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Hyperkalzämie: Wenn zu viel Calcium im Blut ist

Enthält das Blutserum zu viel Calcium, spricht man von einer Hyperkalzämie. Häufig stecken Tumor- und Stoffwechselerkrankungen hinter dem zu hohen Calcium-Wert. Welche Symptome typisch sind und wie die Behandlung von Hyperkalzämie aussieht, erfahren Sie hier.

Allgemeine Symptome von Hyperkalzämie

Ist der Calcium-Wert nur leicht erhöht, machen sich oft gar keine Beschwerden bemerkbar. Ist die Calcium-Konzentration dagegen deutlich zu hoch, können verschiedene Symptome auftreten.

Auch die Dauer spielt eine Rolle: Steigt der Wert innerhalb kurzer Zeit, ist auch eine leichte Erhöhung des Calcium-Spiegels im Blut bemerkbar. Dauert der Prozess länger, bemerken Patienten mitunter auch bei höheren Werten keine Verschlechterung ihres Zustands.

Anzeichen für zu viel Calcium im Blut sind unter anderem:

  • Herzrhythmusstörungen
  • verminderte Leistungsfähigkeit und Muskelschwäche
  • Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit
  • Verstopfung (Obstipation)
  • Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Nervosität
  • Kopfschmerzen
  • Steigerung der Urinmenge (Polyurie)
  • Nierensteine (Nephrolithiasis) und andere Nierenschäden

Symptome einer hyperkalzämischen Krise

Entwickelt sich die Hyperkalzämie in kurzer Zeit und steigt die Gesamtkonzentration des Calciums im Blut auf über 3,5 Millimol pro Liter (mmol/l) an, kann eine hyperkalzämische Krise entstehen, die in etwa der Hälfte aller Fälle tödlich verläuft. Eine Behandlung im Krankenhaus ist deshalb dringend notwendig.

Betroffene zeigen Symptome wie:

  • Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand
  • Fieber
  • Austrocknung (Exsikkose)
  • starke Urinausscheidung (Polyurie)
  • krankhaft gesteigertes Durstgefühl (Polydipsie)
  • Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma

Eine hyperkalzämische Krise kann lebensgefährlich sein. Sie gilt als medizinischer Notfall und muss umgehend im Krankenhaus behandelt werden.

Ursachen für zu viel Calcium im Blut

Eine Hyperkalzämie kann unterschiedliche Ursachen haben. In den meisten Fällen sind bereits bestehende Erkrankung für den erhöhten Calcium-Wert verantwortlich. Zu den Hauptursachen zählen:

  • Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus): Bei dieser Erkrankung wird der Calcium-Stoffwechsel durch eine vermehrte Hormonausschüttung gestört – ganz konkret durch das Parathormon (PTH).
  • Bösartige Tumore: Bei Knochenmetastasen kommt es zum Knochenabbau; dieser Vorgang setzt Calcium frei. Andere Tumorarten produzieren Stoffe, die zu einer vermehrten Calciumaufnahme aus den Knochen führen können – zum Beispiel ein dem körpereigenen Parathormon verwandtes Protein.

Eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus) kann eine Hyperkalzämie auslösen.

Auch diese Krankheiten können Ursache einer Hyperkalzämie sein:

  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • Akromegalie – eine hormonell bedingte Wachstumsstörung
  • Sarkoidose (Morbus Boeck) – eine entzündliche Erkrankung des Bindegewebes
  • Hypophosphatasie (HPP) – eine erbliche Störung im Knochenstoffwechsel
  • Hyperproteinämie – ein Überschuss an Eiweißen im Blut
  • Familiäre hypokalziurische Hyperkalzämie (FHH) – erbliche Störung des Mineralstoffwechsels

Darüber hinaus gibt es noch äußere Faktoren, die den Calcium-Wert in die Höhe treiben können:

  • plötzliche Bettlägerigkeit (Immobilisation)
  • erhöhte Aufnahme von Vitamin A
  • erhöhte Aufnahme von Vitamin D
  • Nebenwirkungen von Medikamenten – Lithium oder Thiazide beispielsweise hemmen die Calciumausscheidung über die Niere.
  • Überdosis Calcium-Tabletten

Deshalb sollten Nahrungsergänzungsmittel immer nur in Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. Nur sehr selten ist eine Ernährung mit calciumreichen Lebensmitteln die Ursache für eine Hyperkalzämie.

So wird eine Hyperkalzämie diagnostiziert

Die Diagnose eine Hyperkalzämie erfolgt auf zwei Wegen:

  • Anamnese: Im Gespräch erfragt der Arzt zum Beispiel, ob der Patient bestimmte Medikamente einnimmt, die eine Hyperkalzämie auslösen können oder bestimmte Vorerkrankungen bekannt sind.
  • Blutuntersuchung im Labor: Der Arzt misst den Calcium-Spiegel im Blutserum. Wichtig ist auch die Messung des Parathormons. Der Wert kann unter anderem Aufschluss über eine mögliche Nebenschilddrüsenüberfunktion geben.
  • Urinproben zur Beobachtung der Calcium-Ausscheidung.
  • Untersuchung auf Tumore, falls ein entsprechender Verdacht besteht.

Um eine Hyperkalzämie sicher feststellen zu können, ist eine Blutuntersuchung beim Arzt nötig.

Therapie bei erhöhtem Calcium-Wert

Bei der Therapie der Hyperkalzämie kommt es auf die Schwere der Erkrankung an. Ist der Calcium-Wert nur leicht erhöht, sollten Sie calciumreiche Lebensmittel wie zum Beispiel Milchprodukte meiden. Zudem sollten Sie viel trinken.

Ist der Calcium-Spiegel dagegen stark erhöht, kann der Arzt Calcitonin verabreichen. Das Hormon senkt den Calcium-Wert schnell ab. Harntreibende Mittel (Schleifendiuretika) erhöhen die Calcium- und Flüssigkeitsausscheidung über die Niere zusätzlich.

Liegt der Hyperkalzämie eine andere Erkrankung zugrunde, muss diese meist ebenfalls behandelt werden. Eine Nebenschilddrüsenüberfunktion zum Beispiel kann häufig durch einen kleinen Eingriff geheilt werden. Den Knochenabbau kann man mit Bisphosphonaten hemmen.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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