Kleidung aus Hanf
© Björn Forenius/iStock / Getty Images Plus
(1)

Kleidung aus Hanf

Bei Hanftextilien denken viele vermutlich an Kleidungsstücke, die sowohl vom Schnitt als auch vom Tragekomfort eher Säcken gleichen - keine sehr attraktive Vorstellung. Tatsächlich erlebt Hanf aber gerade eine Renaissance: Denn seine Fasern sind sehr tragefreundlich, langlebig und chemisch nicht belastet. Und da sie inzwischen so gut verarbeitet werden können wie Baumwolle, sind auch modische Designs kein Problem mehr.

Herstellung der Hanffasern

Hanffasern werden aus den Stängeln der Hanfpflanze gewonnen. Die einzelnen Pflanzen werden dabei möglichst dicht gepflanzt, damit sie stärker in die Höhe als in die Breite wachsen - so werden auch die Fasern schön lang.

Nach dem Abschneiden müssen die Fasern aus dem Stängel gelöst werden. Dazu legt man die Stängel entweder auf dem Boden aus, wo sie verfaulen, oder man weicht sie in Wasser ein. Beide Prozesse dauern viele Tage bis Wochen und haben zum Ziel, dass sich der "Leim" rund um die Fasern auflöst.

Teilweise werden die Fasern nun noch chemisch oder mechanisch weiterbehandelt, um sie elastischer oder weicher zu machen, meistens aber verspinnt man sie direkt zu Garn. Beim Spinnen werden die Fasern zusammengedreht, so dass sie durchgehende Fäden bilden. Aus den Fäden lassen sich dann die Stoffe weben, die man zum Fertigen von Kleidung braucht. 

Beim Spinnen werden der Hanffaser oft andere Fasern beigefügt: Baumwolle zum Beispiel - sie ist dann Bestandteil des Fadens. Die fremden Fasern können auch erst beim Weben beigemischt werden - dann ist zum Beispiel der Längsfaden aus Hanf und der Querfaden aus Baumwolle.

Reine Hanfgewebe sind meistens schwer bis mittelschwer, sie werden gerne zu Taschen, Hosen oder Jacken verarbeitet. Aus Mischgeweben lassen sich gut dünne Blusen oder Kleider fertigen. Auch aus reinem Hanf lässt sich sehr feines Garn herstellen, der Arbeitsaufwand dafür ist allerdings sehr hoch. 

Vorteile der Hanfkleidung 

Wer noch das Bild von sackartigen, groben Kleidungsstücken im Kopf hat, wird erstaunt sein zu hören, dass Hanfkleidung hervorragende Trageeigenschaften besitzt:

- Kleidung aus Hanf ist atmungsaktiv. Sprich: Wenn man schwitzt, bleibt der Schweiß nicht zwischen Haut und Kleidungsstück gefangen und lässt uns auskühlen (und unwohl fühlen). Stattdessen kann der Wasserdampf durch die Kleidung nach außen entweichen.
- Hanf ist feuchtigkeitsregulierend. Die Faser kann rund 30 Prozent ihres eigenen Gewichts an Feuchtigkeit aufsaugen, ohne dass sich der Stoff nass anfühlt.
- Hanf ist wärmeregulierend. Heißt: Ähnlich wie Seide hält die Kleidung bei Hitze kühl, bei Kälte warm
- Hanf ist sehr geeignet für empfindliche, zu Allergien neigende Haut. Diesen Umstand verdankt er der Tatsache, dass Hanfpflanzen ohne den Einsatz Chemie angebaut werden können.

Durch diese Eigenschaften eignet sich Hanfkleidung sehr gut für Sportler und den Outdoorbereich, aber auch als luftige Kleidung für den Sommer. 
Der einzige Nachteil: Da sich Hanf trotz moderner Verarbeitungstechniken rauer anfühlt als zum Beispiel Baumwolle, muss den Stoffen oft eine weitere Faser beigemischt werden (siehe Abschnitt über die Herstellung). Reine Hanftextilien sind eher als zweite Kleidungsschicht geeignet, für Jacken zum Beispiel. 

So pflegen Sie Ihre Hanfkleidung

Obwohl Hanffasern sehr robust sind, ist bei der Pflege der Kleidungsstücke eine Sache zu beachten: Zum Waschen sollte nur Flüssigwaschmittel verwendet werden, kein Pulver! Der Grund: In der Faser befinden sich Hohlräume. Die kleinen Kügelchen des Waschpulvers können sich in diesen Hohlräumen festsetzen. Trocknet die Faser, schrumpfen auch die Hohlräume und schließen die Kügelchen ein. Auf Dauer wird der Stoff dadurch brüchig.

Vor dem ersten Tragen sollten Kleidungsstücke aus Hanf immer gewaschen werden. Da sie nicht vorbehandelt sind, können sie bis zu 10 Prozent einlaufen. Eventuell färben sie auch ab (wenn es gefärbter Hanf ist), das sollte aber nur bei der ersten Wäsche der Fall sein. Gefärbte Kleidungsstücke können bei 30 bis 40 Grad gewaschen werden. Ungefärbter Hanf auch heißer (Pflegeanleitung beachten).

Wo bekomme ich Kleidung aus Hanf?

Wer nun neugierig geworden ist und sich selbst Hanfkleidung kaufen möchte, wird im Internet am ehesten fündig. Verschiedene, auf Naturstoffe spezialisierte Onlinehändler bieten Hanftextilien an. In größeren Städten lässt sich sicher auch im einen oder anderen Ladengeschäft Kleidung aus Hanf finden, aber dürfte (noch) eher die Ausnahme sein.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Wie finden Sie diesen Artikel?