artesischer brunnen
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Brunnenarten: Wie Sie den richtigen Brunnen finden

Vielleicht planen Sie derzeit, Ihren Garten mit einem Brunnen zu verschönern? Oder Sie denken bei einem Brunnen an einen ganz praktischen Nutzen, wie beispielsweise zur Gartenbewässerung - oder gar als erfrischende Trinkwasserquelle an manch heißen Sommertagen? Wir möchten Ihnen helfen, den für Sie richtigen Brunnen zu finden und geben Ihnen dazu einen umfassenden Überblick über Brunnenarten und ihre Einsatzmöglichkeiten.

Welcher Brunnentyp? In wenigen Schritten zum richtigen Brunnen!

Bevor Sie sich auf eine Brunnenart festlegen, sollten Sie für sich zunächst grundlegende Fragen klären:

  1. Wofür möchte ich einen Brunnen nutzen?
  2. Welchen optischen und dekorativen Anforderungen soll er genügen?
  3. Passt er zu meinen gartenbaulichen Voraussetzungen und zur Bodenbeschaffenheit?
  4. Was darf er kosten und wie aufwändig ist sein Betrieb?

Diese Brunnenarten eignen sich grundsätzlich für die Gartennutzung

Um Ihnen die Klärung dieser Fragen etwas zu erleichtern, geben wir Ihnen Einblicke über die Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten für Ihren Garten am Beispiel der gängigsten Brunnenarten zur Privatnutzung. Dazu beleuchten wir relevante Aspekte wie die Förderleistung, den Aufwand beim Brunnenbohren und im Betrieb und werfen einen ersten Blick auf die Kosten.

Der Rammbrunnen: Die unkomplizierte Art, Nutzwasser zu fördern

Das Bohren von Rammbrunnen (auch als Schlagbrunnen bezeichnet) ist mit vergleichsweise geringem Aufwand und niedrigen Kosten verbunden. Zur Wasserförderung werden oftmals Handpumpen, vereinzelt auch elektrisch betriebene Kreiselpumpen eingesetzt. Ein limitierender Faktor ist dabei die geringe Bohrtiefe: Diese hängt im Wesentlichen von der Art und Beschaffenheit des Bodens ab, wobei die maximalen Bohrtiefen in der Größenordnung von etwa sieben Metern liegen. Klären Sie deshalb bereits vor dem Brunnenbohren die hydrogeologischen Zugangsmöglichkeiten zu ergiebigem Grundwasser. Gleiches gilt auch für die Wasserabgabe in den Böden.

Beachten Sie außerdem die grundsätzlich moderaten Förderleistungen (je nach Filterrohr) für Ihre geplante Nutzung. Durch Ablagerung von Sedimenten und Verunreinigungen kann sich die Förderleistung im fortlaufenden Betrieb verringern, was bedeutet, dass das Filterrohr meist nach wenigen Jahren ausgetauscht werden muss. Apropos Verunreinigung: Rammbrunnen eignen sich aufgrund der geringen Bohrtiefe und der damit begrenzten Zugangsmöglichkeit zu einer mit der Trinkwasserverordnung [1] konformen Wasserqualität nicht als Hausbrunnen zur Trinkwasserförderung. Eine Nutzung zur Bewässerung für die eigene Kleingartenanlage ist jedoch meist möglich. Zudem punktet der Rammbrunnen durch die relative Standortwahl, beispielsweise auch im ländlichen Gebiet.

Das Bohren eines Rammbrunnens in Eigenregie ist grundsätzlich möglich. Schätzen Sie aber Ihre eigenen Fähigkeiten realistisch ein: Die Beauftragung eines Fachbetriebs kann eine zielführendere Alternative darstellen. Die Branche nennt Kosten fürs Brunnenbohren in der Größenordnung von 300 EUR. Fragen Sie nach einem Angebot.

Der Bohrbrunnen: Brunnenart mit vielen Nutzungsmöglichkeiten

Bohrbrunnen zeichnen sich durch deutlich tiefere Bohrmöglichkeiten und eine bessere Zugänglichkeit zum Grundwasser aus. Im Vergleich zum Rammbrunnen eröffnen Ihnen Bohrbrunnen damit eine deutlich größere Anwendungsvielfalt – insbesondere mit Blick auf erzielbare Förderleistungen und Wasserqualität. Die geführten Bohrungen zum Grundwasserleiter sind sowohl durch Lockergestein als auch durch feste Bodenschichten möglich. 

Grundsätzlich unterscheiden sich Bohrbrunnen nach der Art der Wasserförderung. Ein Bohrbrunnen mit Hauswasserwerk ermöglicht teils hohe Förderleistungen, welche lediglich durch die Fördermenge des Hauswasserwerks selbst begrenzt sind. Auch der Grundwassertand ist auf circa sieben Meter begrenzt. Dieser Limitierung lässt sich durch einen Bohrbrunnen mit Tiefbrunnenpumpe begegnen: Hier sind teils deutlich größere Bohrtiefen möglich (circa 10 bis 30 Meter), was eine gute Grundwasserförderung auch in hydrogeologisch anspruchsvollerem Terrain ermöglicht. Und dies bei einer prinzipiell hohen Förderleistung. Die lange Einsatzdauer verdankt der Bohrbrunnen seiner robusten Ausfertigung, der funktionellen Trennung von Brunnenfilterrohr und Vollwandrohr zur Wasserförderung sowie baulich-konstruktiven Maßnahmen zum Fernhalten von Sickerwasser (Lehmschicht, Drainagen).

Das Bohren eines Bohrbrunnens erfolgt durch die wasserführende Schicht bis zum Grundwasserträger. Zum Abteufen sind Spezialequipment und professionelles Knowhow gefragt. Konsultieren Sie dazu am besten Ihren Fachbetrieb. Der Aufwand beim Brunnenbohren und die Robustheit des Bohrbrunnens spiegeln sich in den Kosten wieder: Eine Investition von etwa 1.500 EUR sollten Sie für Ihr Budget einkalkulieren.

Der Schachtbrunnen: Romantischer Brunnentyp aus dem Reich der Fabeln

Vermutlich ist der Schachtbrunnen die erste bildliche Vorstellung, die Ihnen beim Gedanken an einen Brunnen in den Sinn kommt. Vielleicht sogar in Form eines Ziehbrunnens – samt Kurbel und Holztrog. Und das nicht ohne Grund: Diese alte Brunnenart ist auch heute noch in Schlössern, Ruinen und archäologischen Ausgrabungen in großer Anzahl und Ausführungsvielfalt zu finden.

Der Schachtbrunnen wird heute aufgrund seiner vergleichsweise hohen Investitionskosten und begrenzten Funktionalität eher selten gebaut. Hierzu wird ein Schacht ausgehoben und durch einen Betonring stabilisiert. Auch eine Ausführung als Senkbrunnen mit Mauerkranz ist möglich. Die Aushebungstiefe von Schachtbrunnen ist vergleichsweise gering und die Grundwasserförderung erfolgt meist durch eine Handpumpe – mit entsprechend geringen Förderleistungen. Nutzwasser lässt sich jedoch auch durch Eintrag von Regen- beziehungsweise Sickerwasser beziehen. Um einer etwaigen Wasserfäulnis und sonstigen Kontaminationen durch Umgebungseinflüsse entgegenzuwirken, erfordert der Schachtbrunnen ein hohes Maß an fortlaufendem Reinigungsaufwand im Betrieb.

Die Aushebung eines Schachtbrunnens sollte durch einen professionellen Fachbetrieb erfolgen. Die Investitionskosten sind vergleichsweise hoch: Der bauliche Aufwand einschließlich Material bedingt nach Angaben aus der Branche Preise ab 5.000 EUR.

Besondere Anforderungen für die Nutzung als Hausbrunnen zur Trinkwasserförderung

Möchten Sie Ihren Brunnen darüber hinaus zur Förderung und Speicherung von Trinkwasser benutzen, müssen Sie einige weitere Anforderungen an die Wasserqualität und behördliche Auflagen [2] an das Bohren sowie den Betrieb Ihres Hausbrunnens berücksichtigen. Gleiches gilt im Übrigen auch für die Wiederinbetriebnahme beziehungsweise Stilllegung eines bestehenden Hausbrunnens.

Grundsätzlich eignen sich Bohrbrunnen und sogenannte Quellfassungen aufgrund ihrer vergleichsweise großen Bohrtiefe als Hausbrunnen. Konsumierbares Trinkwasser aus Ramm- oder Schachtbrunnen stellt eher die Ausnahme dar. Neben einer genügenden Bohrtiefe bis in „saubere“ Grundwasserschichten ist durch bauliche Maßnahmen eine Kontamination des Wassers zu vermeiden. Solche Maßnahmen umfassen beispielsweise die Anbringung eines Einstiegsdeckels zum Fernhalten von Kleinsttieren oder aber auch die Implementierung von Rückschlagventilen zum Grundwasser.

Und ganz wichtig ist eine entsprechende Brunnenpflege durch eine regelmäßige Reinigung und professionelle Wartung. Dies beinhaltet auch behördlich vorgeschriebene Gutachten zur fortlaufenden Sicherstellung der in der Trinkwasserverordnung aufgeführten Anforderungen hinsichtlich Trinkwasserqualität zum Schutz von Gesundheit und Umwelt.

So gestalten Sie Ihren Brunnen auch optisch ansprechend

Sicherlich steht nicht nur der praktische Nutzen im Fokus Ihrer Entscheidung zum Brunnenbohren. Der ersehnte Brunnen sollte auch Ihren optischen Vorstellungen entsprechen und damit einen markanten Akzent in der Gartenverschönerung insgesamt setzen. Wir verraten Ihnen Tipps von Branchenkennern, wie Sie aus einer trögen Verrohrung ein künstlerisches Meisterwerk kreativer Gestaltungart zaubern!

  1. Reisen Sie in die Welt der Fabeln: Kleiden Sie Ihren Bohrbrunnen partiell mit einem Mauerkranz aus und verbinden Sie damit seine funktionellen und preislichen Vorteile mit der optischen Filigranität eines Schachtbrunnens. Unterstreichen Sie thematisch mit einem Trog.
  2. Erkunden Sie mit Ihrem Brunnen die Welt: Gestalten Sie den Gartenbereich Ihres Brunnens am Vorbild der Flora einer bestimmten Region. Bestücken Sie zum Beispiel Ihren Brunnen mit einem für die Region charakteristischem Naturgestein und ergänzen Sie Skulpturen für einen kulturellen Akzent.
  3. Erfreuen Sie sich am Wasserspiel: Ergänzen Sie Ihren Brunnen mit einem Wasserkreislauf. Zum Beispiel lässt sich mit entsprechenden Natursteinen ein Wasserfallbrunnen oder gar Quellsteinbrunnen nachbilden. Lassen Sie Ihrer Kreativität einfach freien Lauf: Weiterführende Inspiration erhalten Sie auch von Ihrem kompetenten Fachbetrieb.

Fazit: Mit nur drei Überlegungen die richtige Brunnenart finden!

  1. Stellen Sie für sich fest, welchen Nutzungsanforderungen Ihr Brunnen entsprechen soll. Der Brunnentyp sollte sich dabei primär an funktionellen Aspekten wie der Förderleistung oder den Möglichkeiten zum Einsatz als Trinkwasserbrunnen orientieren
  2. Prüfen Sie die hydrogeologischen Voraussetzungen Ihres Gartens. Berücksichtigen Sie den baulichen und finanziellen Aufwand beim Brunnenbohren und vergessen Sie dabei nicht die  Auflagen für einen sicheren Betrieb. Überlegen Sie, dazu möglicherweise eine professionelle Beratung vom entsprechenden Fachbetrieb in Anspruch zu nehmen.
  3. Sie haben Ihren Brunnen der Wahl gefunden: Verschönern Sie ihn doch mit kreativen Elementen und integrieren Sie ihn damit in Ihre persönliche Gartengestaltung.
Checkliste: Die richtige Brunnenart finden
Mit diesen 3 Überlegungen finden Sie die richtige Brunnenart

Viele verschiedene Brunnenarten

Wir haben für Sie vorwiegend Brunnen für den Privatgebrauch in Form eines Gartenbrunnens zur Bewässerung und Trinkwasserförderung betrachtet. Neben den genannten Brunnenarten gibt es eine Vielzahl an weiteren Brunnen für den öffentlichen Raum sowie die sogenannten Versorgungsbrunnen mit entsprechend hohen Förderleistungen. Hierzu zählen beispielsweise Löschwasserbrunnen Pegelbohrungen, Aufschlussbohrungen oder Sickerbrunnen.

Quellen

[1] Bundesamt für Justiz: Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasserverordnung - TrinkwV)

[2] Bundesamt der Justiz und für Verbraucherschutz: Gesetz zur Ordnung des Wasserhaushalts (Wasserhaushaltsgesetz − WHG)

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Dr.-Ing. Rüdiger Reitz
Autor/-in
Dr.-Ing. Rüdiger Reitz ist hauptberuflich im Themenfeld der erneuerbaren Energieträger und alternativen Antriebssysteme unterwegs. Nicht nur seine Fachcommunity hält der Maschinenbauingenieur und teamverantwortliche Projektmanager mit zahlreichen wissenschaftlichen Vorträgen und anwendungsnahen Fachpublikationen auf dem neuesten Stand. Als freier Autor informiert der Hobby-Handwerker auch auf ganz praktischer Ebene seinen Leserkreis über Neuigkeiten aus dem Bereich Heimwerk & Technik. Er ist überzeugt: „Die Ziele fest im Blick behalten - und alles ist machbar!“
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