Was ist eine Binge-Eating-Störung?
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Was ist eine Binge-Eating-Störung?

Betroffene einer Binge-Eating-Störung (Binge-Eating-Disorder, Essattacken mit Kontrollverlust) leiden unter immer wiederkehrenden Essanfällen. Innerhalb kurzer Zeit nehmen sie große Nahrungsmengen zu sich. Der Begriff „Binge“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „Gelage“, „Schlingen“. Die Betroffenen verlieren die Kontrolle über ihr Essverhalten.

Was ist Binge-Eating?

Die Binge-Eating-Störung gehört neben der Magersucht und der Bulimie zu den häufigsten Essstörungen. Sie ist gekennzeichnet durch wiederkehrende Essanfälle, in denen die Betroffenen unkontrolliert große Mengen Nahrungsmittel verzehren. Die Essanfälle entsprechen denen der Bulimie – und können über mehrere Stunden hinweg andauern. Allerdings werden die Lebensmittel anschließend nicht erbrochen. Auch andere kompensatorische Maßnahmen wie die Einnahme von Abführmitteln und Entwässerungspräparaten oder exzessiver Sport werden nicht durchgeführt.

Die Essanfälle können sich auch als kontinuierliche, über den Tag verteilte Nahrungsaufnahme (‚grazing‘, ‚nibbling‘) ohne feste Mahlzeiten manifestieren.

— Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.: Ratgeber Essstörungen. Suchtmedizinische Reihe, Band 3.

Hinweise auf ein nicht kontrolliertes Essverhalten in Form einer Binge-Eating-Störung sind:

  • So lange zu essen, bis sich ein unangenehmes Völlegefühl einstellt.
  • Schneller zu essen, als normal.
  • Große Mengen zu essen, ohne hungrig zu sein.
  • Gefühle wie Schuld, Traurigkeit oder Ekel nach dem Essen.

Betroffene einer Binge-Eating-Störung sind in der Regel deutlich älter als Magersucht- oder Bulimie-Betroffene: meist zwischen 40 bis 65 Jahre. Sie sind unzufrieden mit ihrem Körper und ihrem Gewicht. Ihr Selbstwertgefühl ist geringer. Die Binge-Eating-Störung geht mit Übergewicht bis hin zu Adipositas (Fettleibigkeit) einher. Vielen Betroffenen ist ihre Essstörung nicht bewusst. Suchen sie Hilfe, liegt ihr Fokus häufig auf der Gewichtsreduktion. Die Essanfälle werden nicht immer als Problem gesehen.

Binge-Eating-Störung: Ursachen der Essattacken

Die Ursachen sind, wie bei der Magersucht und der Bulimie auch, multifaktoriell. Das heißt, es gibt nicht DEN EINEN Auslöser.

Einfluss auf die Entwicklung einer Binge-Eating-Störung nehmen unter anderem

  • biologische und persönliche Faktoren,
  • Faktoren der persönlichen Entwicklung,
  • familiäre Einflüsse.

Oftmals sind emotionale Probleme der Auslöser der Essanfälle. Bei einem Essanfall fühlen sich die Betroffenen gut. Das Essen „tröstet“ und lenkt ab. Essen ist mit positiven Gefühlen verknüpft. Innere Spannungen und Konflikte können mit Hilfe des Essens kurzzeitig gelindert werden.

Das schlechte Gewissen folgt hinterher. Auch die immer weiter fortschreitende Gewichtszunahme führt bei vielen zu Frust und Unwohlsein. Oftmals versuchen Betroffene mit Diäten die Essanfälle wieder auszugleichen. Doch das gelingt nur bedingt. Bei Binge-Eating handelt es sich um ein suchtähnliches Verhalten: Die Betroffenen verlieren immer wieder die Kontrolle über ihr Essverhalten. Binge-Eating-Störungen können sowohl bei normalgewichtigen als auch bei übergewichtigen Personen auftreten. Aber: Die großen Essensmengen ziehen häufig eine Gewichtszunahme nach sich.

Binge-Eating: Symptome der Essstörung

Die regelmäßig auftretenden Essanfälle sind das Hauptsymptom der Binge-Eating-Störung. Während der Essattacke haben die Betroffenen das Gefühl, nicht mehr aufhören zu können. Sie verlieren die Kontrolle über das Essen. Sie essen schnell und "stopfen" das Essen förmlich in sich hinein. Sie können erst dann aufhören, wenn sie sich unangenehm voll fühlen. Gegessen wird auch ohne Hunger.

Die Essanfälle finden im Verborgenen statt. Nach dem Essen begleiten Schuldgefühle die Betroffenen. Viele Menschen mit einer Binge-Eating-Störung leiden unter ihrem Essverhalten und ziehen sich immer mehr aus dem sozialen Leben zurück - auch weil ihnen ihre Essanfälle peinlich sind. Phasen mit gehäuften Essanfällen können sich mit Phasen ohne Symptome abwechseln. 

Binge-Eating behandeln

Je früher eine Binge-Eating-Störung behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Wichtigstes Ziel ist es, die Auslöser für die Essanfälle zu erkennen, damit einem erneuten Auftreten vorgebeugt werden kann. Des Weiteren wird ein gesundes und regelmäßiges Essverhalten gefördert. Geht mit der Binge-Eating-Störung Übergewicht begleitet eine Gewichtsabnahme die Therapie. Meist erfolgt die Behandlung der Binge-Eating-Störung ambulant. Nur bei ausgeprägtem Krankheitsbild mit psychischen und körperlichen Erkrankungen kann eine stationäre Behandlung notwendig werden.

Binge Eating und die Folgen

Binge-Eating führt bei den Betroffenen zu einem starken Leidensdruck. Unter anderem, weil die Essanfälle als Scheitern betrachtet werden. Die Betroffenen fühlen sich schwach und empfinden Scham über das unkontrollierte Essverhalten. Das wirkt sich negativ auf das Selbstwertgefühl aus. Hinzu kommt das Risiko, Übergewicht zu entwickeln – was sich auf das Selbstwertgefühl der Patienten ebenfalls negativ auswirkt.

Bei starkem Übergewicht können gesundheitliche Folgen wie

  • Herz-Kreislaufbeschwerden,
  • Bluthochdruck,
  • Diabetes,
  • Gelenkbeschwerden auftreten.

Zudem können sich im Rahmen der Essstörung Depressionen und Angststörungen entwickeln beziehungsweise verstärken.

Eine Binge-Eating-Störung kann in besonders schlimmen Fällen zum Tod führen. Das Risiko zu sterben ist nicht so hoch wie bei einer Magersucht, doch im Vergleich zu Gesunden um den Faktor 1,5 erhöht. Vor allem, wenn zusätzlich eine andere psychische Erkrankung vorliegt, steigt das Risiko für einen Suizid.

— Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel
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