Mythos Hungerstoffwechsel: Gibt es ihn wirklich?
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Mythos Hungerstoffwechsel: Gibt es ihn wirklich?

Wenn Diäten erfolglos bleiben oder das Gewicht stagniert, wird oft der Hungerstoffwechsel als Ursache genannt. Aber was ist das überhaupt und kann er eine Gewichtsabnahme verhindern?

Was ist der Hungerstoffwechsel?

Wird über längere Zeit keine Nahrung aufgenommen, greift der Körper irgendwann auf seine Energiereserven zurück. Erst werden die Kohlenhydratspeicher geleert, dann werden die Fettpolster und Muskeln abgebaut. Dabei tritt der Hungerstoffwechsel in Kraft. Das bedeutet, dass der Körper seinen Energieverbrauch drosselt, damit die Reserven länger halten. So verlangsamt sich zum Beispiel der Puls.

Außerdem sinkt der Kalorienverbrauch, weil Menschen mit Untergewicht einen niedrigeren Grundumsatz haben, als Menschen mit Normal- oder Übergewicht. Des Weiteren sind sie durch den Abbau der Muskelmasse und den Nährstoffmangel so geschwächt, dass jede Bewegung schwerfällt – auch das drosselt den Kalorienverbrauch.

Verhindert der Hungerstoffwechsel eine Gewichtsabnahme?

Der Hungerstoffwechsel dient gelegentlich als Begründung, wenn im Rahmen einer Diät die Gewichtsabnahme stagniert oder nach erfolgreicher Gewichtsreduktion der berüchtigte Jojo-Effekt eintritt. Oft wird als Argument genannt, dass der Körper durch die verminderte Kalorienaufnahme während der Diät auf “Sparflamme” geschaltet hätte, also in den Hungerstoffwechsel geraten wäre. Das ist allerdings Unsinn, denn der Hungerstoffwechsel tritt erst bei Untergewicht in Kraft. Außerdem erholt sich der Stoffwechsel wieder, wenn erneut gesund und ausreichend gegessen wird.

Mögliche Gründe für Jojo-Effekt und scheiternde Diäten

Doch warum kommt es dann zum Jojo-Effekt? Weshalb stagniert das Gewicht zwischendurch während einer Diät? Dies kann drei Gründe haben:

  • Die Kalorienaufnahme wird unterschätzt
  • Der Kalorienverbrauch wird überschätzt
  • Es werden zu wenige Proteine gegessen

Wer nach einer Diät wieder “normal” isst, also sich so ernährt wie vorher, nimmt zwangsläufig wieder zu, denn schließlich haben die vorherigen Essgewohnheiten erst zum Übergewicht geführt. Hinzu kommt, dass der Grundumsatz – also der Kalorienverbrauch im Ruhezustand – mit der Gewichtsabnahme sinkt. Ein Kleinwagen verbraucht ja auch weniger Benzin als ein Lkw. Überdies neigen Menschen dazu, Kalorien aus Getränken und Naschereien zu vergessen und essen dann mehr, als ihnen bewusst ist.

Wenn Sie Sport treiben, denken Sie vielleicht, dass Sie sich dafür beim Essen mehr gönnen können? Leider ist der Kalorienverbrauch beim Sport nicht so hoch; bei einem Gewicht von 75 Kilogramm verbrauchen Sie beim Joggen zum Beispiel rund 385 Kilokalorien – das entspricht etwa einem großen Schokoriegel. Essen Sie zu wenige Proteine, bauen Sie nicht nur Fettpolster ab, sondern auch Muskeln. Weniger Muskeln senken jedoch den Grundumsatz und die Bewegungsfreude. Kohlenhydrate sorgen zudem für Wassereinlagerungen – das Gewicht scheint dann höher, obwohl der Körperfettanteil weniger geworden ist.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

S H
Autor/-in
Svenja Hauke
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