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Kopfschmerzen: Nackenverspannungen und falsche Sitzhaltung oft schuld
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Kopfschmerzen: Nackenverspannungen und falsche Sitzhaltung oft schuld

Kopfschmerzen haben ihren Ursprung häufig im Nacken. Fehlhaltungen und Fehlbelastungen führen zu einer verkrampften Nacken-, Schulter- und Rückenpartie. Der Schmerz strahlt häufig in den Kopf aus. Doch auch andere Ursachen können hinter Kopf- und Nackenschmerzen stecken.

Kopfschmerzen und Nackenschmerzen: zwei mögliche Wege

Kopf- und Nackenschmerzen hängen oft zusammen. Entweder strahlt der Verspannungsschmerz aus dem Nacken in den Kopf und löst dort Kopfweh aus. Oder eine bestimmte Kopfwehart, etwa Migräne, strahlt bis in den Nackenbereich hinein und führt dort zu Verkrampfungen. Egal wie Kopfschmerzen und Nackenschmerzen zusammenhängen: Unangenehm sind sie immer.

Kopfschmerzen im Nackenbereich haben vier häufige Auslöser:

  • zervikogener Kopfschmerz (verursacht durch Verspannungen)
  • Spannungskopfschmerzen
  • Migräne
  • schmerzmittelbedingter Kopfschmerz

Zervikogene Kopfschmerzen: Nackenverspannungen die Ursache

Ein verspannter Nacken, eine verkrampfte Schulterpartie, Schmerzen im Rücken: In vielen Fällen sind eine falsche (Sitz-)haltung, überlastete Muskeln und altersbedingter Verschleiß schuld an den Schmerzen. Viele, die täglich am Schreibtisch sitzen, klagen über Nackenschmerzen. Handwerker, die häufig Arbeiten über dem Kopf verrichten müssen, kennen die unangenehmen Verspannungen ebenfalls. Kopf- und Nackenschmerzen, die ihre Ursache in Veränderungen der Halswirbelsäule oder muskulären Verspannungen im Hals- und Nackenbereich haben, werden „zervikogene Kopfschmerzen“ genannt.

Sie entstehen nicht im Kopf selbst, sondern werden aus der Nackenregion weitergeleitet. Der zervikogene Kopfschmerz zeigt sich meist durch einseitige Schmerzattacken, die über mehrere Stunden anhalten können. Möglich ist aber auch, dass Betroffene einen Dauerschmerz verspüren, dessen Intensität schwankt. Oftmals ist die Drehbewegung des Kopfes aufgrund der vorliegenden Verspannung der Nackenmuskulatur und der oberen Halswirbel eingeschränkt. Die Schmerzen strahlen meist in den Hinterkopf, zur Stirn, Schläfe und ins Gesicht aus.

Grund können Fehlfunktion der Zähne sein
Starkes Zähneknirschen und Zähnepressen (Bruxismus) können die Kau-, Kopf- und Nackenmuskulatur massiv belasten. Kopfweh und Nackenschmerzen sind häufige Symptome. 

Kopfschmerzen durch Fehlhaltungen: ein Teufelskreis

Haltungsprobleme und überlastete Muskeln führen irgendwann dazu, dass sich Muskeln im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich verkrampfen. In Folge verhärten sie sich und verkürzen. Entzündungen entstehen. Der Schmerz wiederum führt oftmals zu weiteren Fehlhaltungen oder zu viel Schonung und der Schmerz verstärkt sich. Um den Schmerzen entgegenzuwirken ist Bewegung wichtig. Die Muskeln müssen sich lockern, dehnen und entspannen können.

Menschen, die im Büro oder am Computer arbeiten, bewegen sich jedoch nicht nur zu wenig, sie belasten ihren Körper meist auch einseitig oder falsch. Etwa ein Viertel aller Arbeitsunfähigkeitstage lässt sich darauf zurückführen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Schulter, der Nacken oder der Rücken schmerzt.

— Ratgeber zur Prävention und Gesundheitsförderung" des Bundesministeriums für Gesundheit

Spannungskopfschmerzen zeigen sich häufig im Nacken

Andersherum lösen Kopfschmerzen oftmals Nackenschmerzen aus. Anhaltende psychische Belastungen und Stress führen oft zu körperlichen Schmerzen – und häufig auch zu Spannungskopfschmerzen. Der Spannungskopfschmerz tritt von allen bekannten Kopfschmerzarten am häufigsten auf. Die Schmerzen strahlen meist vom Hinterkopf zur Stirn oder in die Schulter- und Nackenpartie aus. Stress gilt als der Hauptauslöser für Spannungskopfschmerzen.

Migräne: Kopfschmerzen strahlen in den Nacken aus

Migräne ist neben Spannungskopfschmerzen eine weitere Kopfschmerzform, die nur selten alleine auf den Kopf beschränkt ist. Migräne-Schmerzen können auch Schmerzen im Gesicht, am Nacken, in den Augen oder im Zahnbereich auftreten.

Erklären lässt sich der Zusammenhang zwischen Kopf-, Gesichts- und Nackenschmerzen durch eine Verbindung zwischen dem Trigeminusnerv, der für die Wahrnehmung von Schmerzen im Gesicht, dem vorderen Kopf und den Hirnhäuten zuständig ist, und dem großen Hinterhauptsnerv, der am Hinterkopf und Nacken verläuft. Ausläufer beider Nerven treffen im Gehirn zusammen. Kommt es Migräne bedingt zu einer verstärkten Aktivität des Trigeminusnervs, können über die Verbindung auch Schmerzen im Nacken und Hinterkopf auftreten.

— Berufsverbände und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz

Kopfschmerzen durch Schmerzmittel

Auf keinen Fall sollten Sie freiverkäufliche Schmerzmedikamente ohne ärztliche Absprache über längere Zeit einnehmen. Es besteht die Gefahr, dass die Kopfschmerzen durch den Medikamenten-Übergebrauch chronisch werden und eine Behandlung dann erschwert ist. Ob der Gebrauch „übermäßig“ ist, ist abhängig davon, an wie vielen Tagen Sie welches Schmerzmittel innerhalb der letzten drei Monate eingenommen haben. Bei Schmerzmitteln wie Ibuprofen, Paracetamol und Acetylsalicylsäure (ASS) sprechen Mediziner von einem übermäßigen Gebrauch, wenn Sie die Mittel an 15 oder mehr Tagen pro Monat einnehmen. Bei Migränemitteln wie Triptanen und Ergotaminen gelten schon zehn Einnahmetage pro Monat als zu häufig.

Experten gehen davon aus, dass ein bis zwei von 100 Menschen schmerzmittelbedingte Kopfschmerzen haben. Schauen Sie in der Packungsbeilage nach, welche Einnahmeempfehlungen dort gegeben sind und halten Sie sich an die Dosierempfehlungen.

Wie es zu den Beschwerden kommt, ist unklar. Möglicherweise gewöhnt sich das Nervensystem an die Medikamente und reagiert dann noch empfindlicher auf Schmerzreize und -auslöser.

— gesundheitsinformation.de des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Kopfschmerzen im Nackenbereich: Wer hilft?

Gehen Sie bei anhaltenden Nacken- und Kopfschmerzen immer zum Arzt, um ernste Erkrankungen auszuschließen. Eine erste Anlaufstelle ist Ihr Hausarzt. Dieser wird Sie, abhängig von Ihrem Beschwerdebild und dem vermuteten Auslöser, an entsprechende Fachärzte überweisen.

Das kann ein Orthopäde sein. Sind Verspannungen schuld an den Kopfschmerzen im Nackenbereich verschreiben Orthopäden in der Regel Schmerzmittel, damit eine schmerzfreie Bewegung wieder möglich wird. Dann heißt es: Aktiv werden. Nur Bewegung kann den eingerosteten Muskeln wieder zu ihrer normalen Funktion verhelfen. Ergänzend zu der eigenverantwortlichen Bewegung ergänzen häufig Physiotherapie und Ergotherapie das Training.

Ein Neurologe ist der geeignete Ansprechpartner, wenn der Verdacht besteht, dass Migräne die Ursache für die Kopf- und Nackenschmerzen ist. Bei anhaltenden psychischen Belastungen kann möglicherweise eine Psychotherapie helfen. Dann ist ein Psychotherapeut ein guter Ansprechpartner.

Kommen Sie täglichen Fehlhaltungen auf die Spur

Ebenfalls wichtig ist es, täglichen Fehlhaltungen auf die Spur zu kommen. Für den Arbeitsplatz bedeutet das beispielsweise: Ist der Schreibtischstuhl richtig eingestellt? Lässt sich der Tisch auf die passende Höhe verstellen? Hilft möglicherweise ein spezielles Sitzkissen? Welche Möglichkeiten habe ich, um belastende Bewegungen zu reduzieren? Gibt es eventuell stützende Bandagen oder ähnliches?

Welche Möglichkeiten es für Sie gibt, können Sie unter anderem im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung bei ihrem Betriebsarzt erfragen. Möglicherweise bietet Ihre Firma sogar Rückenkurse an. Informieren Sie sich auch, welche Angebote Ihre Krankenkasse für Sie hat.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.
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Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
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