zahnweh an besten lindern? Was Sie bei Zahnschmerzen in der Nacht tun können und wohin Sie sich bei sehr starken Zahnbeschwerden wenden können.

Warum kommen Zahnschmerzen nachts?

Zahnschmerzen treten oft in der Nacht auf und werden nachts zudem häufig als quälender empfunden als tagsüber. Das hat mehrere Gründe:

  • Tagsüber ist man abgelenkt. Zieht es leicht im Zahn, bemerkt man das oft nicht. Nachts fehlen die äußeren Einflüsse und man konzentriert sich stärker auf den eigenen Körper.
  •  Zahnschmerzen werden im Liegen stärker, da sich die Blutverteilung verändert: Während im Stehen viel Blut in den Beinen ist, nimmt der Blutdruck im Kieferbereich im Liegen zu. Die Liegeposition erzeugt einen stärkeren Druck im Nerven- und Blutgefäßgeflecht.
  • Im Bett ist die Umgebungstemperatur wärmer. Durch die Wärme im Bett dehnt sich entzündetes Gewebe aus und die Zahnschmerzen nehmen zu.
  • Eine verstärkte Durchblutung sowie Wärme fördern das Bakterienwachstum und Entzündungsreaktionen im Zahn. Das verstärkt den Zahnschmerz.
  • Nachts wird weniger Cortisol gebildet. Das Stresshormon hemmt das Schmerzempfinden am Tag.  

Was tun gegen starke Zahnschmerzen in der Nacht? Drei akute Zahnweh-Tipps

Bei Zahnschmerzen in der Nacht können Ihnen drei Akut-Tipps helfen, die Zeit bis zum Öffnen der Zahnarztpraxis zu überbrücken:

  1. Nehmen Sie eine Schmerztablette. Der Wirkstoff Ibuprofen wirkt entzündungshemmend, schmerzlindernd und fiebersenkend. Ähnlich wirkt Diclofenac. Paracetamol wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend. Auf Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin) sollten Sie verzichten. ASS hemmt die Blutgerinnung und erhöht die Blutungsneigung. Sollte bei Ihnen eine größere Zahnbehandlung anstehen oder hatten Sie einen Zahneingriff, ist das ungünstig.
  2.  Liegen Sie mit dem Kopf leicht erhöht. Dann sammelt sich nicht so viel Blut im Kopf und der Druck ist geringer. Das entlastet den kranken Zahn und lindert die Schmerzen.
  3.  Haben Sie eine Kühlkompresse im Gefrierfach? Dann probieren Sie es mit diesem Zahnschmerz-Hausmittel. Wickeln Sie diese in ein Tuch und legen Sie sie auf die betroffene Wange. Durch die Kälte ziehen sich die Blutgefäße zusammen. Das wirkt schmerzlindernd. Auch die Entzündungsreaktion kann so bis zu einem gewissen Grad eingedämmt werden. Wichtig: Legen Sie das Kühlpad nie ohne Tuch auf die Haut, um Erfrierungen der haut zu vermeiden.

In der Nacht Zahnschmerzen: Hausmittel, die helfen können

Auch die folgenden drei Hausmittel gegen Zahnschmerzen in der Nacht können Ihnen möglicherweise Linderung verschaffen:

Zahnschmerz-Hausmittel Gewürznelke

Das bekannteste Hausmittel bei Zahnschmerzen ist vermutlich die Gewürznelke. Die in Gewürznelken enthaltenen ätherische Öle, besonders Eugenol, wirken betäubend und lindern die Zahnschmerzen. Die Nelke sollte in der Nähe des betroffenen Zahns zerbissen werden. Allerdings geben Zahnärzte den Hinweis, dass Eugenol nicht nur betäubend wirkt, sondern in seltenen Fällen sogar den Zahnnerv abtöten kann. Nelken bei Zahnschmerzen sollten daher mit Vorsicht angewendet werden. Tasten Sie sich vorsichtig heran.

Zahnschmerz-Hausmittel Salbeitee

Salbei wirkt entzündungshemmend und kann entzündungsbedingte Beschwerden, etwa am Zahnfleisch, lindern helfen. Sie können den Tee trinken oder gezielt als Gurgellösung verwenden. Auch Kamillentee wirkt beruhigend und entzündungshemmend.

Zahnschmerz-Hausmittel Salz

Salz ist ein Hausmittel gegen Zahnschmerzen, das jeder zuhause hat. Wie wirksam es ist, ist abhängig von der Intensität der Schmerzen. Ein Versuch ist das Gurgeln einer Salzlösung im Notfall aber allemal wert. Mischen Sie sich eine hoch konzentrierte Salzlösung an und behalten Sie diese ein bis zwei Minuten im Mund. Spucken Sie diese dann aus. Wiederholen Sie die Salz-Behandlung im Bedarfsfall erneut.

Zahnschmerzen nachts: Muss ich zum Zahnarzt?

Zahnschmerzen in der Nacht sind ein Zeichen, dass im Mund etwas nicht stimmt: Entweder ist ein Zahn, das Zahnfleisch oder der Zahnhalteapparat betroffen. Wichtig ist, dass die Ursache rasch erkannt und behandelt wird, um weiteren Schäden vorzubeugen. Gehen Sie daher so rasch wie möglich zu einem Zahnarzt, wenn bei Ihnen nachts Zahnschmerzen auftreten.

In folgenden Situationen können Sie mit Zahnschmerzen in der Nacht wenige Tage abwarten (sofern die Schmerzen nur leicht sind):

Sie sind erkältet. Bei Schnupfen beziehungsweise einer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) schwellen die Schleimhäute in der Nase an. Zudem verstopft Sekret die Nebenhöhlen. Das erhöht den Druck – auch auf die Zähne, da anatomisch alles eng beieinander liegt.

Zahnschmerzen bei Schnupfen betreffen daher den Oberkiefer, meist die hinteren Backenzähne. Sind Sie erkältet und haben Zahnschmerzen in der Nacht, können Sie abwarten, ob das Zahnweh mit abklingen der Erkältung verschwindet. Wenn nicht: Gehen Sie zum Zahnarzt.

Sie hatten eine Zahnbehandlung. Nach einer Zahnbehandlung ist es nicht ungewöhnlich, dass der Zahn noch einige Zeit schmerzt. Denn die Behandlung reizt die empfindlichen Zahnnerven, möglicherweise wurden sie auch verletzt. Es dauert, bis sie sich wieder beruhigen und der Zahnschmerz nachlässt.

Zahnärzte wissen das und empfehlen Patienten nach einer Behandlung daher häufig, für eine gewisse Zeit Schmerzmittel einzunehmen. Lassen die Schmerzen nach zwei bis drei Tagen nicht nach oder sind sie direkt nach der Zahnbehandlung sehr stark, rufen Sie auf jeden Fall Ihren Zahnarzt an. Nehmen Sie auch dann Kontakt zu Ihrem Zahnarzt auf, wenn nach der Behandlung vermehrte Blutungen, Fieber, Taubheitsgefühle und Kribbeln im Gesicht sowie andere Beschwerden auftreten.

Sie sind gestresst. Dann kann es sein, dass Sie nachts mit den Zähnen knirschen oder die Zähne fest aufeinanderpressen (Bruxismus). Der starke Druck auf die Zähne kann Zahnschmerzen auslösen. Entspannungsübungen und bewusstes Lockerlassen des Unterkiefers kann dann helfen.

Achten Sie auch tagsüber auf Ihre Kieferstellung. Ist der Kiefer entspannt, berühren sich die oberen und unteren Zahnreihen nicht. Bei anhaltendem Bruxismus sollten Sie auf jeden Fall einen Zahnarzt oder Kieferorthopäden aufsuchen. Dieser kann Ihnen eine Aufbissschiene für die Nacht anfertigen, um den Druck von den Zähnen zu nehmen und diese so zu entlasten.

Wohin bei Zahnschmerzen in der Nacht?

Bei stechenden und sehr starken Zahnschmerzen sollten Sie nicht abwarten, sondern sofort am nächsten Morgen bei Ihrem Zahnarzt anrufen und einen Termin vereinbaren. Bei Zahnschmerzen können Sie nach dem Anruf meist direkt in die Zahnarztpraxis kommen. Sind die Zahnschmerzen in der Nacht so stark, dass Sie es nicht mehr aushalten oder nach einer operativen Zahnbehandlung Blutungen oder andere Komplikationen auftreten, sollten Sie sich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 wenden. Dort können Sie erfragen, zu welchem Zahnarztnotdienst in Ihrer Nähe Sie sich mit den Zahnschmerzen wenden können. Auch regionale ärztliche Notdienste helfen weiter, wenn Sie am Wochenende oder in der Nacht Zahnschmerzen haben.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.
Profilbild von Ann-Kathrin Landzettel
Ann-Kathrin Landzettel
Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
Ann-Kathrin Landzettel
Wie finden Sie diesen Artikel?