Die tödliche Wahrheit über die Einsamkeit

Zighundert Freunde online – und doch irgendwie einsam. Wie passt das zusammen? Auch in unserer doch eigentlich hoch vernetzten Welt, in der Dank Smartphone quasi jeder jederzeit mit jedem kommunizieren kann, machen die meisten Erwachsenen im Laufe ihres Lebens Erfahrungen mit dem Gefühl der Einsamkeit. Und das ist wohl eines der schmerzhaftesten Gefühle, die ein Mensch empfinden kann. Über die unangenehme Empfindung hinaus, kann Einsamkeit aber auch schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben. Diese Erkenntnis ist umso dramatischer, da die Zahl der einsamen Menschen zunimmt, obwohl wir doch eigentlich so vernetzt sind wie nie. Wie es dazu kommen kann und wie sich einsame Menschen selbst helfen können, bringen neue Studien jetzt ans Licht.   

Alleinsein und Einsamkeit sind nicht dasselbe

„Einsamkeit“ bezeichnet für gewöhnlich eine negative Emotion, die entsteht, wenn die Differenz zwischen einer Beziehung, die man sich wünscht, und der Beziehung, die man tatsächlich hat bzw. nicht hat, zu groß wird. Die unangenehmen Gefühle, die die Einsamkeit dabei auslöst, sind subjektiv: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass es nicht darauf ankommt, wie lange jemand alleine oder in Gesellschaft verbringt, sondern wie innig und wertvoll die Beziehungen sind, die geführt werden. Es kommt also auf die Qualität der sozialen Kontakte und nicht auf die Quantität an.

Manchmal ist Einsamkeit ein vorrübergehender Gefühlszustand und deshalb auch relativ leicht durchzustehen. Dies ist meistens bei Umzügen oder längeren Auslandsaufenthalten der Fall. Bei anderen, schwerwiegenderen Veränderungen, wie beispielsweise dem Tod einer nahestehenden Person, kann das Gefühl alleine zu sein nicht so leicht überwunden werden und im schlimmsten Fall sogar dauerhaft bestehen bleiben.

Für die Gesundheit so gefährlich wie starkes Übergewicht

Forscher haben festgestellt, dass Einsamkeit und soziale Isolation nicht zu unterschätzende Risiken für unsere Gesundheit darstellen und sogar einen vorzeitigen Tod hervorrufen können. Die Konsequenzen, die von einem Mangel an gesellschaftlichen Beziehungen ausgehen, können hierbei mit den Folgen von Fettleibigkeit auf unseren Körper gleichgesetzt werden. So kann das Alleinsein zu Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Problemen oder sogar zu frühzeitiger Demenz führen.

Wie Einsamkeit und Depressionen zusammenhängen

Auch wenn Depressionen und das Einsamkeitsgefühl teilweise Ähnlichkeiten aufweisen, sind sie trotzdem verschieden. Einsamkeit ruft hauptsächlich negative Gefühle über das soziale Leben hervor, während Depressionen generell negative Gefühle hervorrufen, die sich nicht unbedingt auf einen gewissen Teil des eigenen Lebens beziehen, sondern oftmals allgemeiner Natur sind. In einer Studie, die sich mit der Einsamkeit älterer Erwachsener beschäftigt, stellte man fest, dass Einsamkeit Depressionen nach sich gezogen hat, eine umgekehrte Beobachtung konnte hier jedoch nicht gemacht werden. Das Einsamkeitsgefühl muss also nicht unbedingt in einem Zusammenhang mit Depressionen stehen.

Warum neue Bekanntschaften nicht die Lösung aller Probleme sind

Vielen einsamen Menschen wird geraten, sich einer Gruppe anzuschließen oder neue Freunde zu suchen, mit der Annahme, dass das Einsamkeitsgefühl dann sofort verschwindet. Doch oftmals haben diese Menschen Zweifel an sich selbst und anderen, was sich in unsicherem oder sogar abweisendem Verhalten gegenüber anderen äußern kann. Die Kontaktaufnahme fällt dann umso schwerer und das Alleinsein kann sich schnell zum Teufelskreis entwickeln. Studien, die sich mit dem Umgang mit der Einsamkeit beschäftigt haben, zeigen, dass das Arbeiten an der eigenen Einstellung zu sich selbst und zu Mitmenschen einen effektiveren Weg aus der Einsamkeit darstellt, als das krampfhafte Suchen nach neuen Kontakten. Eine andere vielversprechende Lösung dem Alleinsein zu entkommen, ist es, die Qualität von bereits bestehenden Beziehungen zu verbessern und zu intensivieren, denn wie bereits erwähnt, hängt das eigene Wohlbefinden stark von der Qualität und nicht von der Quantität der sozialen Kontakten ab.

Reale statt virtuelle Freunde

Gerade in Zeiten der sozialen Netzwerke neigen wir dazu, die Gefahren der Einsamkeit zu unterschätzen. Die Möglichkeit, viele flüchtige Bekanntschaften zu machen und diese dann als „Freunde“ zu betiteln, lässt die Bedeutung von ehrlichen, intensiven Beziehungen leider immer mehr in den Hintergrund rücken. Die Herausforderung besteht deshalb oft darin, sich nicht von der hohen Freundeszahl im sozialen Netzwerk blenden zu lassen, sondern sich der eigenen Einsamkeit erst einmal bewusst zu werden und wirklich bedeutende Bindungen zu Mitmenschen aufzubauen, um sich aus dieser zu befreien. Denn die immer größer werdende Anzahl an wissenschaftlichen Erkenntnissen, die die negativen Konsequenzen von Einsamkeit hervorheben, sprechen für sich.

Nehmen Sie sich also Zeit für Ihre realen sozialen Beziehungen, denn es sind genau diese Kontakte, die Ihnen das Gefühl der Einsamkeit nehmen und Sie am gemeinschaftlichen Leben teilhaben lassen.