Haarentfernung mit Laser und IPL: Kosten, Nutzen, Risiken
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Haarentfernung mit Laser und IPL: Kosten, Nutzen, Risiken

Wer Körperhaare dauerhaft loswerden möchte, kann diese mit Laser oder Intense Pulsed Light (IPL) bestrahlen. Nach mehreren Anwendungen wachsen die Haare in der Regel nicht mehr nach. Hautarzt Dr. Heiko Grimme behandelt regelmäßig Patienten an verschiedenen Körperstellen und klärt über die Wirkungsweise, die Risiken und die Kosten beider Methoden auf.

Gelbe Seiten:Um Körperhaare dauerhaft loszuwerden, stehen zwei Methoden zur Verfügung: Der Laser und die IPL-Methode. Beide arbeiten mit Licht, doch wie unterscheiden sie sich?

Heiko Grimme: Laser arbeiten mit Licht einer festen Wellenlänge, die genau definiert ist und deren Wirkung genau bekannt ist. IPL ist im Grunde einfach helles Licht aller möglichen Wellenlängen, das durch Filter auf die gewünschten Wellenlängen beschränkt wird. Bei der IPL-Behandlung muss zudem ein kühlendes Gel aufgetragen werden und der Hautkontakt mit dem Gerät ständig gegeben sein. Bei der Laserbehandlung reicht kalte Luft zu Kühlungszwecken aus.

Gelbe Seiten: Welche Methode ist aus Ihrer Sicht vorteilhafter?

Grimme: Grundsätzlich eignen sich beide Verfahren gut zur dauerhaften Haarentfernung. Einige Studien sprechen von einer vergleichbaren Wirkung, andere sehen den Laser als etwas effektiver an. Der größte Nachteil von IPL ist das höhere Risiko, dass es bei unsachgemäßer Behandlung zu Verbrennungen kommen kann.

Gelbe Seiten: Ist eine unsachgemäße Laserbehandlung denn risikolos?

Grimme: Keinesfalls, auch da können die Anwender viel falsch machen. Verbrennungen, Pigmentstörungen oder Narben können die Folge sein. Aber generell ist das Risiko geringer. Und bei Behandlungen in Kosmetikstudios, bei denen es eher mal zu unerwünschten Nebenwirkungen kommt als beim Arzt, kommt überwiegend IPL zum Einsatz. Mit Inkrafttreten des geänderten Strahlenschutzrechts Ende 2020 ist eine Laserbehandlung zur dauerhaften Haarentfernung ohnehin nur noch beim dafür ausgebildeten Arzt erlaubt.

Gelbe Seiten: Gibt es Personengruppen, für die sich die beiden Methoden zur permanenten Haarentfernung nicht eignen?

Grimme: Schwangere werden in der Regel nicht behandelt. Allerdings nicht aus medizinischen Gründen, sondern aus rechtlichen. Sollte mit dem Kind irgendetwas passieren, kann man schwer nachweisen, dass der Laser oder das IPL-Gerät damit nichts zu tun hatte. Darüber hinaus ist die Behandlung bei allen deutlich gebräunten Menschen sowie bei solchen mit natürlich dunkler Haut schwierig. Denn dann erhitzt das Licht nicht nur den braunen Farbstoff an der Haarwurzel, sondern auch die umliegende Haut. In der Folge kann es zu Verbrennungen kommen. Das gilt für beide Verfahren, insbesondere aber für IPL. Es gibt sogenannte Nd:YAG-Laser, die sogar bei Personen mit schwarzer Hautfarbe zum Einsatz kommen können. Die sind aber weniger effektiv im Vergleich zu dem gängigen Alexandritlaser oder auch IPL.

Gelbe Seiten: Und wie sieht es mit dem nordischen Typ aus, der – unabhängig von der Hautfarbe – sehr helle Haare hat?

Grimme: Je heller und feiner die Haare sind, desto schlechter funktionieren beide Methoden. Richtig blonde oder sogar weiße Haare können nicht dauerhaft entfernt werden. Den besten Vorher-Nachher-Effekt sehen Patienten bei schwarzen Stoppelhaaren. Die wünscht man keiner Frau, aber wenn sie darunter leidet, sind sie wunderbar zu behandeln.

Gelbe Seiten: Für welche Stellen am Körper ist die Prozedur geeignet, für welche weniger?

Grimme: Beide Methoden zur dauerhaften Haarentfernung können Sie prinzipiell an allen Stellen des Körpers anwenden. An einigen ist es leichter, an anderen komplizierter. Zum Beispiel die Achsel: Das ist in der Regel kein ebenes Gebiet. Dort ist vor allem eine IPL-Behandlung komplizierter, da das Gerät, wie bereits erwähnt, immer direkt auf der Haut anliegen muss. Und der behaarte Männerrücken ist auch eine Herausforderung, da die Haarwurzeln dort sehr tief in der Haut stecken.

Ein IPL-Gerät für den Heimgebrauch zur Haarentfernung. 
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Ein IPL-Gerät für den Heimgebrauch zur Haarentfernung. 

Gelbe Seiten: Muss der Patient während oder nach der Behandlung mit Schmerzen rechnen?

Grimme: Erfahrungsgemäß ist die IPL-Behandlung etwas schmerzhafter als der Laser, doch beide Verfahren sind sehr gut auszuhalten. An empfindlichen Stellen ziept es vielleicht ein wenig. Nach der Behandlung weist die Körperstelle eine leichte Rötung auf, aber auch die ist in der Regel nicht mit Schmerzen verbunden. 

Gelbe Seiten: Bedeutet „dauerhaft“ für immer oder nur für einen längeren Zeitraum?

Grimme: Nach der Behandlung fallen die Haare einige Tage später aus. Ein großer Teil der Haare wächst in der Regel nicht mehr nach, weil die Funktion der Haarwurzel ausgeschaltet wurde. In seltenen Fällen kommt es jedoch vor, dass sich die Wurzel nach einigen Jahren erholt hat und erneut ein Haar produziert. Frauen wachsen aber immer mehr Haare im Gesicht, je älter sie werden. Wer also beispielsweise einen Damenbart dauerhaft hat entfernen lassen, kann nach einigen Jahren wieder davon betroffen sein, da sich Haare nun an anderen Stellen über der Lippe bilden.

Gelbe Seiten: Wie viele Behandlungen sind notwendig, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen?

Grimme: Das unterscheidet sich immer leicht, abhängig vom Hauttyp. Die Achseln zeigen in der Regel nach fünf bis sieben Behandlungen nur noch geringen Haarwuchs. Jede Sitzung dauert etwa 10 bis 15 Minuten. Der bereits angesprochene Männerrücken erfordert dagegen eher zehn Sitzungen mit jeweils 60 bis 90 Minuten.

Die dauerhafte Haarentfernung unter den Achseln wird oft nachgefragt. 
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Die dauerhafte Haarentfernung unter den Achseln wird oft nachgefragt. 

Gelbe Seiten: Mit welchen Kosten müssen Patienten rechnen? Zahlt die Krankenkasse gegebenenfalls etwas dazu?

Grimme: Die Kosten unterscheiden sich natürlich von Anbieter zu Anbieter, doch für die Achseln sollten Interessierte insgesamt rund 150 Euro plus Mehrwertsteuer pro Behandlung, also insgesamt rund 1.000 Euro einplanen, der voll behaarte Männerrücken kostet dann etwa das Siebenfache. Die gesetzliche Krankenkasse gibt in der Regel keinen Zuschuss, mit Ausnahme von Behandlungen bei Transsexuellen, die im Zuge ihrer Geschlechtsumwandlung eine dauerhafte Haarentfernung benötigen. Private Versicherer zahlen immerhin die Entfernung des Damenbarts.

Gelbe Seiten: Mittlerweile gibt es eine Reihe von IPL-Geräten für den Heimgebrauch. Was halten Sie davon?

Grimme: Mir ist keine wissenschaftliche Studie bekannt, die die Wirksamkeit untersucht hat. Aber nach meinen Erfahrungen werden die Haare damit zwar erhitzt, verbrannt und fallen aus, aber die Haarwurzel wird nicht nachhaltig geschädigt, sodass es sich nicht um eine dauerhafte Haarentfernung handelt. Es ist ja aber auch logisch, dass ein Gerät für den Heimgebrauch für 200 bis 500 Euro nicht denselben Effekt hat wie ein IPL-Gerät für 50.000 Euro, das in Arztpraxen zur Anwendung kommt.

Gelbe Seiten: Gibt es neben dem Laser und der IPL-Methode noch andere Methoden zur dauerhaften Haarentfernung?

Grimme: Nein. Früher wurde die Elektro-Epilation noch häufiger angewandt. Dabei wird eine Nadel in die Haarwurzel gestochen und erhitzt, aber diese Methode ist völlig unpraktikabel. Und Cremes, die das Haarwachstum verringern sollen, wirken in vielen Fällen gar nicht oder nicht mit annähernd vergleichbarem Ergebnis.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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Experte/-in
Dr. Heiko Grimme

Dr. Heiko Grimme praktiziert seit 2002 in einer Gemeinschaftspraxis in Stuttgart. Die Lasermedizin ist einer seiner Schwerpunkte. Der Facharzt für Dermatologie ist unter anderem Mitglied in der Deutschen Dermatologischen Lasergesellschaft sowie in der European Society for Laser Dermatology.

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