Schizophren oder nicht? So äußert sich die Psychose
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Schizophren oder nicht? So äußert sich die Psychose

Eine schizophrene Psychose belastet den Erkrankten ebenso wie das Umfeld. Die Symptomatik der psychischen Erkrankung zeigt sich vielfältig und stets individuell. So können die typischen Anzeichen einer Schizophrenie sowohl einzeln als auch in Kombination auftreten und mit anderen psychischen Erkrankungen wie Depressionen einhergehen. Die Diagnose sollte daher stets vom Facharzt gesichert und bei einer Akutphase die adäquate Behandlung mit stationärer Therapie schnellstmöglich eingeleitet werden.

Positiv- und Negativ-Symptome einer Schizophrenie 

Bei der Schizophrenie unterscheidet man zwischen den Positiv- und Negativ-Symptomen der Erkrankung. Als Positiv-Symptome gelten all jene Empfindungen, Wahrnehmungen und Koordinationsprobleme, die der Erkrankte gegenüber dem Gesunden zusätzlich aufweist. Hierzu zählen Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder Bewegungsauffälligkeiten. Negativ-Symptome sind hingegen Mangel-Symptome, bei denen dem Erkrankten sozusagen etwas fehlt. Hierzu zählen beispielsweise Konzentrationsschwächen, verminderte Leistungsfähigkeit, Schlafstörungen und Antriebsverlust. Die Positiv-Symptome grenzen die akuten Psychosephasen deutlich von anderen Phasen ab. Negativ-Symptome zeigen sich bei Erkrankten in akuten und chronischen Phasen gleichermaßen.

Positiv-Symptome in der Akutphase

In der akuten Krankheitsphase können unterschiedliche Bedrohungsgefühle auf den erkrankten Menschen Einwirken: Wahnvorstellungen zeigen sich als Angst, vergiftet, kontrolliert oder verfolgt zu werden. Halluzinationen lassen den Betroffenen Stimmen hören oder seltener auch Dinge sehen, die in der Realität nicht vorhanden sind. Bewegungsstörungen zeigen sich durch häufige Wiederholungen und Gleichförmigkeit, beispielsweise als hin und her laufen, Kopf- oder Fußwippen, Händeklatschen oder im Gegenteil mit stark verlangsamten Bewegungen. Auch kann es vorkommen, dass Wahn und Halluzinationen den Erkrankten derart beeinflussen, dass er nicht mehr spricht (sogenannter Stupor) oder sich in eigenartiger Körperhaltung verharrend wie "entrückt" zeigt (Katalepsie). Tritt in einen solchen Extremfall Fieber auf, handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Zustand - Informieren Sie in solchen Fällen umgehend den Notarzt. Trotz der vielfältigen und teils extremen Positiv-Symptome wird vom Patienten selbst jegliche Krankheitseinsicht verleugnet.

Chronische Krankheitsphase mit Negativ-Symptomen und weiteren Anzeichen

Abseits der akuten Krankheitsphasen zeigen sich die Schizophrenie-Symptome mit den sogenannten Negativ- oder Minus-Aspekten. Dabei ziehen sich die meisten Erkrankten aus ihrem sozialen Umfeld zurück, verringern die Kommunikation und zeigen eine deutliche Abnahme an zuvor beliebten Interessen, beispielsweise an Freizeitbeschäftigungen und Hobbys. Hinzu tritt eine oft ungewohnte Emotionslosigkeit, Verlust der Libido und die Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse, insbesondere der Körperpflege und des äußeren Erscheinungsbildes. Neben den Negativ-Aspekten können Störungen im Denken und des Gefühlslebens entstehen: Starke Stimmungsschwankungen und skurrile Gedankengänge treten auf, die Gedanken sind zerfahren, unlogisch oder werden bei vorhandener Kommunikation in extrem sprunghaften Themenwechseln dargelegt. Hinzu treten depressive Verstimmungen und Angstzustände, die einer abgeschwächten Form von Wahn, Panik und Halluzinationen aus der Akutphase ähneln. Zudem kann ein Verlust des Realitätsempfindens entstehen, bei dem sich der Patient in seine eigene Welt zurückzieht. 

Schizophrenie-Symptome als Warnsymptome zur Eigen- und Fremdgefährdung

Die Schizophrenie kann unbehandelt zu einer Gefahr für den Erkrankten und sein Umfeld werden. Halluzinationen und Wahnvorstellungen bringen den Betroffenen in einen Ausnahmezustand, aus dem er sich nicht selbst befreien kann. So kann es passieren, dass der Erkrankte normale Dinge plötzlich als Bedrohung oder "Zeichen" wahrnimmt, in deren Interpretation der Betroffene irrationale Verhaltensweisen einnimmt. Mitunter fühlt sich der Betroffene dann als Teil einer Geheimwelt, zu der die "Gesunden" keinen Zugang/nicht die nötige Intelligenz/nicht die erforderliche Empathie haben, nimmt sich selbst als "Auserwählter" oder "Verstehender" wahr oder wird von gefährlichen Feinden gejagt und von seinem Umfeld manipulativ abgeschirmt. 

Gleichzeitig reduziert sich die Fähigkeit, sich von äußeren Reizen abzuschirmen, was zu einer schnellen Reizüberflutung im normalen Alltag führen kann. Tritt eine sogenannte "Ich"-Störung hinzu, fühlt sich der Betroffene als in seinem Körper fremd und unwirklich oder gar fremdgesteuert Eine Selbst- oder Fremdgefährdung kann in der akuten Schizophrenie-Phase kaum ausgeschlossen werden, weshalb die Behandlung durch einen Facharzt in Ausnahmefällen auch ohne die Einwilligung des Betroffenen (z.B. bei fehlender Krankheitseinsicht und unter Berücksichtigung juristischer Formalitäten) nötig werden kann.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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