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Soja-Allergie: Wenn die Sojabohne für den Körper zum Risiko wird

Die Sojabohne hat ein hohes Allergiepotenzial. Viele Menschen reagieren auf Sojaprodukte wie Sojamilch, Sojajoghurt und Tofu allergisch. Es ist das in der Sojabohne enthaltene Eiweiß, auf das das Immunsystem überempfindlich reagiert. Die wichtigsten Fakten zur Sojaallergie.

Die Sojabohne gehört zur Familie der Hülsenfrüchte. Da Soja vielfältig einsetzbar ist, ist die Pflanze aus der Nahrung kaum mehr wegzudenken. Selbst wer nicht bewusst Soja konsumiert, etwa in Form von Tofu, Sojamilch, Sojajoghurt oder Sojasoße, wird über seine Nahrungsmittel mit der Bohne früher oder später in Kontakt kommen.

Kritisch für Allergiker: Die Sojabohne versteckt sich in vielen Lebensmitteln

Sojaöl findet sich zum Beispiel in vielen Margarinen, in Süßwaren, Gebäck und sogar in Kosmetikprodukten; Sojaeiweiß beispielsweise in so manchen Wurstprodukten; Sojamehl in vielen Backwaren. Sojamehl kann nicht nur allergische Reaktionen auslösen, wenn es gegessen wird, sondern auch wenn man es einatmet. Diese „versteckten“ Sojabohnen sind vor allem für Allergiker ein Risiko. Schätzungsweise 0,3 Prozent der Menschen in Europa sind von einer Sojaallergie betroffen, wie das European Centre for Allergy Research Foundation (ECARF) mitteilt.

Ursachen der Sojaallergie: sekundäre Nahrungsmittelallergie

Die pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie ist die häufigste Form der Sojaallergie. Hierbei handelt es sich um eine sekundäre Nahrungsmittelallergie. Das heißt, die Betroffenen reagieren ursprünglich auf Pollen von Erle, Birke oder Hasel allergisch. Da das Sojaallergen „Gly m 4„ den Eiweißen der Baumpollen – insbesondere dem Hauptbirkenpollenallergen „Bet v 1“ gleicht, reagieren die Antikörper auch bei Soja. 

Ursache der Sojaallergie: primäre Nahrungsmittelallergie

Doch es ist auch möglich, dass die Betroffenen der Sojaallergie nicht indirekt über eine vorliegende Pollenallergie auf Soja reagieren, sondern Soja direkt nicht vertragen. Allergologen sprechen dann von einer primären Nahrungsmittelallergie. Bei dieser kommt es durch den Verzehr von Sojaprodukten zu einer Sensibilisierung auf sogenannte Sojaspeicherproteine mit der Allergenbezeichnung „Gly m 5“ und „Gly m 6“ über den Darm.

Diese primäre Allergieform der Sojaallergie ist bei Kindern häufiger zu finden als bei Erwachsenen. Soja gehört neben Milch- und Hühnereiweiß, Weizen, Erd- und Baumnüssen zu den häufigsten Auslösern einer Nahrungsmittelallergie bei Kindern und Jugendlichen, so das ECARF. Die gute Nachricht: Bei vielen Kindern „wächst“ die Allergie heraus. Das heißt, sie verschwindet spontan bis zum zehnten Lebensjahr. Allergologen raten daher, in regelmäßigen Abständen einen Allergietest durchführen zu lassen, um zu schauen, ob die Sojaallergie noch besteht oder nicht.

Häufig reagieren Menschen mit einer Soja-Allergie auch auf andere Hülsenfrüchte allergisch.

Kreuzallergien: Wer auf Soja reagiert verträgt oft auch Erbsen nicht

Da die Sojabohne zur Familie der Hülsenfrüchte gehört, ist es möglich, dass Sojaallergiker mit einer primären Nahrungsmittelallergie Kreuzreaktionen auf andere Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen oder Erdnüsse aufzeigen. Außerdem leiden viele Menschen mit einer sekundären, birkenassoziierten Nahrungsmittelallergie unter Beschwerden beim Verzehr von:

  • Kern- und Steinobst wie Äpfel und Kirschen
  • Gemüse wie Sellerie und Karotten
  • Haselnuss

Sojaallergie Symptome: So zeigt sich die Allergie gegen Sojaprodukte

Die Sojaallergie kann leichte, aber auch heftige allergische Reaktionen hervorrufen. Der Mundbereich und die Atemwege können ebenso betroffen sein wie das Verdauungssystem und die Haut. Zu den Symptomen der Sojaallergie gehören:

  • juckende Schleimhäute im Mund- und Rachenbereich
  • Schwellungen im Mund- und Rachenbereich
  • Übelkeit
  • Bauchschmerzen
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Blähungen
  • juckende und gerötete Haut
  • Neurodermitis-Schübe
  • Ausschläge
  • allergischer Schnupfen
  • allergisches Asthma

Die stärkste allergische Reaktion ist der lebensgefährliche anaphylaktische Schock mit Atemnot und Kreislaufstillstand. Laut dem ECARF steigt das Risiko eines anaphylaktischen Schocks, wenn Betroffene einer Soja-Allergie größere Mengen eines eiweißreichen, gering verarbeiteten Sojaprodukts schnell zu sich nehmen – zum Beispiel in Form von Sojagetränken oder Sojaproteinpulver in Shakes.

Wer weiß, dass er auf geringe Mengen Soja mit starken allergischen Reaktion rechnen muss, sollte immer ein Notfall-Set dabeihaben. Es enthält Adrenalin, Kortison und ein Antihistaminikum. Wie es anzuwenden ist, erklärt der Arzt.

Sojaallergie: Diagnose der Allergie gegen Sojabohnen

Wer den Verdacht hat, dass bei ihm eine Soja-Allergie vorliegt, sollte einen Allergologen aufsuchen. Sinnvoll ist es zudem, ein Ernährungstagebuch zu führen und darin zu notieren, was man isst und wann welche Beschwerden auftreten. Das erleichtert es dem Arzt, eine mögliche Allergie einzugrenzen. Weitere Hinweise auf eine Allergiebereitschaft lassen sich mit Hilfe verschiedener Tests, darunter Bluttests und Hauttests, erlangen.

Der Provokationstest kommt meist zum Einsatz, um die Ergebnisse der Blut- und Hauttests zu bestätigen. Beim Provokationstest bekommt der Patient unter ärztlicher Aufsicht geringe Mengen des in Verdacht stehenden Allergens zugeführt. So kann der Arzt feststellen, ob es tatsächlich das Sojaprotein ist, auf das sein Patient reagiert.

Sojaallergie behandeln: Welche Therapien gibt es?

Die Sojaallergie als solche lässt sich nicht behandeln oder heilen. Die einzige Möglichkeit, die Betroffene haben, ist Soja zu vermeiden (Karenz). Für die Ernährungsumstellung ist es hilfreich, eine Ernährungsberatung zu besuchen. Hier erfahren Betroffene, wo sich Soja überall verstecken kann und wie sie die „Soja-Fallen“ am besten umgehen.

Außerdem erfahren sie, welche Soja-Produkte mit einem erhöhten Allergierisiko verbunden sind und welche möglicherweise in geringen Mengen vertragen werden. Während Sojadrinks, Tofu und Sojaflocken meist bereits in geringen Mengen Probleme bereiten, können bei einer Soja-Allergie Sojasoße, geröstete Sojabohnen und Misosuppe häufig ohne Beschwerden verzehrt werden, da das Allergen „Gly m 4“ durch Erhitzen und Fermentieren zerstört wird. Das Allergen „Gly m 4“ ist das Allergen, auf das Betroffene mit einer pollenassoziierten Sojaallergie reagieren.

Vorsicht: Soja in Arzneimitteln

Wie das ECARF warnt, können auch Arzneimittel Sojabestandteile enthalten, zum Beispiel das Narkosemittel Propofol. Deshalb sollten Patienten mit einer nachgewiesenen Soja-Allergie ihre behandelnden Ärzte über die Allergie informieren, so der Rat der Experten.

Soja-Allergie vorbeugen: Zutatenliste gründlich lesen

Um  Soja vermeiden zu können, ist es wichtig, die Soja-Fallen zu kennen. In der Zutatenliste von Lebensmitteln versteckt sich Soja hinter vielen Bezeichnungen:

  • Edamame
  • Kinako
  • Miso
  • Natto
  • Okara
  • Shoyu
  • Tamari
  • Tempeh
  • Tofu
  • TVP (Textured Vegetable Protein=Fleischersatz)
  • E 322 Lecithin (Soja)
  • E 426 Sojabohnen-Polyose
  • Yuba

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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