Gallensteine entfernen: Wann operiert werden muss
© michaeljung/iStock/Thinkstock
(1)

Gallensteine entfernen: Wann operiert werden muss

Im Prinzip brauchen Sie nur Gallensteine entfernen zu lassen, wenn diese Koliken und andere starke Beschwerden verursachen. In diesem Fall hat sich als Standardbehandlung durchgesetzt, die komplette Gallenblase herauszunehmen. Hier erfahren Sie, wann das nötig ist.


Was sind Gallensteine?


Gallensteine sind unterschiedlich große Ablagerungen aus Cholesterin oder dem Gallenfarbstoff Bilirubin, die sich in der Gallenblase bilden. Die kristallartigen Steine sind manchmal nur wenige Millimeter klein und werden dann auch als “Grieß” oder “Sludge” bezeichnet. Es gibt jedoch auch mehrere Zentimeter große Steine in der Gallenblase. Gelegentlich finden sich aber auch außerhalb der Gallenblase, in den Gallengängen solche Ablagerungen.


Ursachen und Risikofaktoren für Gallensteine


In 80 Prozent der Fälle bestehen Gallensteine aus Cholesterin. Sie entstehen, wenn die Gallenflüssigkeit zu viel Cholesterin im Verhältnis zu Gallensäuren und anderen Stoffen enthält. In der Folge verklumpt das Cholesterin und es bilden sich die Steine. Gallensteine aus dem Farbstoff Bilirubin haben ihre Ursache in erblich bedingten Krankheiten, die einen erhöhten Blutabbau bewirken. Dabei entsteht zu viel Bilirubin als Abbauprodukt des Blutfarbstoffs; dieses verklumpt sich dann zu Gallensteinen.


Auch für die Cholesterinsteine spielt die familiäre Vorbelastung eine große Rolle. So können zum Beispiel genetisch bedingte Stoffwechselstörungen dahinterstecken. Darüber hinaus sind Frauen über 40, die mehrere Kinder auf die Welt gebracht haben und übergewichtig sind, häufiger betroffen als andere. Vor allem Übergewicht und Adipositas sind starke Risikofaktoren für Gallensteine, ebenso ein erhöhter Cholesterinspiegel, Typ-2-Diabetes und eine Schilddrüsenunterfunktion. Leberzirrhose oder eine Überfunktion der Nebenschilddrüse haben teilweise auch Gallensteine zur Folge.


Ungünstig ist außerdem eine ballaststoffarme und sehr fettreiche Ernährung sowie eine zu rasche Gewichtsabnahme, da diese das Gleichgewicht zwischen Cholesterin, Gallensäure und anderen Stoffen in der Gallenblase durcheinander bringen kann. Bewegungsmangel ist ein weiterer Faktor, der möglicherweise die Entstehung von Gallensteinen begünstigt.


Gallensteine entfernen: Nur mit OP möglich?


Theoretisch können Sie Gallensteinen mit Medikamenten oder einer Stoßwellentherapie beikommen. Die Medikamente besitzen jedoch starke Nebenwirkungen und verhindern nicht die Neubildung von Gallensteinen, daher wird diese Behandlungsmethode nur sehr selten eingesetzt. Die Stoßwellentherapie kann zwar die vorhandenen Gallensteine entfernen, doch wird das Problem damit nur vorübergehend gelöst. Früher oder später sind neue Steine da und die Behandlung muss wiederholt werden. Wenn Sie die Gallensteine dauerhaft zuverlässig loswerden wollen, empfiehlt sich daher eine OP, bei der die Gallenblase zusammen mit den Steinen entfernt wird.


Die OP wird minimalinvasiv, per Schlüssellochverfahren während einer Bauchspiegelung vorgenommen. Die Risiken dieser Therapie sind relativ gering, es bleiben kaum bis keine sichtbare Narben zurück und das Problem der Gallensteine hat sich ein für allemal erledigt. Wenn Sie nach der OP ein wenig auf Ihre Ernährung achten und nicht zu viel Fett auf einmal essen, können Sie für gewöhnlich gut ohne Gallenblase leben.


Wann Sie Gallensteine entfernen lassen sollten


Allerdings ist es nicht sinnvoll, die Gallenblase vorsorglich zu entfernen. Auch Gallensteine müssen Sie nicht zwingend behandeln lassen, solange sie keine Beschwerden verursachen. Schließlich bergen auch risikoarme Eingriffe noch Gefahren, selbst, wenn diese sehr gering sind. Sobald Sie jedoch starke Bauchschmerzen bis hin zu Koliken bekommen oder Fieber aufkommt, sollten Sie damit zum Arzt gehen. Stellen sich Gallensteine als Verursacher heraus, ist eine Gallenblasenentfernung ratsam.


Gallensteine im Gallengang: Was tun?


Manchmal wandern kleinere Steine in den Gallengang und drohen, eine Bauchspeicheldrüsenentzündung auszulösen. Bevor es dazu kommt, müssen sie unbedingt entfernt werden. Krampfartige Bauchschmerzen machen Betroffene auch in diesem Fall auf die Gallensteine aufmerksam. Per Spiegelung wird der feine Grieß aus dem Gallengang herausgenommen. Wichtig ist, dass Sie nicht zu lange warten, wenn Sie häufiger Bauchschmerzen haben oder plötzlich sehr starke Beschwerden verspüren. Lassen Sie auf jeden Fall ärztlich abklären, was dahintersteckt.


Leben ohne Gallenblase: Tipps


Im Grunde brauchen Sie ohne Gallenblase keine spezielle Diät einzuhalten. Allerdings ist es gut möglich, dass Sie sehr fettreiche Mahlzeiten nicht mehr gut vertragen. Versuchen Sie daher, vorsorglich auf Frittiertes zu verzichten, lieber magere als fette Fleischsorten zu wählen, und die Portionsgrößen zu verkleinern. Dies hat den weiteren Vorteil, dass Sie auf diese Weise Kalorien sparen und eventuelles Übergewicht allmählich reduzieren können.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

CK
Autor/-in
Christopher Kiel
Wie finden Sie diesen Artikel?