Leberkrebs
(0)

Leberkrebs

Leberkrebs ist heimtückisch, denn bei der Diagnose ist er meist weit fortgeschritten. Da die Leber über kein Schmerzempfinden verfügt, fällt er oft erst durch veränderte Leberwerte auf oder wird zufällig bei Röntgenaufnahmen des Bauchraumes entdeckt. Trotz schlechter Prognose lässt sich mit geeigneten Therapien das Überleben deutlich verlängern.

Was ist Leberkrebs?

Grundsätzlich muss man zwischen eigentlichem Leberkrebs und Lebermetastasen unterscheiden. Leberkrebs im engeren Sinne geht von Zellen der Leber selbst aus, weshalb man auch von primären Lebertumoren spricht. Bei den gutartigen (benignen) Formen handelt es sich meist um Hämangiome, die häufig unbemerkt bleiben und erst bei Obduktionen zufällig gefunden werden. Die ebenfalls gutartigen Gallengangsadenome und Leberzelladenome sind vergleichsweise selten.

Hepatozelluläre Karzinom

Der mit rund 64 Prozent häufigste bösartige (maligne) Lebertumor ist das hepatozelluläre Karzinom (HCC), das von den Hauptzellen des Leberparenchyms, den Hepatozyten ausgeht. In 25 Prozent der Fälle nimmt der Krebs in Form eines Cholangiokarzinoms von Gallengängen innerhalb der Leber seinen Ausgangspunkt. Bereits bei Kindern tritt das sehr seltene Hepatoblastom auf.

Lebermetastasen 

Als sekundäre Lebertumoren bezeichnet man Lebermetastasen. Sie bestehen aus Tumorzellen, die sich aus der Krebsgeschwulst eines anderen Organs ablösen und in der Leber festsetzen. So etwas geschieht bei vielen Krebserkrankungen, da die Leber sehr gut durchblutet ist. In ihrem Kapillarsystem bleiben abgeschwemmte Zellen leicht hängen und vermehren sich zu Tochtergeschwülsten. Am häufigsten findet man Lebermetastasen bei Darmkrebs (Kolonkarzinom), Brustkrebs (Mammakarzinom) und Lungenkrebs (Bronchialkarzinom). Ebenso können sich Zellen aus Nierenkrebs (Nierenzellkarzinom), Krebs der Vorsteherdrüse (Prostatakarzinom) oder Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) im Leberparenchym ansiedeln.

Wie häufig sind Lebertumore?

Primärer Leberkrebs ist relativ selten. Pro Jahr kommt es in Deutschland laut Robert-Koch-Institut zu 9.100 Neuerkrankungen und 8.000 Todesfällen . Der Altersdurchschnitt des hepatozellulären Karzinoms liegt bei Männern bei 71, bei Frauen bei 75 Jahren. Wegen seiner schlechten Prognose gehört es trotz seltenen Auftretens zu den zehn häufigsten Todesursachen in Zusammenhang mit Krebserkrankungen.

Welche Risikofaktoren kennt man bei Leberkrebs?

Inzwischen hat man etliche Risikofaktoren identifiziert, die ein bösartiges hepatozelluläres Karzinom auslösen können. Ein hohes Erkrankungsrisiko tragen Patienten mit Leberzirrhose. Bei dieser zerstören vor allem Alkohol oder Infektionen mit Hepatitis-Viren (Hepatitis B, Hepatitis C) die normale Leberstruktur und führen zum Absterben von Leberzellen. Vernarbungen durch nicht-funktionelles Bindegewebe führen zu Stauungen im Pfortadersystem, gestörtem Gallenabfluss und vermehrt auftretenden Tumoren, an denen pro Jahr bis zu fünf Prozent der Patienten mit Leberzirrhose erkranken.

Auslöser von Leberkrebs

Zu den gefürchtetsten Auslösern von Leberkrebs gehören Aflatoxine, Gifte verschiedener Schimmelpilze wie des namensgebenden Aspergillus flavus. Dieser wächst bei unsachgemäß feuchter Lagerung auf Getreide und Nüssen wie Pistazienkernen.Weitere Risikofaktoren sind Rauchen, Übergewicht sowie die Einnahme von Anabolika.

Welche Symptome treten bei Leberkrebs auf?

Alle Formen von Leberkrebs bereiten anfangs kaum Probleme, da die Leber keine Schmerzen empfindet. Erst wenn Tumoren und Metastasen die Organkapsel der Leber zu dehnen beginnen machen sie sich mit Schmerzen bemerkbar. Noch später lassen sich Veränderungen der Leber im rechten Oberbauch tasten. In diesem Stadium haben die Patienten bereits dramatisch an Gewicht verloren. Risikopatienten mit Hepatitis B/Hepatitis C oder Alkoholiker sollten daher regelmäßig die Leberwerte überprüfen und Ultraschalluntersuchungen vornehmen lassen. Eine rechtzeitige Früherkennung erleichtert die Therapie von Leberkrebs erheblich.

Wie stellt man Leberkrebs fest?

Wegen der wenig ausgeprägten Symptomatik erfolgt die Diagnose meist zufällig. Häufig sind unerklärlich hohe Leberwerte der Anlass für weitere Untersuchungen. Bildgebende Verfahren des Bauchraumes wie Ultraschalluntersuchungen (Abdomen-Sonographie), Röntgenaufnahmen, Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie, MRT) liefern Leberkrebs und Lebermetastasen oft als Zufallsbefund. Als Tumormarker kann man im Blutbild das Alpha-1-Fetoprotein bestimmen. Wie viele Krebsmarker ist es nicht hundertprozentig spezifisch für Leberkrebs. Für die Verlaufskontrolle einer Therapie ist das Eiweiß hingegen gut geeignet, da sich damit nach erfolgreicher Behandlung erneut wachsende Tumorzellen (Rezidiv) leicht nachweisen lassen.

Wie erfolgt die Therapie von Leberkrebs?

Die Wahl der Therapieform hängt maßgeblich davon ab, ob es sich um primären oder sekundären Leberkrebs handelt. Bei letzterem steht die Behandlung des Primärtumors in Darm, Brust oder Lunge im Vordergrund. Fast immer sind hierfür operative Maßnahmen notwendig. Eine daran anschließende Chemotherapie ist speziell auf verbliebene Tumorzellen ausgerichtet, sodass sie auch das Wachstum von Metastasen in der Leber und andernorts zum Stillstand bringt. Das hepatozelluläre Karzinom selbst spricht auf Chemotherapie mit Zytostatika kaum an. Daher sind durchgängig Operationen zur Entfernung des Tumors erforderlich. In der Regel nimmt der Chirurg eine Teilresektion vor, bei der er ein ganzes Segment der Leber entfernt. Kleinere Tumoren oder Metastasen lassen sich mit einer Kältesonde einfrieren (Kryotherapie) oder mit hochenergetischem Laserlicht verschmoren (laserinduzierte Thermotherapie).Die Aufgaben der Leber sind so komplex, dass eine Ersatztherapie wie bei der Niere durch Dialyse oder beim Herzen mit Herz-Lungen-Maschine noch nicht möglich ist. Daher gilt bei fortgeschrittenen Erkrankungen, schwerer Leberzirrhose und inoperablen Tumoren die Lebertransplantation als letztes Mittel - mit einer sehr langen Warteliste.

Wie gut sind die Überlebenschancen bei Leberkrebs?

Wie bei allen Krebserkrankungen liegt die Erfolgsquote einer Behandlung von Leberkrebs von möglichst frühzeitiger Erkennung ab. Da man das hepatozelluläre Karzinom meistens erst spät diagnostiziert, ist die Prognose der meisten Patienten ungünstig. Das gilt vor allem bei gleichzeitiger Leberzirrhose. Ohne Therapie beträgt die mediane Überlebenszeit von Patienten mit Leberkrebs sechs Monate. Im Durchschnitt überleben elf Prozent der Erkrankten die ersten fünf Jahre. Bei frühzeitiger Erkennung lässt sich die Überlebenszeit wesentlich erhöhen, sodass die Vier-Jahres-Überlebensrate bei bis zu 75 Prozent liegt. Eine Lebertransplantation gehört technisch zu den schwierigsten Organtransplantationen überhaupt und führt nicht immer zu lange anhaltendem Erfolg. Selbst nach erfolgreicher Operation sterben viele Patienten, meist infolge von Infektionen. Hinzu kommen Abstoßungsreaktionen, erhöhte Blutungsneigung durch beeinträchtigte Synthese der Blutgerinnungsfaktoren, Bildung von Blutgerinnseln und andere Begleiterscheinungen. Trotzdem liegt die Zehn-Jahres-Überlebensrate mittlerweile über 70 Prozent.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Wie finden Sie diesen Artikel?