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Lungenkollaps (Pneumothorax): Wenn die Lunge sich nicht mehr ausdehnen kann
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Lungenkollaps (Pneumothorax): Wenn die Lunge sich nicht mehr ausdehnen kann

Zum Lungenkollaps, medizinisch Pneumothorax, kommt es, wenn Luft neben den Lungenflügel, in den sogenannten Pleuraspalt gelangt. Dann kann sich die Lunge nicht mehr ausdehnen und es kommt zu Atemproblemen und Luftnot. Ein Lungenkollaps kann lebensgefährlich sein.

Was ist ein Lungenkollaps?

Zu einem Lungenkollaps (Pneumothorax) kommt es aufgrund einer krankhaften Luftansammlung zwischen Lunge und Brustwand – im sogenannten Pleuraspalt (Pleuraraum). Die Lunge kann sich beim Einatmen nicht mehr richtig ausdehnen. Betroffene leiden unter starken Atemproblemen bis hin zu akuter Luftnot. Normalerweise ist der Pleuraspalt mit etwas Flüssigkeit gefüllt, die als Schmier- und Haftschicht zwischen dem die Lunge umgebenden Lungenfell und dem die Brustwand überziehenden Rippenfell fungiert. Rippen- und Lungenfell werden zusammen als Brustfell (Pleura) bezeichnet.

Durch den im Pleuraspalt herrschenden Unterdruck haften Lungenfell und Rippenfell aneinander an, sodass sich die Lunge beim Atmen den Bewegungen des Brustkorbs anpasst. Tritt plötzlich Luft in den Pleuraspalt ein, wird die natürliche Haftung aufgehoben und der Lungenflügel kann sich beim Einatmen nicht mehr ausdehnen. Er fällt in sich zusammen. Das Zusammenfallen eines Lungenflügels bezeichnen Mediziner als Lungenkollaps oder Pneumothorax.

Komplikation Spannungspneumothorax: Was ist das?

Eine schwerwiegende Komplikation des Pneumothorax ist der sogenannte Spannungspneumothorax, auch Ventilpneumothorax genannt. Hierbei gelangt mit jedem Einatmen mehr Luft in den Pleuraspalt. Da die Luft im Brustkorb immer mehr Raum braucht, entsteht ein großer Druck auf den betroffenen Lungenflügel sowie die Venen, die zum Herzen führen – ein lebensbedrohlicher Notfall. Der Spannungspneumothorax tritt in etwa drei Prozent der Lungenkollaps-Fälle ein. Der Spannungspneumothorax muss sofort behandelt werden, da sonst ein schwerer bis tödlicher Verlauf droht.

Lungenkollaps-Ursachen: Wann dringt Luft in den Pleuraspalt?

Es gibt verschiedene Ursachen, warum Luft in den Pleuraraum gelangt. Mediziner unterscheiden bei den Auslösern des Pneumothorax zwischen innerem und äußerem Lungenkollaps. Der innere Pneumothorax tritt häufiger auf. Beim inneren Lungenkollaps gelangt die Luft über die Atemwege in den Pleuraspalt.

Beim äußeren Lungenkollaps dringt die Luft von außen zwischen Lunge und Brustwand ein – etwa als Folge eines Unfalls (traumatischer Pneumothorax) oder als Komplikation einer Operation oder ärztlichen Untersuchung (iatrogener Pneumothorax).

Primärer und sekundärer Lungenkollaps: der Unterschied

Beim primären Pneumothorax oder Spontanpneumothorax gibt es meist keinen erkennbaren Auslöser. Rund 90 Prozent der Betroffenen mit einem Spontanpneumothorax sind Raucher. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Der sekundäre Lungenkollaps, auch symptomatischer Pneumothorax genannt, ist die Folge einer anderen Erkrankung, meist einer chronisch-obstruktiven Lungenkrankheit (COPD). Doch auch Asthma, Lungentumoren, eine Vernarbung der Lunge (Lungenfibrose) sowie eine Lungenentzündung (Pneumonie) können mit einem Lungenkollaps in Zusammenhang stehen.

Lungenkollaps: Symptome bleiben manchmal aus

Nicht immer wird ein Lungenkollaps von den Betroffenen bemerkt. Dringt nur wenig Luft in den Pleuraspalt ein, verhält sich der Pneumothorax oft unauffällig. Je mehr Luft in den Spalt zwischen Lungenfell und Brustfell gelangt, desto ausgeprägter sind die Beschwerden. Zu den Lungenkollaps-Symptomen gehören:

  • ein plötzlicher, atemabhängiger, stechender Schmerz in der Brust
  • Atembeschwerden bis hin zu Atemnot
  • hechelnde Atmung
  • möglicherweise die Bildung einer Luftblase unter der Haut
  • Blaufärbung von Haut und Schleimhäuten (Zyanose)
  • flacher und schneller Herzschlag
  • Blutdruckabfall
  • aufgestaute Halsvenen (venöse Einflussstauung)
  • Herz-Kreislauf-Versagen

Zu welchem Arzt bei Verdacht auf einen Lungenkollaps?

Leiden Sie unter akuter Atemnot, stechenden Schmerzen in der Brust, beschleunigtem Herzschlag und einer Blaufärbung von Haut und Schleimhäuten, sollten Sie sofort den Notruf unter 112 verständigen. Der Notarzt wird Sie zur weiteren Abklärung der Symptome in ein auf Lungen- und Herzkrankheiten spezialisiertes Krankenhaus bringen.

Bei gering ausgeprägten Beschwerden wie zunehmende Kurzatmigkeit sollten Sie sich an einen Lungenfacharzt (Pneumologe) oder einen Herzspezialisten (Kardiologe) wenden. Für den ersten ärztlichen Kontakt können Sie auch zu Ihrem Hausarzt gehen. Dieser überweist Sie nach einer ersten Untersuchung zu entsprechenden Fachärzten.

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Bei akuter Atemnot sollten Sie sofort den Notruf wählen.

Lungenkollaps behandeln: Therapie des Pneumothorax

Der Lungenkollaps ist eine Lungenerkrankung und wird von Pneumologen behandelt. Da der Lungenkollaps einen Notfall darstellen kann und einer raschen Diagnose und Behandlung bedarf, ist die Einweisung in eine Fachklinik bei Verdacht obligatorisch. Abhängig von der Ausprägung des Lungenkollaps kommen verschiedene Behandlungsmaßnahmen infrage:

  1. Wenig Luft im Pleuraspalt: Handelt es sich um einen Mantelpneumothorax, bei dem nur wenig Luft in den Pleuraspalt gelangt ist, bildet sich der Pneumothorax oft ohne Behandlung wieder zurück. Der Betroffene bleibt unter ärztlicher Beobachtung.
  2. Die Lunge ist kollabiert: Ist die Lunge zusammengefallen, wird der Lungenkollaps in der Regel mit einer Pleuradrainage (Thoraxdrainage) behandelt. Dabei führt der Arzt einen dünnen Schlauch von außen in den Brustkorb ein und zieht vorsichtig die Luft aus dem Pleuraspalt.

Lungenkollaps-Behandlung: Wann muss operiert werden?

Eine Operation ist bei einem Pneumothorax dann notwendig, wenn die Gefahr besteht, dass die Lunge erneut kollabiert. Das ist bei etwa einem Drittel der Betroffenen mit einem Spontanpneumothorax der Fall. Bei der sogenannten Pleurodese werden das Lungenfell und das Brustfell miteinander „verklebt“. Das geschieht meist durch eine Aufrauhung des Rippenfells. Die Lunge kann so mit dem Rippenfell verwachsen.

Die Notpunktion mit einer Kanüle (Pleurapunktion) erfolgt meist bei einem Spannungspneumothorax nach einem Unfall und ist im Notfall lebensrettend. Durch den Stich in den Pleuraspalt kann die Luft entweichen und die Lunge wird entlastet. Anschließend wird die Pleuradrainage durchgeführt, bei welcher der Arzt einen dünnen Schlauch in den Pleuraspalt einführt. Über diesen kann er die Luft aus dem Pleuraspalt ziehen und den Unterdruck wiederherstellen.

Heilungschancen eines Lungenkollaps
Wird der Pneumothorax frühzeitig erkannt, stehen die Heilungschancen gut. Bei kleineren Luftansammlungen reicht oftmals Bettruhe aus. Bei bestehenden schweren Vorerkrankungen der Lunge kann ein Lungenkollaps lebensbedrohlich sein. 
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Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.
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Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
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