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Lungenfibrose: Narbenlunge durch Bindegewebsvermehrung

Lungenfibrose, auch Narbenlunge genannt, beschreibt die krankhafte Vermehrung von Bindegewebsfasern (Fibrosierung) in der Lunge. Der Begriff Lungenfibrose umfasst mehr als 200 verschiedene Lungenerkrankungen, bei denen es zu einer Bindegewebsvermehrung kommt. Ausgelöst wird die Lungenfibrose durch chronische Entzündungsprozesse im Lungengewebe.

Lungenfibrose: Was ist das?

Der Begriff Lungenfibrose umfasst Lungenerkrankungen, denen eine chronische Entzündung des Lungengewebes zugrunde liegt. Die Entzündungsprozesse führen zu einer Bindegewebsvermehrung. Das Lungengewebe der Patienten vernarbt. Daher werden Lungenfibrosen auch als Narbenlunge bezeichnet. Der Mechanismus ist folgender: Die Lunge versucht, das entzündete Gewebe zu heilen und umschließt es mit neu gebildetem Bindegewebe. Das neue Gewebe verhärtet und vernarbt (fibrosiert) und verliert an Elastizität.

Je stärker die Vernarbung der Lunge ausgeprägt ist, desto stärker ist die Atmung beeinträchtigt: Da sich bei der Lungenfibrose auch zwischen den Lungenbläschen und den sie umgebenden Blutgefäßen Narbengewebe bildet, kann Sauerstoff nur noch schwer in die Blutgefäße gelangen. Es kommt zu einer Störung des Gasaustauschs und zu einer eingeschränkten Sauerstoffaufnahme. Die Lunge der Patienten verliert ihre Leistungsfähigkeit.

Lungenfibrose-Symptome: Atembeschwerden nehmen zu

Betroffene bemerken die krankhafte Vermehrung der Bindegewebsfasern in der Lunge und die damit einhergehende fortschreitende Versteifung des Lungengewebes durch Atembeschwerden. Das Atmen strengt immer mehr an und fällt zunehmend schwerer. Betroffene einer Lungenfibrose atmen meist sehr schnell und flach. Besonders das Einatmen macht Probleme. Zunächst ist die Atmung nur bei körperlicher Belastung eingeschränkt. Im weiteren Verlauf der Lungenkrankheit ist die Atmung auch im Ruhezustand erschwert.

Im weiteren Verlauf kommen Lungenfibrose-Symptome hinzu, welche den Alltag der Betroffenen stark einschränken:

  • zunehmende Atemstörungen
  • Atemnot
  • Reizhusten (trocken)
  • Erschöpfung/ Abgeschlagenheit
  • Muskel- und Gelenkschmerzen

Symptome im fortgeschrittenen Stadium einer Lungenfibrose:

  • Gewichtsabnahme
  • Uhrglasnägel (große, gewölbte Fingernägel in Folge eines chronischen Sauerstoffmangels)
  • Trommelschlegelfinger (verdickte Fingerkuppen aufgrund eines chronischen Sauerstoffmangels)
  • bläulich verfärbte Haut und Lippen

Zu welchem Arzt bei Lungenfibrose-Verdacht?

Lungenfibrosen können über Jahre hinweg völlig unauffällig verlaufen. Betroffene bemerken die Lungenkrankheit oft lange nicht. Erst im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu Atembeschwerden und Luftnot – zuerst nur bei körperlicher Belastung, später auch im Ruhezustand. Trockener Reizhusten ohne Auswurf gehört ebenfalls zu den ersten Symptomen einer Lungenfibrose. Suchen Sie bei Atembeschwerden, Atemnot und Husten, der nicht mehr abklingt, immer einen Arzt auf und lassen Sie die Ursache klären.

Es gibt eine Vielzahl verschiedener Erkrankungen, die auf die Atemwege und die Atemfunktion einwirken. Der erste Ansprechpartner kann Ihr Hausarzt sein (Allgemeinmediziner, Internist). Dieser wird Sie bei Bedarf an weitere Fachärzte überweisen. Das können zum Beispiel ein Lungenexperte (Pneumologe), ein Herzspezialist (Kardiologe) und ein Hals-Nasen-Ohrenarzt (HNO-Arzt) sein.

Lungenfibrose: Ursachen und Risikofaktoren der Narbenlunge

Bei nur etwa 50 Prozent der Lungenfibrose-Patienten lässt sich eine Ursache feststellen. Bei den anderen 50 Prozent bleibt der Auslöser der Bindegewebsvermehrung in der Lunge unbekannt. Mediziner sprechen dann von idiopathischer Lungenfibrose.

Zu den größten Risikofaktoren einer Lungenfibrose gehören Schadstoffe, welche Entzündungen im Lungengewebe verursachen:

  • Häufiges Einatmen schädlicher anorganischer Stäube, meist berufsbedingt (Quarzstaub, Asbeststaub, Aluminiumstaub, Hartmetallstaub und so weiter).
  • Häufiges Einatmen organischer Stäube/ Allergene. Zu den Allergenen gehören unter anderem Schimmelpilze, Pollen und Hausstaubmilben. Allerdings reagiert nur ein relativ geringer Teil der Menschen allergisch auf bestimmte aus der Umwelt eingeatmete Substanzen.
  • Häufiges Einatmen giftiger Gase und Dämpfe, beispielsweise Nitrose-Gase, Chlorgase, Phosgen, Ammoniak, Schwefelwasserstoff und Schwefeldioxid.
  • Rauchen ist einer der Hauptrisikofaktoren für Entzündungsreaktionen in der Lunge.
  • Eingeatmetes Haarspray steht in Verdacht, die Lunge stark zu reizen.
  • Bakterielle und virale Infektionen sowie Pilzinfektionen (häufig der Schimmelpilz Aspergillus). Bakterielle Erreger sind unter anderem Streptokokken, Staphylokokken, Legionellen. Zu den Viren gehören Grippeviren, Adenoviren und Parainfluenzaviren. Die genannten Pilze, Bakterien und Viren können Entzündungen der Lunge verursachen, die bei chronischem Verlauf eine Lungenfibrose fördern.
  • Bestrahlungstherapien bei Krebserkrankungen.
  • Die Einnahme bestimmter Medikamente wie Bleomycin, Busulfan, Nitrofurane, Carbamazepin, Carmustin, Floxuridin.

Des Weiteren gibt es verschiedene Erkrankungen, welche die Narbenlunge begünstigen:

  • Autoimmunerkrankung Sklerodermie: In etwa 50 Prozent der Fälle greift die Erkrankung auf die Lunge über.
  • Systemerkrankung Sarkoidose: In 90 Prozent der Fälle sind die Atemorgane mitbetroffen.
  • Rheumatoide Arthritis: Bei etwa 20 Prozent der Betroffenen finden sich auch Veränderungen an der Lunge.

Ist Lungenfibrose heilbar?

Heilbar sind Lungenfibrosen nicht. Einmal vernarbtes Gewebe kann sich nicht mehr regenerieren. Die Ärzte legen bei der Behandlung der Lungenfibrose den Schwerpunkt darauf, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Wie erfolgreich die Behandlung der Lungenfibrose ist, ist davon abhängig, wie stark das Lungengewebe bereits vernarbt ist. Je früher mit Hilfe der Lungenfibrose-Therapie weitere Schäden verhindert werden können, desto besser sind die Chancen für die Betroffenen. Welche Lungenfibrose-Behandlungen die Beschwerden und den Verlauf lindern können, bespricht der behandelnde Pneumologe mit dem Betroffenen.

Lungenfibrose behandeln: Was macht der Arzt?

Der erste wichtige Schritt der Lungenfibrose-Behandlung ist, die Belastung der Lunge mit reizenden Substanzen so gering wie möglich zu halten. Dazu gehört auch der Rauchstopp. Des Weiteren werden verschiedene Medikamente eingesetzt. Sie wirken anti-entzündlich und anti-allergisch. Sie können inhaliert oder in Tablettenform eingenommen werden. Kortison beispielsweise hilft, die Entzündungsprozesse in der Lunge zu lindern. Weitere Medikamente sind unter anderem Methotrexat oder Azathioprin. Sie kommen besonders bei Langzeitbehandlungen zur Anwendung, um die Kortisondosis zu reduzieren. Wirkstoffe wie Pirfenidon und Nintedanib helfen, Vernarbungsprozesse zu verlangsamen.

Auch die Gabe von Sauerstoff als Langzeittherapie ist eine wichtige Säule der Lungenfibrose-Behandlung. Sie muss in der Regel täglich über 16 Stunden hinweg erfolgen. Liegt eine bakterielle Infektion vor, können Antibiotika helfen. Moderater Ausdauersport, etwa in speziellen Lungensportgruppen, hilft genau wie Atemgymnastik, die körperliche Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit der Lunge zu stärken Im Endstadium der Lungenfibrose kann eine Lungentransplantation in Betracht kommen.

Lungenfibrose vorbeugen: Geht das?

Die effektivste Vorbeugung einer Lungenfibrose liegt im Vermeiden der auslösenden oder das Krankheitsbild verschlechternden Schadstoffe. Ein bedeutender Risikofaktor für eine Lungenfibrose ist das Rauchen. Wer auf Zigaretten verzichtet, trägt einen bedeutenden Teil zur Lungengesundheit bei.

Besteht am Arbeitsplatz der Kontakt mit Schadstoffen, sollten Staub- oder spezielle Atemmasken getragen werden. Spezielle Filteranlagen helfen, giftige Stäube und Dämpfe aus der Luft zu entfernen.

Bewegung und sportliche Aktivitäten stärken die Lungenfunktion und trainieren die Elastizität des Lungengewebes. Ein normales Körpergewicht wirkt sich ebenfalls positiv auf die Lungengesundheit aus. Übergewicht belastet den Körper und kann die Atemnot noch verstärken.

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Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.
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Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
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