Diese Hormone bildet die Schilddrüse

Eine gesunde Schilddrüse wiegt bei Erwachsenen zwischen 20 und 60 Gramm. Mit Hilfe des Spurenelements Jod und Eiweiß bildet die kleine Drüse lebenswichtige Hormone, die sie ins Blut abgibt:

  • Tetrajodthyronin (Thyroxin, T4)
  • Trijodthyronin (T3)
  • Kalzitonin

Tetrajodthyronin wird in Trijodthyronin umgewandelt. Die richtige Menge dieser beiden Hormone ist entscheidend für einen reibungslosen Ablauf verschiedener Körpervorgänge. T4 und T3 beeinflussen neben dem Stoffwechsel das Wachstum, die Psyche und den Kreislauf. Kalzitonin ist am Kazium- und Knochenstoffwechsel beteiligt. Sind zu viele Schilddrüsenhormone vorhanden, gehen alle Körpervorgänge beschleunigt vonstatten. Gibt es zu wenige Schilddrüsenhormone, verlangsamen sich die Abläufe im Körper. Die in der Schilddrüse gebildeten Hormone regeln somit den Rhythmus des Körpers.

Wer steuert die Schilddrüse?

Die Bildung und die Freisetzung der Schilddrüsenhormone wird über das Gehirn stimuliert. Zwei Bereiche im Gehirn spielen hierbei eine bedeutende Rolle: die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und der Hypothalamus. Die Hirnanhangsdrüse setzt TSH (Thyreoidea-Stimulierendes Hormon) frei, das zum einen die Produktion von T4 und T3 anregt und zum anderen reguliert, wie viel Hormon aus der Schilddrüse ins Blut abgegeben wird. Der Hypothalamus wiederum kontrolliert die TSH-Freisetzung der Hypophyse mit Hilfe von TRH (Thyreotropin-Releasing Hormon).

Was bewirken die Schilddrüsen-Botenstoffe im Körper?

Die Schilddrüsenhormone haben unter anderem Einfluss darauf,

  • wie schnell das Herz schlägt,
  • wie schnell oder langsam die Verdauung abläuft,
  • wie gut die Muskeln arbeiten können,
  • wie viel oder wenig wir schwitzen,
  • ob wir frieren oder uns ständig warm ist,
  • ob wir wach und aufmerksam sind oder müde und antriebslos,
  • ob wir gut schlafen können oder nicht.

Darüber hinaus beeinflussen die Hormone den Kalzium- und Phosphatspiegel im Körper.  Diese Salze befinden sich fast überall im Körper, zum Beispiel in den Knochen und in den Muskeln. Kalzium finden wir auch im Blut. Es ist wichtig für die Blutgerinnung und für die Nerven. Viele kleine Vorgänge im Körper hängen von Kalzium und Phosphat ab: zum Beispiel ob ein Reiz von einem Nerv weitergegeben werden kann oder ob bestimmte Eiweiße im Körper - sogenannte Enzyme - gerade ruhen oder aktiv sind. Auch für eine gesunde Entwicklung des Gehirns sind Schilddrüsenhormone unverzichtbar. 

Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose): Was passiert, wenn die Schilddrüse zu viel arbeitet?

Wenn die Schilddrüse zu viele Botenstoffe herstellt, bekommt man das zu spüren. Man schwitzt viel, hat warme und feuchte Haut. Manche Menschen bekommen auch zitternde Hände, finden keinen Schlaf und sind gereizt. Durch zu viele Schilddrüsenhormone fühlt man sich aufgeregt und unruhig. Das Herz schlägt schneller als gewöhnlich. Auch die Verdauung ist beeinflusst. Man kann Durchfall bekommen. Obwohl man Heißhunger hat und viel isst, nimmt man nicht zu. Der Körper verbraucht die ganze Energie. Die Körpertemperatur kann ansteigen, man kann Schweißausbrüche bekommen und verträgt eine warme Umgebung nur noch schlecht. Meist vergrößert sich bei einer Schilddrüsenüberfunktion zudem die Schilddrüse.

Welche Ursachen gibt es für zu viele Schilddrüsenhormone?

Eine Ursache für eine Überfunktion der Schilddrüse stellt das Abwehrsystem des Körpers dar. Bei der Autoimmunerkrankung Morbus Basedow beispielsweise bildet der Körper aufgrund einer überschießenden Immunreaktion Antikörper gegen körpereigenes Gewebe. Diese Antikörper aktivieren die auf den Schilddrüsenzellen liegende Rezeptoren, was zu einer unkontrollierten Produktion und Abgabe großer Mengen T4 und T3 führt. Bei dieser Art der Schilddrüsenüberfunktion können sich auch die Augen verändern: Der äußere Teil der Augenbrauen kann geschwollen sein. Der Lidschlag kann seltener werden. Man kann die Augen häufig nicht mehr so gut bewegen.

Eine andere Ursache für zu viele Schilddrüsenhormone kann ein unabhängig arbeitender Bereich im Gewebe der Schilddrüse sein. Dieser Bereich reagiert nicht mehr auf die steuernden Botenstoffe, sondern stellt eigenständig Botenstoffe her. Ärzte sprechen dann von einem autonomen Bereich oder von "heißen" Knoten.

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Was passiert, wenn die Schilddrüse zu wenig arbeitet?

Bei einer Schilddrüsen-Unterfunktion sind zu wenige Schilddrüsenhormone vorhanden. Wenn Schilddrüsenhormone im Körper fehlen, hat das vielfältige Folgen. Zum Beispiel ist man körperlich nicht mehr so leistungsfähig wie vorher. Man denkt langsamer, ist müde und hat nicht viel Energie. Die Haut kann kühl und trocken sein. Man friert schneller und nimmt an Gewicht zu. Der Herzschlag verlangsamt sich und auch der Blutdruck sinkt. Die Stimme kann sich ebenfalls verändern. Sie wird rau und heiser. Ist die Verdauung betroffen, ist vor allem Verstopfung ein Problem.

Welche Ursachen gibt es für zu wenige Schilddrüsenhormone?

Die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion ist eine zugrunde liegende Autoimmunerkrankung, wie das zum Beispiel bei Hashimoto-Thyreoiditis der Fall ist. Das Immunsystem bildet Antikörper, welche sich gegen das Schilddrüsengewebe richten und dieses zerstören. Die Folge ist eine chronische Entzündung des Organs. Schilddrüsenhormone können nur noch unzureichend gebildet werden.

Vergrößerte Schilddrüse: Was, wenn die Schilddrüse zu groß ist?

Die Schilddrüse kann sich zudem vergrößern. Eine häufige Ursache dafür ist ein Mangel an Jod. Auch durch eine Unterfunktion oder eine Überfunktion kann sich die Schilddrüse vergrößern. Eine vergrößerte Schilddrüse nennt man Kropf oder Struma. Sie ist meist gut von außen am Hals erkennbar.

Da die Schilddrüse vor der Luftröhre liegt, kann es passieren, dass die vergrößerte Drüse auf die Luftröhre drückt und Beschwerden verursacht. In einer vergrößerten Schilddrüse können sich zudem Bereiche bilden, die sich nicht mehr von den steuernden Botenstoffen aus dem Gehirn beeinflussen lassen. 

Jod - das besondere Salz

Die Schilddrüse braucht ein besonderes Salz, um ihre Hormone bilden zu können: Jod. Um den Jodbedarf zu decken, ist die Verwendung von Jodsalz empfehlenswert. Auch viele Großküchen und die Lebensmittel-Industrie verwenden Jodsalz. Viele Bäcker backen ihr Brot mit Jodsalz. Fisch ist ebenfalls reich an Jod. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, zweimal in der Woche Fisch zu essen. Schwangere und stillende Frauen brauchen mehr Jod. Um den täglichen Jodbedarf zu decken, verschreibt der Frauenarzt entsprechende Jod-Tabletten. So kann sich das Kind im Mutterleib gesund entwickeln.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Ann-Kathrin Landzettel
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