Morgens, mittags, abends: Welche Medikamente wann einnehmen?
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Morgens, mittags, abends: Welche Medikamente wann einnehmen?

Medikamente wann einnehmen? Der richtige Zeitpunkt der Medikamenteneinnahme ist für den Behandlungserfolg von großer Bedeutung. Fragen Sie bei Ihrem Arzt immer genau nach, worauf es bei den einzelnen Arzneimitteln besonders ankommt.

Therapietreue: Nehmen Sie Medikamente zur richtigen Zeit ein

Der sorgsame Umgang mit Medikamenten unterstützt den Therapieerfolg. Mediziner sprechen auch von Therapietreue oder Compliance. Der Zeitpunkt der Tabletteneinnahme ist dabei von großer Bedeutung – neben der richtigen Dosierung, einer ausreichenden Anwendungsdauer, einer regelmäßigen Einnahme und der Beachtung von Neben- und Wechselwirkungen. Kommt es zu Fehlern in Bezug auf den Zeitpunkt der Einnahme, können die Arzneimittel nicht wie gewünscht wirken – und der erhoffte Therapierfolg bleibt aus.

Vor- oder nach dem Essen: Wann Medikament einnehmen?

Wann das Medikament eingenommen werden muss, sagt Ihnen der Arzt im Rahmen der Behandlung. Sind Sie unsicher, können Sie auch bei Ihrem Apotheker nachfragen oder im Beipackzettel nachlesen.

  • Einnahme auf nüchternen MagenSie sollten das Medikament 30 bis 60 Minuten vor der Mahlzeit oder frühestens zwei Stunden nach der Mahlzeit einnehmen.
  • Einnahme vor dem Essen: Sie sollten das Medikament 30 Minuten bis eine Stunde vor der Mahlzeit auf leeren Magen einnehmen.
  • Einnahme während des Essens: Die Einnahme kann zwischen zwei Bissen erfolgen oder innerhalb von fünf Minuten nach der Mahlzeit, damit sich das Medikament mit dem Speisebrei mischt. 
  • Einnahme nach dem Essen: Zwischen Mahlzeit und Einnahme des Medikaments sollte ein zeitlicher Abstand von mindestens zwei Stunden liegen. 
  • Einnahme unabhängig von den Mahlzeiten: Sie können das Medikament vor, zu oder nach der Mahlzeit oder zu einem beliebigen Zeitpunkt einnehmen. 
Einnahme auf nüchternen Magen

Manche Medikamente müssen auf nüchternen Magen eingenommen werden, damit sie richtig wirken können. Das ist beispielsweise bei der Einnahme von Schilddrüsenhormonen der Fall, darunter Thyroxin. Würde das Medikament gemeinsam mit Essen aufgenommen, kämen nur 50 Prozent des Wirkstoffs im Körper an. Das Medikament sollte 30 bis 60 Minuten vor dem Frühstück oder direkt vor dem Zubettgehen genommen werden.

Medikament wann einnehmen: Wie oft brauche ich mein Medikament?

Viele Medikamente müssen unterschiedlich häufig eingenommen werden. Wichtig ist, dass die Zeiträume zwischen den Einnahmen stimmen und eine gewisse Regelmäßigkeit eingehalten wird.

  • Einmal pro Tag: Sie müssen das Medikament alle 24 Stunden einnehmen. Ob Sie dies morgens, mittags oder abends machen, besprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt. Wichtig ist, dass Sie das Medikament, wenn möglich, immer zur gleichen Zeit einnehmen und nicht mehr als zwei Stunden davon abweichen.
  • Zweimal pro Tag: Sie müssen das Medikament alle zwölf Stunden einnehmen. Meistens wird dabei morgens und abends empfohlen. Auch hier sollten Sie einen Puffer von zwei Stunden nicht überschreiten.  
  • Dreimal pro Tag: Sie müssen das Medikament morgens, mittags und abends einnehmen. Dabei sollten Sie die gleichen Uhrzeiten einhalten. Im Idealfall liegen jeweils acht Stunden dazwischen. Manche Medikamente müssen Sie auch nachts einnehmen. Fragen Sie Ihren Arzt, ob es ok ist, wenn Sie diese kurz vor dem Zubettgehen einnehmen - oder ob Sie sich in der Nacht den Wecker stellen müssen.

Einnahme vergessen? Nehmen Sie nie die doppelte Menge zu einem späteren Zeitpunkt ein, wenn Sie eine Einnahme vergessen haben. Lesen Sie im Beipackzettel nach, was in einem solchen Fall zu tun ist oder fragen Sie Ihren Arzt. In der Regel wird die Einnahme des Medikaments wie gewohnt fortgeführt und die vergessene Medikation nicht nachgeholt – es sei denn, dies ist in einem für das Medikament möglichen Rahmen möglich.

Die Uhr im Blick

Wer sich an den Einnahmezeitpunkt hält, stellt sicher, dass die Abstände zwischen den Einnahmen gleichmäßig lange sind.

Wann darf ich das Medikament absetzen?

Ebenso wichtig wie der richtige Zeitpunkt der Einnahme ist die Dauer der Behandlung. Der mit dem Arzt vereinbarte Behandlungszeitraum muss eingehalten werden. Setzen Sie das Präparat nie eigenmächtig ab – etwa weil sich Ihre Symptome verbessert haben. Es kann sonst zu einer erneuten Verschlechterung kommen. Bekannt ist das bei Antibiotika. Diese müssen komplett aufgebraucht werden. Wird die Therapie frühzeitig abgebrochen, kann sich nicht nur die Erkrankung erneut verschlimmern. Es droht zudem die Bildung von Resistenzen. Dann wirken Antibiotika immer schlechter – im schlimmsten Fall irgendwann gar nicht mehr.

Beobachten Sie Nebenwirkungen bei sich, sprechen Sie unverzüglich mit Ihrem Arzt. Am schnellsten geht das per Telefon. Setzen Sie das Medikament nicht einfach ab. Dies kann Auswirkungen auf die Wirkung anderer Medikamente haben und Ihren Krankheitsverlauf negativ beeinflussen.

Manche Medikamente müssen langsam ausgeschlichen werden, damit sich der Körper an eine geringere Dosis gewöhnt. Bei Antidepressiva ist das beispielsweise der Fall. Wird das Medikament abrupt abgesetzt, ist das für die Gesundheit ein Risiko. Werden Blutdruckmedikamente plötzlich abgesetzt, kann es zu starken Herzbeschwerden kommen.

Dosierung

Was für die Anwendungsdauer gilt, gilt auch für die Dosierung: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt ab, ob, wann und in welchem Maße Sie die Dosierung des Arzneimittels verändern dürfen.

Morgens, mittags oder abends: Wann welches Medikament?

Auch die Tageszeit spielt bei der Einnahme von Medikamenten eine große Rolle. Im Laufe des Tages gibt es Änderungen im Stoffwechsel. Diese müssen berücksichtigt werden. Und sie können die Aufnahme eines Medikamentes positiv beeinflussen und die gewünschte Wirkung unterstützen. Ein paar Beispiele:

  • Kortison: Ärzte empfehlen häufig, Kortison morgens einzunehmen. Der Grund: Die körpereigene Produktion und Freisetzung von Kortison schwanken im Tagesverlauf. Nimmt man das kortisonhaltige Medikament morgens ein, gleicht man die Einnahme dem körpereigenen Rhythmus an. Das verbessert die Verträglichkeit.
  • Rheumamittel: Viele Rheumapatienten haben vor allem morgens mit steifen Gelenken zu kämpfen. Für sie ist es empfehlenswert, ihre Rheumamittel am Abend einzunehmen, um die morgendlichen Beschwerden zu lindern. Der Wirkstoff Methotrexat, der nur einmal pro Woche eingenommen werden darf, muss nüchtern und mit reichlich Flüssigkeit aufgenommen werden.
  • Asthma-Medikamente: Asthma-Medikamenten kommt vor dem Zubettgehen eine wichtige Rolle zu. In der Nacht treten Asthmaanfälle häufiger auf als am Tag. Nachts sind Lunge und Bronchie empfindlicher und die Atemwege enger. Asthma-Medikamente wie beispielsweise Theophyllin sollten vor dem Schlafengehen eingenommen werden.
  • Cholesterinsenker: Statine sollten abends eingenommen werden, da der Körper vor allem nachts Cholesterin bildet.
  • Säureblocker: Medikamente gegen eine Überproduktion von Magensäure wirken am besten nach der Mahlzeit oder vor dem Schlafengehen.
  • Nebenwirkung Müdigkeit: Viele Medikamente haben als Nebenwirkung Müdigkeit. Das ist beispielsweise bei den meisten Antiallergika der Fall. Diese werden am besten vor dem Zubettgehen eingenommen.

Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie Sie Ihr Medikament einnehmen sollen, damit es für Sie am besten wirkt. Müssen Sie mehrere Medikamente einnehmen und müssen Wechselwirkungen berücksichtigt werden, bitten Sie Ihren Arzt, mit Ihnen einen Medikamenten-Einnahme-Plan zu erstellen. So haben Sie immer im Blick, wann Sie welche Präparate einnehmen sollen.

Ein Medikamenten-Einnahme-Plan

  • minimiert Fehler bei der Einnahme,
  • reduziert Wechselwirkungen
  • und Sie vergessen Ihre Tabletten nicht so leicht.

"Informieren Sie Ihren Arzt unbedingt über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen. Dazu gehören auch nicht verschreibungspflichtige Nahrungsergänzungsmittel oder pflanzliche Heilmittel. (…) Hilfreich kann die Verwendung eine Arzneikassette sein, in der Sie für jeden Tag einer Woche jeweils für morgens, mittags und abends Ihre Tabletten vorsortieren."

— Berufsverband Deutscher Internisten e.V.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel

Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.

 

https://www.ann-kathrinlandzettel.de

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