Was ist bei Bio-Mehl anders?
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Was ist bei Bio-Mehl anders?

Seit Beginn des neuen Jahrtausends ist der Umsatz von Bio-Lebensmitteln kontinuierlich gestiegen - von zwei Milliarden im Jahr 2000 auf fast 11 Milliarden 2018. Einen wachsenden Anteil an diesem Umsatz hat das Bio-Mehl. Sein Getreide ist nicht mit Pflanzenschutzmitteln und extensiver Düngung in Kontakt gekommen. Seine Anbaumethoden tragen zur Umweltschonung bei. Eine Gegenüberstellung von konventionellem und biologisch angebautem Getreide stellen die Vorteile des Bio-Mehls heraus.

Konventioneller Getreideanbau: Die Merkmale

Beim konventionellen Getreideanbau steht die Maximierung des Ertrags im Vordergrund des Handelns. Schwächen des Bodens oder Schädlingsangriffe werden mit chemisch-mineralischen Mitteln abgewehrt. Hier ein paar typische Merkmale für den konventionellen Getreideanbau:

  • Der Pflanzenschutz beginnt schon beim Saatkorn. Die Getreidekörner werden mit einer Insektizid-Beize behandelt, um sie vor Pilzen und tierischen Schädlingen zu schützen.
  • Der Boden wird mit mineralischen Düngern genährt und während des Aufwuchses der Pflanzen zwischengedüngt. Die mineralische Düngung erlaubt den Anbau von Getreiden auch auf Böden, die von ihrer Grundbeschaffenheit zu wenig Ertrag liefern würden. Überdüngung gefährdet das Grundwasser und die Artenvielfalt.
  • Gegen Schädlinge werden während des Aufwuchses Pflanzenschutzmittel/Insektizide ausgebracht.
  • Glyphosate dienen als Reifebeschleuniger, Chlormequat zum Kurzhalten der Getreidehalme.
  • Dem fertigen Mehl werden Mehlbehandlungsmittel zugesetzt. Diese entstammen ebenfalls der konventionellen Produktion und können minderwertige Mehle aufwerten.

Biologischer Getreideanbau: Die Merkmale

Bio-Mehl unterliegt in Anbau und Verarbeitung strengen Vorschriften des Bio-Labels. Interessenverbände der ökologisch orientierten Landwirtschaft wie Bioland oder Demeter haben ihre eigenen, noch strengeren Regeln formuliert. Hier die Merkmale biologisch angebauten Getreides:

  • Die Böden werden durch Gründüngung, Bodenlockerungsmaßnahmen und das Ausbringen von organischem Dünger/Humus gesund und fruchtbar gehalten.
  • Es wird das Getreide angebaut, für welches der Boden geeignet ist.
  • Das Saatgut wird nicht chemisch vorbehandelt/gebeizt. Zielführend ist die Auswahl gesunden Saatguts und die Anwendung physikalischer Methoden zur Schädlingsbekämpfung (Warm-/Heißwasser, Dampf).
  • Schädlinge werden durch eine weite Fruchtfolge auf den Feldern vermieden.
  • Während des Getreideaufwuchses wird Unkraut auf mechanischem Wege entfernt und mit Humus zwischengedüngt.
  • Das fertige Mehl wird entweder mit keinen oder mit kontrolliert biologischen Zusätzen versehen.

Bio-Mehl braucht viel Sachverstand

Entscheiden Sie sich für ein Bio-Mehl, erhalten Sie ein Produkt, das unter Verzicht auf Chemikalien und künstliche Dünger entstanden ist und dessen Anbau behutsam mit den Ressourcen dieser Erde umgeht. Und wie sieht es mit der Backqualität von Bio-Mehl aus? Tatsache ist: Der Verzicht auf viele konventionelle Mehlbehandlungsmittel macht es für den Erzeuger schwieriger, ein backstarkes Mehl zu komponieren. Gutes, gesundes und wohlschmeckendes Brot und Backwerk lässt sich aber auch mit Bio-Mehl erzielen. Für ein gutes Bio-Mehl treffen mehrere Faktoren zusammen:

Die Kunst des Landwirts, der die richtige Getreidesorte auf dem richtigen Boden anbaut, schädlingsresistente Züchtungen mit gutem Ertrag auswählt, die aufgehenden Pflanzen mit biologischen Schutz- und Düngemaßnahmen pflegt und alles dafür tut, um ein gesundes Korn zu erzeugen.

- Die Kunst des Müllers: Biologische Getreidemühlen leisten noch echte Handwerksarbeit. Getreide wird nicht einfach so gemahlen und als Mehl in die Tüte gesteckt, wie es in der Mühle angeliefert wird. Es obliegt der Erfahrung des Müllers, die verschiedenen angelieferten Sorten zu lagern und so miteinander zu kombinieren, dass ein backstarkes Bio-Mehl entsteht. Mehle, die unter den strengen Richtlinien von Demeter, Bioland und anderer Verbände erzeugt werden, kommen ohne Mehlbehandlungsmittel aus. In anderen Bio-Mehlen wird Ascorbinsäure eingesetzt, die laut EU-Richtlinie erlaubt ist. Sie verhilft Gebäck zu mehr Volumen und Broten zu mehr Stabilität.

- Die Kunst des Bäckers: Bio-Mehl macht Brot nicht verdaulicher. Eine Studie der Uni Hohenheim weist darauf hin, dass lange Gehzeiten und eine traditionelle Teigführung die Verdaulichkeit von Brotwaren steigert. Am gesündesten und verträglichsten ist also ein Brot aus Bio-Mehl, das in einer kleinen handwerklichen Bio-Bäckerei oder in erfahrener Eigenarbeit zu Hause gebacken worden ist.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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