Chronische Borreliose: Verlauf und Therapie
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Chronische Borreliose: Verlauf und Therapie

Bleibt eine akute Infektion mit Borrelien zu lange unentdeckt, kann eine chronische Borreliose daraus entstehen. Dabei kommt es unter anderem zu schmerzhaften Gelenkentzündungen. Doch wie lässt sich das chronische Stadium einer Borrelieninfektion behandeln?

Wie entsteht eine chronische Borreliose?


Eine chronische Borreliose stellt das dritte Stadium einer Borrelieninfektion dar. Die eigentliche Ansteckung mit der Krankheit erfolgt in der Regel über infizierte Zecken, in seltenen Fällen über Pferdebremsen oder Stechmücken. Beim Stich der blutsaugenden Parasiten geben sie die Borrelien an den Menschen weiter – je länger sie Blut saugen, desto höher ist das Risiko einer Infektion. Im ersten Stadium macht sich die Infektion in etwa 50 Prozent der Fälle durch eine sogenannte Wanderröte bemerkbar: Um den Zeckenstich herum bildet sich eine kreisrunde, scharf abgegrenzte Rötung, die nach und nach größer wird und in der Mitte verblasst. Bei der anderen Hälfte der Betroffenen fehlt dieses typische Symptom und es zeigen sich nur unspezifische Anzeichen wie Fieber, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie eine Bindehautentzündung.


Wird die Infektion nicht frühzeitig erkannt, breitet sich der Erreger weiter aus und es kommt zur zweiten Phase der Erkrankung: der akuten Neuroborreliose. Hierbei kann es zu Lähmungserscheinungen und Schmerzen in den Bereichen kommen, in denen sich die Bakterien niedergelassen haben. Gelegentlich treten Sensibilitätsstörungen als weitere Borreliose-Spätfolgen auf. Eher selten sind Komplikationen wie eine Gehirnhautentzündung (Meningitis) oder eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) sowie Herzrhythmusstörungen. Die akute Neuroborreliose kann chronisch werden; Monate oder sogar Jahre nach der Infektion kommt es dann zur dritten Phase.


Die chronische Borreliose greift insbesondere die Gelenke, das Nervensystem und die Haut an. Entzündete, schmerzhafte Gelenke – die sogenannte Lyme-Arthritis – sind die Folge, außerdem Hautveränderungen an Armen und Beinen. Die Haut wird dann dünner und färbt sich bläulich. Es kann überdies zu einer chronischen Gehirn- und Rückenmarkentzündung sowie Lähmungen kommen. Des Weiteren fühlen sich die Patienten oft chronisch erschöpft und ermüden rasch. Die Symptome können sowohl in Schüben auftreten als auch dauerhaft das Leben der Betroffenen schwer belasten.


Wie lässt sich eine Borreliose im Spätstadium behandeln?


Am größten sind die Heilungschancen, wenn die Borreliose möglichst früh behandelt wird. Im Anfangsstadium werden Antibiotika in Tablettenform über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen verabreicht, um die Erreger abzutöten. Eine chronische Borreliose lässt sich ebenfalls mit Antibiotika behandeln, allerdings genügen Tabletten in diesem Fall nicht und die Medikamente müssen per Infusion direkt ins Blut gegeben werden. Die Therapie der Infektionskrankheit dauert in chronischen Fällen ebenfalls zwei bis drei Wochen und führt zwar nicht immer, aber oft zur Heilung. Unter Umständen wird eine Nachbehandlung mit einem anderen Antibiotikum notwendig. Teilweise wird im Rahmen einer Kombinationstherapie gleich bei der ersten Behandlung mit mehreren verschiedenen Antibiotika gearbeitet.


Alternative Medizin gegen chronische Borreliose?


Begleitend dazu – jedoch keinesfalls als Antibiotika-Ersatz – kommen Methoden der Naturheilkunde infrage, um Schmerzen und andere Beschwerden zu lindern. Homöopathie zum Beispiel kann die Lebensqualität Betroffener verbessern, ebenso andere alternative Heilmethoden wie Akupunktur, die den Patienten gut tun. Wichtig ist, dass Sie solche naturheilkundlichen Maßnahmen mit Ihrem behandelnden Arzt und einem professionellen Heilpraktiker absprechen und nicht auf eigene Faust handeln. Die Infusionen mit Antibiotika sind trotzdem unumgänglich, da ansonsten der Erreger im Organismus verweilt und die Beschwerden jederzeit wieder ausbrechen können.


Chronische Borreliose: Selbsthilfegruppen geben Kraft


Eine chronische Borreliose kann auch die Psyche in Mitleidenschaft ziehen. Die Schmerzen, die ständige Erschöpfung und ein häufig langer Weg zur richtigen Diagnose und Behandlung sind für Betroffene oftmals schwer zu ertragen. Stimmungsschwankungen, gesteigerte Reizbarkeit bis hin zu Aggressionen, emotionale Labilität sowie Depressionen können die Folge sein. In besonders schweren Fällen kann eine zusätzliche Psychotherapie notwendig werden. Darüber hinaus ist der Austausch mit anderen Erkrankten hilfreich. Aus diesem Grund empfiehlt sich der Besuch einer Selbsthilfegruppe für chronisch an Borreliose Erkrankte. Dort können Patienten sich über ihre Krankheit informieren, sich aussprechen und angenommen fühlen. Eine Liste mit Gruppen zur Selbsthilfe findet sich auf der Homepage vom Borreliose und FSME Bund Deutschland.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

CK
Autor/-in
Christopher Kiel
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