Expertenrat. Diabetes mellitus: So riskant sind Unterzucker und stark erhöhte Blutzuckerwerte
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Expertenrat. Diabetes mellitus: So riskant sind Unterzucker und stark erhöhte Blutzuckerwerte

Zu hohe und zu niedrige Blutzuckerwerte können bei Diabetes mellitus gefährlich sein – das gilt sowohl für Diabetes Typ 1 als auch Diabetes Typ 2 und alle anderen Diabetesformen. Welche Gefahren von einer Unterzuckerung und von zu hohen Blutzuckerwerten ausgehen, weiß Professorin Monika Kellerer von der Deutschen Diabetes Gesellschaft. 

Gelbe Seiten: Wann droht bei einem Diabetes eine Unterzuckerung, also eine Hypoglykämie?

Prof. Kellerer: Sie tritt dann auf, wenn der Blutzuckerspiegel unter den Normwert von 70 mg/dl beziehungsweise 3,9 mmol/l sinkt. Vor allem bei Diabetespatienten, die Insulin spritzen müssen oder die Medikamente nehmen, welche die Insulinproduktion anregen, ist das Risiko für eine Unterzuckerung erhöht. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn zu viel Insulin gespritzt wird, der Patient nicht ausreichend isst oder das Sporttraining besonders intensiv war. Auch  Alkohol kann das Risiko für Unterzuckerungen erhöhen.

Gelbe Seiten: Welche Beschwerden treten bei einer Unterzuckerung auf?

Prof. Kellerer: Zu den Symptomen einer Unterzuckerung gehören unter anderem Schwitzen, Zittern, Heißhunger, Herzrasen, Kopfschmerzen, Schwäche, Schwindel, Konzentrations-, Sprach- und Sehstörungen. Dann sollten Diabetespatienten rasch zu Traubenzucker oder zuckerhaltigen Getränken wie Limonade greifen, um ein weiteres Absinken der Blutzuckerwerte zu verhindern. In Diabetesschulungen können Betroffene lernen, wie man Unterzuckerungen vermeidet, aber auch wie man die Warnzeichen eines drohenden Unterzuckers frühzeitig erkennt und dem gegensteuert. 

Gelbe Seiten: Welche Folgen kann eine Unterzuckerung haben?

Prof. Kellerer: Sinkt der Blutzucker zu stark ab, kann es neben den genannten Beschwerden im Extremfall zu Bewusstlosigkeit und damit einhergehenden Verletzungen kommen. Kritisch ist das zum Beispiel beim Autofahren oder Bedienen von Maschinen. Daneben haben häufige und schwere Unterzuckerungen auch negative Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System und das Gehirn. Unterzuckerungen verschlechtern zudem die Lebensqualität der Patienten.  

Gelbe Seiten: Wann sind bei einem Diabetes die Blutzuckerwerte zu hoch, wann liegt eine Ketoazidose vor?

Prof. Kellerer: Ein Diabetes liegt ab einem Nüchternblutzuckerwert von 126mg/dl (7,0 mmol/l) vor. Wird der Blutzuckerwert nicht nüchtern, sondern zu einer beliebigen Tageszeit gemessen, liegt der Grenzwert bei 200mg/dl (11,1 mmol/l). In der Diabetestherapie versucht man, möglichst normale Blutzuckerwerte zu erreichen, jedoch ohne das Risiko für Unterzuckerungen dabei zu erhöhen.   

Die diabetische Ketoazidose ist eine schwere lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung aufgrund von Insulinmangel. Sie tritt deshalb vorwiegend bei Patienten mit Typ 1 Diabetes auf. Fehlt dem Körper Insulin, kommt es zur alternativen Energiegewinnung über den Abbau von Fett. Hierbei entstehen saure Stoffwechselprodukte, die sogenannten Ketonkörper, welche sich auch im Urin messen lassen. Typischerweise  finden sich bei der Ketoazidose ein Blutzucker über 250 mg/dl und eine Übersäuerung des Blutes. 

Gelbe Seiten: Was sind die Symptome einer Überzuckerung und einer Ketoazidose?

Prof. Kellerer: Zu den Symptomen hoher Zuckerwerte gehören vermehrter Durst und häufiger Harndrang. Auch Schwäche, Gewichtsverlust und eine vermehrte Infektionsneigung kann bei hohen Blutzuckerwerten vorkommen. Bei einer diabetischen Ketoazidose leiden die Patienten unter Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen, bis es schließlich zu Bewusstseinstrübungen und zum Koma kommt.

Gelbe Seiten: Welche Folgen kann eine Überzuckerung haben?

Prof. Kellerer: Bei dauerhaft hohen Blutzuckerwerten treten unter anderem Schäden am Auge, an den Nieren und an den Nerven auf. Auch eine Durchblutungsstörung der Beine mit schlecht heilenden Wunden am Fuß kann Folge dauerhaft hoher Blutzuckerwerte sein.

Gelbe Seiten: Vielen Dank für das Gespräch.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel

Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.

 

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Experte/-in
Professorin Dr. med. Monika Kellerer

Professorin Dr. med. Monika Kellerer

ist Ärztliche Direktorin der Klinik für Innere Medizin, Diabetologie und Endokrinologie am Marienhospital Stuttgart. Sie ist zudem Vizepräsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

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