Zwangsstörungen: Therapie und Diagnose von Zwangserkrankungen
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Zwangsstörungen: Therapie und Diagnose von Zwangserkrankungen

Eine Therapie gegen Zwangsstörungen anzufangen, fällt vielen Betroffenen schwer; sie schämen sich für ihre Zwangsgedanken und Zwangshandlungen und empfinden diese selbst als unsinnig. Damit sich die Störung jedoch nicht verschlimmert und ausbreitet, ist eine möglichst frühzeitige Diagnose und Behandlung sehr wichtig.


Diagnose von Zwangsstörungen: Welche Kriterien erfüllt sein müssen


Vor der Therapie von Zwangsstörungen muss die richtige Diagnose gestellt werden. Der behandelnde Arzt stützt sich dabei auf die Kriterien der aktuellen ICD, der “Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme” (auf Englisch “International statistical Classification of Diseases and other related health issues”). Das Klassifikationssystem wird von der WHO herausgegeben, regelmäßig aktualisiert und ist weltweit für die Diagnosen von Krankheiten anerkannt. Die Zwangsstörung wird unter der Klassifikationsnummer F42 geführt. Eine solche Störung kann sich überwiegend als Zwangsgedanken, überwiegend als Zwangshandlungen oder in einer Mischung aus beidem ausdrücken.


Die Kriterien zur Diagnose von Zwangsstörungen lauten wie folgt:


  • Der Patient weiß, dass die Zwangsgedanken die seinen sind und dass die Zwangshandlungen von ihm ausgehen. Er fühlt sich nicht fremdbestimmt oder von äußeren Einflüssen gesteuert und gezwungen.
  • Die Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen werden immer wiederholt, obwohl Betroffene sich ihrer Unsinnigkeit und Übertriebenheit bewusst sind.
  • Der Patient leidet unter seinen Zwängen und schämt sich dafür.
  • Es wird versucht, gegen die Zwänge anzugehen und ihnen nicht zu folgen, was jedoch nicht gelingt.
  • Betroffene haben wider besseres Wissen Angst vor einer Katastrophe und fürchten, dass etwas Schlimmes passiert, wenn sie ihren Zwängen nicht nachgeben.
  • Die Zwangsstörungen schränken den Patienten in seinem beruflichen und/oder sozialen Leben stark ein, da sie viel Zeit und Aufwand beanspruchen.

Abgrenzung zu anderen psychischen Störungen und Krankheiten


Für eine korrekte Diagnose muss der behandelnde Arzt die Zwangsstörungen von anderen Krankheiten und Störungen unterscheiden, damit er eine passende Therapie beginnen kann. So liegt zum Beispiel nur eine Störung vor, wenn die Zwangsgedanken oder -handlungen an den meisten Tagen beziehungsweise seit zwei Wochen und länger auftreten und den Alltag beeinträchtigen. Die Erkrankung ist nicht gleichzusetzen mit einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung, die einer anderen Therapie bedarf und die von den Betroffenen selbst nicht als quälend und beschämend wahrgenommen wird.


So kann ein Grübelzwang kann im Rahmen einer Depression in Erscheinung treten, wobei die Depression jedoch die Grunderkrankung ist, welche vorwiegend behandelt gehört. Zwangsgedanken und Zwangshandlungen sind zudem mögliche Begleiterscheinungen einer Schizophrenie, werden dort jedoch als fremdbestimmt und von außen eingegeben empfunden. Darüber hinaus ist es möglich, dass die Zwangsstörungen zusammen mit diesen und anderen Krankheiten auftreten.


Kognitive Verhaltenstherapie gegen Zwangsstörungen


Bei Zwangsstörungen erweist sich eine kognitive Verhaltenstherapie oft als erfolgreich. Entsprechende Experten und Fachärzte finden Sie im Anschluss an diesen Artikel. Der behandelnde Arzt setzt sich mit dem Patienten zusammen und bespricht mit ihm seine Probleme und die Therapie, um die Behandlung individuell auf den Betroffenen abzustimmen. Eine häufig angewandte Methode sind dabei sogenannte Expositionsübungen, die beispielsweise bei spezifischen Phobien ebenfalls Anwendung finden. Der Therapeut konfrontiert den Patienten mit dem Reiz, der normalerweise die Zwangsstörungen auslöst. Der Betroffene darf dem Zwang jedoch nicht nachgeben, sondern muss den inneren Druck und seine Ängste aushalten. So muss ein Patient mit Waschzwang zum Beispiel jemandem die Hand geben, ohne sich danach sofort die Hände zu waschen.


Am Anfang mag der innere Druck kaum auszuhalten sein, doch dann lässt er nach, ohne dass der Betroffene dem Zwang nachgegeben hat. Auf diese Weise spürt der Patient, dass er seinen Zwängen nicht ausgeliefert ist, und gewinnt nach und nach seine Selbstkontrolle zurück. Bei Zwangsgedanken hilft der Therapeut dem Patienten, diese zuzulassen, anzunehmen und wieder loszulassen. So fühlt sich der Betroffene den Zwangsgedanken nicht mehr so ausgeliefert. Darüber hinaus klärt der behandelnde Arzt seinen Patienten umfassend über die Störung auf und hilft ihm, destruktive Gedankenmuster zu erkennen und zu verändern.


Zwangsstörungen: Therapie mit Medikamenten


Die Therapie gegen Zwangsstörungen kann durch Medikamente ergänzt und unterstützt werden. Bei den Patienten ist meist der Stoffwechsel im Gehirn aus dem Gleichgewicht, wogegen sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) helfen können. Sie kommen auch als Antidepressiva zur Behandlung von Depressionen zum Einsatz, werden bei einer Zwangsstörung aber höher dosiert. Die Einnahme der Medikamente muss über einen längeren Zeitraum regelmäßig erfolgen, dann reguliert sich der Gehirnstoffwechsel und die innere Anspannung der Betroffenen lässt nach. Dennoch ist eine kognitive Verhaltenstherapie als wesentliche Behandlungsmaßnahme dringend zu empfehlen.


Entspannungsübungen als unterstützende Maßnahmen


Alles, was den Patienten hilft, ihre innere Ruhe wiederzufinden, ist bei der Therapie von Zwangsstörungen sinnvoll. Daher empfiehlt es sich, neben der Psychotherapie und den Medikamenten regelmäßig Entspannungsübungen durchzuführen. Dazu gehören beispielsweise Autogenes Training, Yoga, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder Achtsamkeitstraining.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

CK
Autor/-in
Christopher Kiel
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