Herzstolpern: Extrasystolen sind häufig harmlos
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Herzstolpern: Extrasystolen sind häufig harmlos

Das Herz setzt kurz aus oder scheint zu "stolpern": Extrasystolen sind Herzschläge, die zusätzlich zum normalen Herzrhytmus auftreten. Das "Herzstolpern" - medizinisch auch Palpitationen genannt - ist häufig harmlos, kann aber beunruhigen. In seltenen Fällen sind die Extrasystolen ein Warnzeichen für ernste Herzerkrankungen.

So entstehen Extrasystolen

Die meisten Extrasystolen entstehen in den Herzvorhöfen, am sogenannten Sinusknoten, der den Herzrhythmus steuert. Der Sinusknoten ist ein Geflecht aus Nerven- und Muskelzellen und sitzt in der Wand des rechten Herzvorhofes. Durch elektrische Impulse sorgt er dafür, dass das Herz regelmäßig schlägt. Aufregung oder Angst sowie körperliche Anstrengung oder auch Genussmittel können zusätzliche Impulse auslösen - es kommt zu "Extraschlägen", den sogenannten Extrasystolen oder Palpitationen.

Extrasystolen können aber auch in den Herzkammern entstehen. Sie sind dann häufig Folge einer schweren Herzerkrankung. Diese "ventrikulären" Extrasystolen können gefährlich sein. 

Bis zu 20.000 Extrasystolen am Tag sind normal

Gelegentliche Extrasystolen kommen auch bei gesunden Menschen vor. Häufig werden die Palpitationen gar nicht bemerkt. Besonders bei Jugendlichen können Extrasystolen sehr häufig vorkommen. Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung können bis zu 20.000 Extrasystolen am Tag auftreten, ohne dass dies zwingend einer Behandlung bedarf. Wichtiger als die Zahl der Extrasystolen ist, wo die Extraschläge entstehen, ob sie einzeln oder in "Salven" auftreten und ob sie Beschwerden auslösen. Auch bei einem vorgeschädigten Herzen ist eine Behandlung empfehlenswert.

Herzstolpern: Die Ursachen sind vielfältig

Häufige Ursachen für Herzstolpern bei gesunden Menschen sind Stress, Aufregung, körperliche Anstrengung oder Genussmittel. Die Überreizung der Nerven führt dazu, dass die Erregungsleitungen im Herzen stärker stimuliert werden. Es kommt zu Extraschlägen. Auch Verschiebungen der Mineralsalze (Elektrolyte) im Blut können Palpitationen auslösen. Besonders empfindlich reagiert der Herzrhythmus auf Veränderungen der Kaliumkonzentration. Sport, Medikamente oder Stoffwechselerkrankungen können die Konzentration der Mineralien im Blut verändern und den Herzrhythmus durcheinander bringen. 

Allerdings gibt es auch Herzerkrankungen, die mit Herzstolpern einhergehen. Häufig auftretende Extrasystolen sollten Betroffene beim Arzt abklären lassen. 

Stress kann Herzstolpern auslösen

Sowohl starke Emotionen als auch Stress führen zur Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin. Diese sorgen im Normalfall dafür, dass das Herz schneller schlägt. Sie können aber auch Extraschläge auslösen, die früher einsetzen als der normale Herzschlag. Im Anschluss setzt manchmal der normale Herzschlag kurz aus, um sich zu erholen. Betroffene empfinden dies als  kurzen Aussetzer oder Herzstolpern. 

Herzstolpern abends durch Übermüdung

Bei Übermüdung ist das Nervensystem ebenfalls überreizt. Es muss die Eindrücke vom Tag verarbeiten. Auch die Erregungsleitung im Herzen kann dann anfälliger sein und leichter durch Extrasystolen oder Herzstolpern reagieren. Hinzu kommt, dass Extraschläge am Tag seltener bemerkt werden, weil man abgelenkt ist. Es kommt dann zu Herzstolpern in Ruhe oder beim Liegen. Denn dann fehlen die Ablenkungen, sodass die Extrasystolen eher bemerkt werden.  

Extrasystolen durch Alkohol

Herzstolpern kann auch durch Alkohol ausgelöst werden. Ähnlich wie nach dem Konsum von Kaffee wird das Nervensystem stimuliert und führt zu Extrasystolen. Auch nach dem Abbau von Alkohol kann es noch zu Extraschlägen kommen. Denn der Alkohol entzieht dem Körper Wasser und Mineralstoffe. Gerät der Mineralstoffhaushalt aus dem Gleichgewicht, kann es vorübergehend zu Herzrhythmusstörungen kommen.  

Herzstolpern in der Schwangerschaft

Auch in der Schwangerschaft können vermehrt Extrasystolen auftreten. Zum einen muss das Herz deutlich mehr Blut durch den Körper pumpen, das Herz schlägt schneller. Zum anderen findet eine hormonelle Umstellung statt, die das Herz sensibler für Reize machen kann. Stress, Schlafmangel oder der Konsum von Genussmitteln wirkt sich dann schneller auf den Herzschlag aus. Gegen Ende der Schwangerschaft müssen die Organe aus Platzmangel zusammenrücken. Auch das kann zusätzliche Reize auslösen, durch die das Herz mit Extraschlägen reagiert. Bei einem gesunden Herzen sind Extrasystolen in der Schwangerschaft in der Regel unbedenklich.

Was gegen Herzstolpern hilft

Da Extrasystolen meist harmlos sind, ist eine Behandlung oft nicht nötig. Wer das Herzstolpern als unangenehm empfindet, sollte zunächst auf Genussmittel wie Kaffee und Alkohol verzichten. Auch Entspannungsmethoden können die Häufigkeit von Extrasystolen verringern. Leiden Betroffene stark unter dem Herzstolpern, kann es mit Medikamenten therapiert werden. Bei starken und angeborenen Extrasystolen können die auslösenden Nervenstränge im Herzen durch eine sogenannte Katheterablation verödet werden. Wer unter häufig auftretenden und wiederkehrenden Extrasystolen leidet, sollte die Ursache ärztlich abklären lassen.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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