Was bedeutet Urheberrecht im Spezialfall Internet?

Der Siegeszug von Computer und Internet stellt das Urheberrecht vor ungeahnte Herausforderungen. Geschaffen für den Schutz der Urheber von „Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst […]“ ist das Urheberrechtsgesetz (UrhG) seit 1966 in Kraft. Seitdem hat sich die mediale Landschaft jedoch gravierend verändert.

Mit Zunahme der technischen Möglichkeiten sind die Anforderungen an das Urheberrecht gestiegen. Drei Novellierungen hat das Gesetz bereits hinter sich, allesamt in den 2000er-Jahren. Dennoch gibt es blinde Flecken, vor allem im Bereich Internet.

Pauschale Regelungen sind schwierig

Im Internet stehen sich die verschiedenen Interessen von Urhebern, Verwertern und Nutzern gegenüber. Verwerter sind beispielsweise Verlage, Musiklabels und Filmverleiher. Sowohl Urheber als auch Verwerter haben ein (finanzielles) Interesse daran, die Nutzung eines Werkes zu steuern. Die Nutzer wiederum haben ganz unterschiedliche Intentionen. Die Bandbreite reicht von der Nutzung eines Bildes aus dem Internet zur Untermalung der eigenen Homepage bis hin zum Download von Filmen.

Aufgrund der Vielfalt medialer Inhalte gibt es für das Urheberrecht im Internet nicht die eine Definition. Häufig entscheidet der Einzelfall. Umso schwieriger ist es oft für Internetnutzer, die Rechtslage einzuschätzen. Urlaubsvideos, Handyfotos, Computerspiele, Filme – unser Alltag ist voll mit digitalen Medien, aber kaum ein Nutzer kennt sich mit den urheberrechtlichen Bestimmungen aus.

Urheberrecht und Copyright sind nicht dasselbe

Häufig wird das Urheberrecht auch als Copyright bezeichnet. Das ist allerdings falsch. Beim Copyright handelt es sich um die im anglo-amerikanischen Raum verbreitete Grundlage zum Schutz kommerzieller Verwertungsrechte – also das Recht zur kommerziellen Nutzung von Fotos, Videos und dergleichen. Das Urheberrecht hingegen schützt zwar ebenfalls die finanziellen Interessen eines Urhebers – darüber hinaus schützt es jedoch auch dessen Persönlichkeits- und Ausschließlichkeitsrecht.

Das Recht eines Urhebers

Grundsätzlich hat der Urheber eines Werkes das Recht, über dessen Veröffentlichung oder Aufführung zu entscheiden. Dazu gehört auch das Recht, zu bestimmen, wie das Werk kopiert oder verbreitet werden darf. Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass Werke im Internet ohne Copyright-Vermerk nicht dem Urheberrecht unterliegen. Um vom Urheberrecht geschützt zu werden, muss ein Werk jedoch keinen speziellen Hinweis auf das Urheberrecht enthalten. Es muss außerdem nirgends angemeldet oder verzeichnet werden – das Urheberrecht entsteht, sobald eine künstlerische Idee in eine konkrete Form gebracht wird.

Disclaimer haben oft keine Gültigkeit

Viele Nutzer versuchen, sich mit sogenannten Disclaimern (Haftungsausschlüssen) und Klauseln vor Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen zu schützen. Die schlechte Nachricht: So einfach ist es leider nicht. Es ist nicht möglich, mit einem selbst erklärten Haftungsausschluss geltende Gesetze zu umgehen. Auch die Bitte, bei Rechtsverletzungen vor einer Abmahnung den Seiteninhaber zu kontaktieren, ist zwar gut gemeint, hat jedoch keine rechtliche Wirkung.

Urheberrecht in sozialen Netzwerken: Bilder und Fotos

Werden Fotos auf einer Plattform veröffentlicht, die das Teilen ausdrücklich zulässt, wie etwa das Teilen eines Fotos auf Facebook, gilt die Zustimmung durch die originäre Veröffentlichung als erteilt. Wer fremde Fotos oder Bilder auf Homepages oder in sozialen Netzwerken verbreitet, sollte dazu allerdings die Zustimmung des Urhebers einholen. Andernfalls droht eine Abmahnung. Insbesondere bei Bildern, die von unbekannten Quellen im Netz stammen, ist von der Verwendung abzuraten.

Das Urheberrecht sieht für Bilder im Internet zur privaten Nutzung die gleiche Regelung vor wie für kommerziell genutzte Bilder. Es gilt auch dann noch, wenn ein Foto bereits mehrfach im Netz verbreitet wurde und damit vermeintlich zum Allgemeingut geworden ist. Wurde das Bild oder Foto bearbeitet, kann der Urheberrechtsschutz entfallen – allerdings nur dann, wenn der Unterschied zum Original groß genug ist. Hierfür gibt es keine festen Vorgaben, es handelt sich jeweils um eine Ermessensfrage.

Musik und Videos in sozialen Netzwerken

Ist für Musik oder Videos die Share-Funktion freigegeben, kann ein Nutzer auch hier davon ausgehen, dass der Urheber, wenn er ein Werk selbst hochgeladen hat, mit dessen Verbreitung einverstanden ist – eine Verletzung des Urheberrechts droht in diesem Fall nicht. Stellen Sie einen sogenannten Embedded Link über Ihren Account oder auf Ihrer Webseite zur Verfügung, ist dies ebenfalls zulässig. Das bedeutet, dass andere User nicht zu einer Videoplattform wie YouTube weitergeleitet werden, auf der sich das Video eigentlich befindet, sondern die Musik oder das Video von der Ursprungsseite auf Ihre Seite gestreamt und dort abgespielt wird.

Urheberrecht für Texte im Internet

Was für Bildmaterial gilt, gilt ebenso für Texte. Trotz der vielfach erwähnten Zitierfreiheit sind Texte im Internet nicht frei vom Urheberrecht. Die Zitierfreiheit kann unter bestimmten Bedingungen die Wiedergabe vollständiger wissenschaftlicher Werke (Großzitat) oder von Stellen eines Werkes (Kleinzitat) erlauben. Beides muss aber einen bestimmten Zweck erfüllen.

Wird ein Zitat zum Beispiel innerhalb eines anderen Textes verwendet, muss es mit dessen Inhalt in einem Zusammenhang stehen, zur Erläuterung eines Gedankens oder Ähnlichem dienen. Dies ist beispielsweise nicht der Fall, wenn ein Zitat ohne näheren Zusammenhang auf eine Homepage gestellt wird, um diese zu schmücken. Außerdem müssen der Urheber und die Quelle des Zitats auch bei einer zulässigen Verbreitung stets angegeben werden.

Gemeinfreiheit – wann erlischt das Urheberrecht?

Alle Werke, die unter das Urheberrechtsgesetz fallen, genießen für eine bestimmte Zeit rechtlichen Schutz. 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers erlischt dieser allerdings und das Werk wird „gemeinfrei“. Handelt es sich bei dem Werk um einen Schnappschuss, also kein Kunstwerk, läuft der Schutz bereits nach 50 Jahren ab. Für literarische Werke, die übersetzt wurden, gilt eine weitere Ausnahme: Ihr Urheberrechtsschutz erstreckt sich auf einen Zeitraum von 70 Jahren nach dem Tod des Übersetzers. Durch die Übersetzungsleistung ist auch dieser zum Urheber geworden. An einer Filmproduktion sind häufig viele verschiedene Urheber beteiligt. Regisseur, Drehbuchautor, Dramaturg und die weiteren Urheber müssen bereits seit 70 Jahren verstorben sein, bevor auch ein Film gemeinfrei werden kann.

Tweets unterliegen nicht dem Urheberrecht

Tweets zu retweeten, stellt keinen Urheberrechtsverstoß dar. Ähnlich wie bei der Share-Funktion erklären sich die Twitter-User damit einverstanden, dass ihre Tweets verbreitet werden. Enthält ein Tweet allerdings eine Urheberrechtsverletzung, stellt die Verbreitung ebenfalls eine Verletzung des Urheberrechts dar. Ähnlich verhält es sich mit Verlinkungen auf externe Inhalte, zum Beispiel auf andere Webseiten. Diese sind zulässig, sofern sich hinter dem verlinkten Inhalt keine Urheberrechtsverletzung verbirgt.

Filesharing und Downloads

Kostenlose Software (Freeware), Open-Source-Software und andere kostenlos angebotenen Dateien dürfen – entsprechend der jeweiligen Lizenzbedingungen – getauscht und verbreitet werden. Wenn die Quelle, aus der die Software stammt, offensichtlich rechtswidrig ist, ist das Herunterladen und Weitergeben der Daten wiederum nicht zulässig. Das ist regelmäßig der Fall, wenn etwa ein Spiel, ein Film oder ein Musik-Album gerade erst erschienen ist und eigentlich nur auf kommerziellen Plattformen gekauft werden kann oder noch gar nicht im Handel erhältlich ist.

Was sind Creative Commons?

Neben den klassischen Bestimmungen gibt es eine neue Möglichkeit, mit dem Urheberrecht umzugehen: Creative Commons. Die sogenannten CC-Lizenzen ermöglichen es Künstlern, selbst zu bestimmen, in welchem Umfang ihre Werke urheberrechtlich geschützt sein sollen – oder eben nicht. Diese Option kommt zum Beispiel beim Anbieten von Fotos über Bildagenturen zum Einsatz. Für alle Befürworter des freien Austausches von Werken im Internet ist das eine willkommene Abwechslung zum restriktiven Urheberrecht. Durch die Digitalisierung werden so ganz neue Formen der Kreativität ermöglicht. Zudem wird die Autonomie des Urhebers gestärkt, frei entscheiden zu können, in welchem Umfang er sein Werk der Gemeinschaft zugänglich machen möchte.

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