Wer bekommt Kindesunterhalt?

Kindesunterhalt gibt es grundsätzlich in drei Formen:

  1. Naturalunterhalt 
  2. Betreuungsunterhalt
  3. Barunterhalt

Die ersten beiden werden in der Regel von der Person geleistet, bei der das Kind lebt und umfassen finanzielle und nicht-finanzielle Aufwendungen wie Wohnen, Essen und Erziehung.

Mit der Frage nach dem Kindesunteralt ist daher meist eigentlich der Barunterhalt gemeint, den derjenige zahlen muss, bei dem das Kind nicht lebt.

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) legt ganz rudimentär fest, wer wem Unterhalt zahlen muss. Relevant sind danach vor allem §1601 ff. BGB, aus denen sich Folgendes ergibt:

  • Kinder und Eltern sind einander zum Unterhalt verpflichtet, da sie in gerader Linie miteinander verwandt sind.
  • Ein Unterhaltsanspruch besteht nur dann, wenn eine entsprechende Bedürftigkeit besteht.
  • Eine Unterhaltspflicht gibt es nur, wenn die Zahlung nicht die eigene Existenz gefährdet.

Haben Sie Kinder, sind Sie ihnen gegenüber also potenziell zum Unterhalt verpflichtet. Später im Leben kann es sein, dass Ihre Kinder Sie unterstützen müssen. 

Die Unterhaltsverpflichtung ist übrigens nicht an das Umgangsrecht gekoppelt. Ob Sie überhaupt Kontakt zu Ihrem Kind haben, spielt also keine Rolle.

Bis wann muss man den Unterhalt für das Kind zahlen?

Immer wieder werden verschiedene Zahlen genannt, bis zu welchem Alter die Unterhaltspflicht für die Kinder besteht. Fakt ist aber: Das Gesetz (§1601 BGB) definiert keine Altersgrenze. Entscheidend ist die Bedürftigkeit. 

Als bedürftig gilt, wer seinen Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten kann. Davon ist grundsätzlich immer auszugehen, wenn das Kind noch minderjährig ist. Auch Auszubildenden und Studierenden ist in der Regel nicht zuzumuten, so viel zu arbeiten, dass sie ihr Leben allein finanzieren könnten. Daher ist auch Unterhalt für volljährige Kinder keine Seltenheit. Ab dem 18. Geburtstag sind dann beide Elternteile barunterhaltspflichtig.

Wie viel Unterhalt muss man pro Kind zahlen?

Die Höhe des Unterhalts wird für jeden Fall individuell entschieden. Das machen die Familiengerichte aber natürlich nicht willkürlich. Das wichtigste Instrument dabei: die Düsseldorfer Tabelle. Die wichtigsten Faktoren: 

  • Alter des Kindes:  Je älter, desto höher der Unterhalt.
  • Einkommen des Unterhaltspflichtigen: Wer viel verdient, muss mehr zahlen.
  • Anzahl der Unterhaltsberechtigten: Je mehr Menschen Ansprüche haben, desto geringer wird der Unterhalt pro Kind.

Zusätzlich zum Unterhalt können noch Sonder- und Mehrkosten anfallen – etwa für Klassenfahrten, Kieferorthopäden oder Nachhilfe.

Zahnspange und Co. können noch zusätzlich zum Unterhalt zu Buche schlagen.

Zahnspange und Co. können noch zusätzlich zum Unterhalt zu Buche schlagen.

Der Kindesunterhalt soll aber nicht dazu führen, dass der Zahlungspflichtige selbst in finanzielle Not gerät. Deswegen gibt es den sogenannten Selbstbehalt – der kann unterschiedlich hoch sein, je nachdem, wo das Kind in der Rangfolge steht.

Wann muss man keinen Unterhalt zahlen?

Unter Umständen müssen Sie keinen oder nur einen sehr viel geringeren Unterhalt für Ihr Kind zahlen. Etwa in folgenden Situationen:

  • Sie würden durch die Zahlung des Kindesunterhalts unter die Selbstbehaltsgrenze rutschen.
  • Sie teilen sich die Kinderbetreuung mit dem anderen Elternteil im Wechselmodell und haben gleiche Einkommens- und Vermögensverhältnisse.
  • Das volljährige Kind bemüht sich nicht ausreichend um wirtschaftliche Selbstständigkeit – bricht zum Beispiel immer wieder die Ausbildung ab.
  • Der betreuende Elternteil hat ein erheblich höheres Einkommen.
Enge Beziehung oder gar kein Kontakt zum Kind? In Sachen Unterhalt macht das keinen Unterschied.

Enge Beziehung oder gar kein Kontakt zum Kind? In Sachen Unterhalt macht das keinen Unterschied.

Sich mittels künstlicher Arbeitslosigkeit um den Kindesunterhalt drücken – das ist keine gute Idee. Wer grundsätzlich zahlungspflichtig ist, muss sich um entsprechende Beschäftigung bemühen. Zweifelt das Gericht diese Bemühungen an, wird womöglich ein fiktives Einkommen zur Berechnung angesetzt und auf dessen Grundlage die Unterhaltshöhe berechnet – ganz gleich, ob das Geld wirklich da ist.

Übrigens: Sollte sich der Nachwuchs als Kuckuckskind entpuppen, sind Sie in der Regel nicht unterhaltspflichtig und können theoretisch Regressansprüche gegen den echten Kindsvater geltend machen. In der Realität lohnt sich das allerdings meist nicht.

Ist Kindesunterhalt steuerlich absetzbar?

Theoretisch kann der Kindesunterhalt bei der Steuer als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden, allerdings nur, wenn:

  • kein Kindergeld gezahlt wird
  • kein Kinderfreibetrag in Anspruch genommen wird 

Praktisch besteht diese Möglichkeit also eher selten.

Bewerten:
Artikel

Unterhalt für das volljährige Kind: Welcher Anspruch ab 18?

Kinder kosten Geld, das wissen alle Eltern. Auch für Volljährige können...

weiterlesen
Unterhalt für das volljährige Kind: Welcher Anspruch ab 18?
Artikel

Unterhalt einklagen: Was tun, wenn der Expartner nicht für das Kind zahlt?

Eine Trennung verläuft selten harmonisch. Haben die ehemaligen Partner ein gemeinsames...

weiterlesen
Unterhalt einklagen: Was tun, wenn der Expartner nicht für das Kind zahlt?
Weitere Artikel im Ratgeber: Unterhalt
Artikel

Unterhaltsvorschuss beantragen: Hilfe für Alleinerziehende

Der Unterhalt eines Kindes ist teuer. Sind die Eltern getrennt, kann es für...

weiterlesen
Unterhaltsvorschuss beantragen: Hilfe für Alleinerziehende
Artikel

Selbstbehalt beim Kindesunterhalt: Wie viel Geld bleibt für den Eigenbedarf?

Auch wer unterhaltspflichtig ist, muss sich selbst versorgen können –...

weiterlesen
Selbstbehalt beim Kindesunterhalt: Wie viel Geld bleibt für den Eigenbedarf?
Artikel

Unterhalt beim Wechselmodell: Was, wenn das Kind bei beiden Eltern lebt?

Viele getrennte Partner teilen sich die Betreuung des gemeinsamen Kindes. Tun sie...

weiterlesen
Unterhalt beim Wechselmodell: Was, wenn das Kind bei beiden Eltern lebt?
Weitere Themen in Recht & Finanzen
5 Elemente
Ratgeber: Rechtsfragen rund um den Winter
Alle Elemente
5 Elemente Ratgeber: Rechtsfragen rund um den Winter
4 Elemente
Ratgeber-Special: Weihnachten & Silvester
Alle Elemente
4 Elemente Ratgeber-Special: Weihnachten & Silvester
4 Elemente
Ratgeber: Weihnachtsfeier
Alle Elemente
4 Elemente Ratgeber: Weihnachtsfeier
6 Elemente
Ratgeber: Autofahren im Winter
Alle Elemente
6 Elemente Ratgeber: Autofahren im Winter