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Was ist eine Eiserne Lunge?

Die Eiserne Lunge war das erste Gerät, dass eine maschinelle Beatmung ermöglichte. Hergestellt wurde die Eiserne Lunge zwischen 1929 und 1970. Mittlerweile haben moderne Beatmungsgeräte die Eiserne Lunge abgelöst.

Was ist die Eiserne Lunge?

Bei der Eisernen Lunge (iron lung, Spirophore) handelt es sich um eine Druckluftkammer. Das klinische Gerät war das erste, das die künstliche Beatmung von Patienten übernehmen konnte. Es wurde vor allem zur Beatmung von Polio-Patienten (Kinderlähmung) eingesetzt. Hierfür steckte der Patient bis zum Hals in einer Stahlröhre. Am Hals schloss das Gerät luftdicht ab. Nur der Kopf schaute heraus.

Ein Leben in der Stahlröhre

Damals verbrachten die Betroffenen fast ihr gesamtes Leben in der Stahlröhre, weshalb viele die Eiserne Lunge auch als „Stahlsarg“ bezeichneten. Meist konnten sie nur wenige Minuten bis Stunden ohne die Atemunterstützung auskommen. Das Gerät war über zwei Meter lang und wog mehrere hundert Kilogramm. Ebenfalls zu erwähnen ist der dauerhafte Geräuschpegel der Maschine, dem die Patienten permanent ausgesetzt waren.

Wie funktioniert die Eiserne Lunge?

In der Eisernen Lunge wurde durch Über- und Unterdruck die Funktion der Lunge aufrechterhalten. Der rhythmische Aufbau des Über- und Unterdrucks in der Eisernen Lunge bewegte passiv den Thorax des Patienten. Dadurch wurde die künstliche Atmung erzeugt. Unterdruck im Zylinder führte zum Lufteinstrom in die Lunge (Inspiration), Überdruck im Zylinder zum Luftausstrom (Exspiration). Die ersten Maschinen waren aus Holz, später aus Glas und Metall.

Gibt es die Eiserne Lunge noch?

Die Eiserne Lunge wird heute nicht mehr hergestellt. Sie wurde von modernen Beatmungsgeräten (endotracheale Intubation) abgelöst. Die Eiserne Lunge wurde 1929 bis 1970 produziert und bis 2004 gewartet. Das Verfahren geht auf Woillez und Sauerbruch zurück, der für die Thoraxchirurgie das Unterdruckverfahren entwickelt hat. Um 1920 entwickelte der US-amerikanische Ingenieur Philip Drinker die Maschine.

Das Original einer Eisernen Lunge kann unter anderem im Karl-Ludwig-Institut für Physiologie an der Universität in Leipzig besichtigt werden. In den 50er Jahren gab es dort eine Eiserne Lunge-Station. Neben weiteren Ausstellungsorten ist die Eiserne Lunge im Deutschen Hygiene Museum in Dresden und im Deutschen Medizinhistorischen Museum in Ingolstadt ausgestellt.

60 Jahre in der Eisernen Lunge: Eintrag ins Guinness-Buch

Die Australierin June Middleton gehört zu den Menschen, die am längsten in der Eisernen Lunge lebten: 60 Jahre ihres Lebens verbrachte Middleton in der Stahlröhre – und kam in Guinness-Buch der Rekorde. 1949 erkrankte June Middleton an Polio und war auf die künstliche Beatmung angewiesen. Nur drei Stunden am Tag konnte sie das eiserne Lungenbeatmungsgerät verlassen. 2009 starb die Australierin im Alter von 83 Jahren.  

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Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.
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Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
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