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Hautärztin zu Intimhygiene: Waschen mit Wasser reicht
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Hautärztin zu Intimhygiene: "Waschen mit Wasser reicht"

Duschgel und Seife, Intimdeos, feuchtes Toilettenpapier und Slipeinlagen mit Frischeduft: In den Intimbereich von Mann und Frau kommt so manches, was die empfindliche Region reizen kann. Jucken, Brennen, Rötungen und Ekzeme sind die häufige Folge einer übermäßigen Intimhygiene. „In den Intimbereich gehört Wasser und sonst nichts“, rät Dr. med. Uta Schlossberger, Dermatologin aus Köln.

Frau Dr. Schlossberger, wie kritisch sind in Seife und Duschgel enthaltene Tenside für den Intimbereich? 

Je mehr Sie schäumen, egal ob mit Seife oder Duschgel, desto mehr greifen Sie in die natürliche Schutzbarriere des Intimbereichs ein. Und desto größer ist das Risiko, dass das gesunde Milieu in Schieflage gerät. Dann können sich die auf der Haut natürlich vorkommenden Bakterien, Viren und Pilze leicht vermehren und zu Erkrankungen führen. Der saure pH-Wert im Intimbereich hält krankmachende Mikroorganismen in Schach. Erst wenn die Flora geschwächt ist – und das passiert durch den Einsatz von Tensiden – können die Erreger die Überhand gewinnen.

Mit der vermeintlich guten Intimhygiene erreicht man also genau das Gegenteil?

Genau. Die ersten Symptome, die darauf hindeuten, dass das Milieu im Intimbereich aus der Balance geraten ist, sind Trockenheit, Juckreiz und Rötungen. Später können Brennen, unangenehmer Geruch, Brennen beim Wasserlassen und Ausfluss hinzukommen. Doch statt einen Arzt aufzusuchen, intensivieren viele ihre Intimhygiene und reinigen noch mehr. Sie hoffen, die Beschwerden und eventuell unangenehme Gerüche loszuwerden – und machen damit alles nur noch schlimmer. Ein echter Teufelskreis.

Wie sollte die Intimhygiene aus hautärztlicher Sicht idealerweise aussehen?

Regelmäßig waschen ist für eine gute Intimhygiene wichtig. So entfernen Sie Schweiß, Talg, Sebum und Schleimhautabsonderungen. Dadurch wird das Wachstum krankmachender Bakterien, Viren und Pilze gehemmt und das natürliche Gleichgewicht der Haut im Intimbereich gestärkt. Weniger ist eindeutig mehr – bei Männern und bei Frauen. Verzichten Sie auf alles mit Duft- und Konservierungsstoffen. Toilettenpapier mit Duft, Slipeinlagen mit Duft, feuchtes Toilettenpapier, Intimdeos und andere Hygieneprodukte brauchen Sie nicht. Auch Seife und Duschgele sollten Sie weglassen. Alles, was schäumt und duftet bringt die Hautschutzbarriere aus dem Gleichgewicht. Nutzen Sie für die Intimhygiene Wasser und Ihre Hand. Das reicht.

Was raten Sie denen, die gerne Waschlappen benutzen?

Wer sich unwohlfühlt, bei der Intimhygiene allein auf Wasser und die Hand zu setzen, kann einen weichen Waschlappen benutzen. Diesen sollten Sie aber sehr sanft einsetzen. Gerade die inneren Schamlippen bei Frauen sind sehr empfindlich. Leicht können winzige Mikroverletzungen und Einrisse entstehen, die eine Eintrittspforte für Erreger darstellen und zu Entzündungen führen können. Waschen Sie den Waschlappen nach der Intimreinigung gut aus und lassen Sie ihn immer gut trocknen, um einer unnötigen Keimvermehrung entgegenzuwirken. Wichtig ist auch, dass Sie den Waschlappen regelmäßig bei 60 Grad waschen, um Keime im Gewebe abzutöten.  

Sie sprachen duftendes Toilettenpapier und Feuchttücher an – warum können diese für die Analregion kritisch sein?

Der Analbereich ist ebenfalls sehr empfindlich. Die Haut ist sehr dünn. Ich sehe es in meiner Praxis immer öfter, dass Patienten über Ekzeme, Juckreiz, Brennen, Schwellungen und manchmal sogar Bluten berichten. Meist ist eine Kontaktallergie die Ursache. Die zarte Haut rund um den After kommt mit den Duft- und Konservierungsstoffen nicht zurecht. Besser ist es, wenn Sie normales Toilettenpapier etwas anfeuchten und sich dann abwischen – immer von vorne nach hinten. Tragen Sie zudem Baumwollunterwäsche. Diese ist atmungsaktiv und nimmt Schweiß gut auf. So lässt sich einer Vermehrung von Bakterien, Viren und Pilzen entgegenwirken.

Wie sieht es mit der Periodenhygiene aus? Was empfehlen Sie Frauen?

Tampons sind aus hygienischer Sicht eine gute Wahl. Der Intimbereich bleibt trocken und Tampons lassen sich leicht und unkompliziert wechseln. Menstruationstassen sind ebenfalls geeignet. Allerdings erfordert die Handhabung etwas Übung. Wenn die Tasse nicht richtig sitzt, kann leicht ein Malheur passieren. Bei der Menstruationstasse ist es vor allem wichtig, auf eine gute Reinigung der Tasse zu achten. Binden sind besonders für junge Mädchen praktisch. Aus hygienischer Sicht ist der regelmäßige Wechsel ebenfalls wichtig, um die Vermehrung von Mikroorganismen möglichst gering zu halten.

Wie schätzen Sie Periodenunterwäsche ein? Ist diese empfehlenswert?

Periodenunterwäsche ist aus hygienischer Sicht ebenfalls unkritisch. In Tests waren nach einer 60-Grad-Wäsche keine Bakterien, Viren oder Pilze mehr nachweisbar. Die Unterwäsche kann bei guter Reinigung also problemlos immer wieder verwendet werden. Generell gilt für die Zeit der Menstruation, egal ob Frauen Tampons, Binden, eine Menstruationstasse oder Periodenunterwäsche verwenden: Regelmäßig den Intimbereich waschen. So wird Blut entfernt und der Intimbereich frisch gehalten. Auch hier reicht Wasser aus.

Vielen Dank für das Gespräch Frau Dr. Schlossberger.

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Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.
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Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
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Dr. med. Uta Schlossberger
Experte
erwarb nach dem Studium an der Charité Berlin und in Schottland 2002 den Facharzt in Bonn und ist seit 2006 medizinische Leiterin und Inhaberin einer großen Hautarztpraxis in Köln. Neben der allgemeinen Dermatologie und Allergologie ist die Hautärztin auch auf den Bereich ästhetische Dermatologie und Lasermedizin spezialisiert.
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